Läufelfingen

Ein Altersheim für Kühe, Schafe und Hühner: Sie dürfen glücklich sterben

Auf dem Gnadenhof im Baselbieter Läufelfingen werden Nutztiere wie Kühe vor dem sicheren Tod gerettet. Der Hof finanziert sich mit Spenden und Partnerschaften.

«Sie kauen gerne Haare und Schnürsenkel an», mahnt Bea Gutzwiller, Leiterin der Villa Kuhnterbunt, zur Vorsicht. Sie steht inmitten von Kühen auf einer saftigen, grünen Wiese. Die Tiere scharen sich um sie, jede möchte Streicheleinheiten bekommen und mit Gutzwiller spielen. «Ich habe Kühe schon immer geliebt», erzählt sie. Ihr Kindheitstraum sei es gewesen, ein Altersheim für Kühe zu eröffnen: «Jetzt habe ich es umgesetzt.» Der Stolz ist ihr anzusehen.

In der beschaulichen Gemeinde Läufelfingen, eingebettet in die Hügelketten des Baselbieter Juras, liegt das Hofgut Homberg. Zu diesem gehört die Villa Kuhnterbunt: ein Gnadenhof für Kühe. Es gibt aber auch Schafe, Hühner, Hunde und Katzen. Das Konzept der Villa Kuhnterbunt lautet: Kein Tier wird geschlachtet und keine Kuh gemolken. Gemäss Gutzwiller ist es ein Ort, an dem die Tiere ein unbeschwertes Leben geniessen können. «Kein Tier ist historisch so eng mit dem Menschen verbunden wie die Kuh, und keines ist auch so in Vergessenheit geraten», sagt Gutzwiller.

Die dumme Kuh – ein Vorurteil

Der Gnadenhof hat sich drei wesentliche Ziele gesetzt: Als erstes will er sich für einzelne Tiere engagieren und ihnen ein Dasein jenseits menschlicher Nutzungsansprüche bieten. Weiter informiert er rund um das Rind – der Schwerpunkt liegt dabei auf der Beziehung zwischen Mensch und Tier sowie der Nutztierhaltung. Das dritte Ziel des Gnadenhofs ist, den Kontakt zwischen Menschen und Tieren in Form von Begegnungen zu fördern.

«Menschen denken doch immer, dass Kühe dumm sind, doch das Gegenteil ist der Fall», sagt Gutzwiller. Sie seien wie Hunde: treu, verspielt und vor allem sehr schlau. Kühe könne man ähnlich ausbilden wie Pferde. In dem Moment ruft die Leiterin von Kuhnterbunt die jüngste Bewohnerin des Hofes. Und tatsächlich: Wie ein Hund kommt das Kalb Leonie angetrabt und möchte schmusen. Das Tier hatte das Glück, gleich nach der Geburt von einem tierliebenden Paar freigekauft zu werden.

Die Villa Kuhnterbunt wurde vor einem halben Jahr gegründet. Gutzwiller, gelernte Ergotherapeutin, kaufte sich eine Kuh für 2000 Franken – der Preis entspricht immer dem Schlachtgewicht des Tieres – und rettete sie so vor dem Tod. Auch der Ort war im Gutshof Homberg von Lukas Hess in Läufelfingen schnell gefunden.

Anfeindungen beim Start

«Kuhnterbunt soll ein Statement gegen die Massenproduktion sein. Denn Kühe gelten heutzutage nur als Nahrungsmittelproduzenten», sagt Gutzwiller. Der Anfang sei schwer gewesen, sie sei massiv angefeindet worden: Wieso sie sich für Kühe einsetze und nicht für arme Kinder, lautete der Tenor. «Mittlerweile hat sich die Lage aber beruhigt.» Dies zeigen auch die Zahlen: Aktuell leben 17 Kühe auf dem Hof. Kuhnterbunt finanziert sich durch Spenden und Partnerschaften: Eine monatliche Partnerschaft kostet 250 Franken, mit diesem Betrag sind sämtliche Ausgaben für eine Kuh gedeckt. Es sind aber auch kleinere Beiträge möglich. «Wir schreiben schwarze Zahlen», versichert Gutzwiller. Für die Zukunft haben sich die Betreiber der Villa Kuhnterbunt viel vorgenommen: Sie möchten so vielen Tieren wie möglich ein Zuhause bieten, möglichst viele Leute erreichen und irgendwann auch Tiertherapien mit den Kühen anbieten.

Das Durchschnittsalter einer Milchkuh liegt zwischen vier und sechs Jahren. Dies, weil sie als Nutztiere gehalten werden. Wie alt Kühe werden, wenn sie abseits dieser Nutzung leben, sei nicht bekannt, sagt Gutzwiller. Aber für sie ist klar: «In der Villa Kuhnterbunt sterben Kühe glücklich.»

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