«Chirsibaum-Tafel»

Ein Anruf brachte sie zum Verschwinden: Die erstaunlich widerstandsfähigen Metall-Chirsibäume

Da stand es noch: Das «Willkommen»-Schild bei der A2 im Bereich Hagnau, kurz nach St. Jakob, Fahrtrichtung Muttenz.

Da stand es noch: Das «Willkommen»-Schild bei der A2 im Bereich Hagnau, kurz nach St. Jakob, Fahrtrichtung Muttenz.

Noch immer standen entlang der A2 je zwei «Willkommen» und «Auf Wiedersehen»-Tafeln – dann rief die bz an.

Ein Anruf kann nicht Berge versetzen, aber Schilder zum Verschwinden bringen. Am vergangenen Donnerstag wollte die bz von der Baselbieter Landeskanzlei wissen, weshalb entlang der A2 noch immer vier grosse Chirsibaum-Tafeln stehen. Der Kanton sollte die Schilder im vergangenen Sommer auswechseln. Nach und nach verschwanden die rund 100 Tafeln. Es sah so aus, als wären die vier Exemplare am Autobahn-Bord schlicht vergessen gegangen.

Am Freitagmittag waren dann auch sie plötzlich weg – abmontiert, wegtransportiert. Die Metallplatten seien nicht durch die Lappen gegangen, hatte Nic Kaufmann, 2. Landschreiber, der bz noch am Donnerstag versichert: «Der Wechsel der Autobahn-Schilder hat sich verzögert, weil die neuen Schilder noch durchs Bundesamt für Strassen (Astra) freigegeben werden müssen.» Sobald man grünes Licht habe, werde das Tiefbauamt eine entsprechende Firma mit den Arbeiten beauftragen. Offenbar lag das OK des Bundesamtes für Strassen schon vor. Jedenfalls beeilte sich das Tiefbauamt, die Altlast am Freitagvormittag zu erledigen.

Die vier Schilder standen im Bereich Hagnau und vor Augst. Je zwei waren mit «Willkommen im Baselbiet» und «Auf Wiedersehen im Baselbiet» beschriftet.

«Auf Wiedersehen»-Motive will der Bund nicht mehr

Die alten Schilder hatte der Kanton verkauft. Von den restlichen vier, die zur grössten Gruppe gehören – die Quadrate messen 1,5 mal 1,5 Meter – sind bereits zwei fix versprochen, einem Ortsmuseum und einem historischen Verein. Die übrigen zwei werden versteigert: An der Gant des kantonalen Verwertungsdienstes am 9. Mai in Liestal.

Das prägnante Motiv mit Chirsibaum und Siibedupf schuf der Muttenzer Grafiker Eugen Spitteler. Anlass war das 150-Jahr-Jubiläum des Kantons Basellands 1983. Seither zierten die Tafeln Verkehrswege bei den Kantons- und Landesgrenzen. Die Baselbieter Regierung beschloss 2018, neue Schilder produzieren zu lassen. Der Grund waren revidierte Weisungen des Astra. Derartige Schilder müssen zu rund einem Viertel braun sein. Die Chirsibäume wären so nicht mehr bewilligt worden.

Das neue Motiv erfüllt die Braun-Mindestvorgabe. Regierungsrat Thomas Weber präsentierte es den Medien am 10. Mai vergangenen Jahres in Bad Bubendorf. Das neue Schild zeigt einen Baselbieterstab aus Nussholz, dazu die Schrift «Willkommen in Baselland». Im Hintergrund ist die Fotografie einer Jura-Hügellandschaft zu sehen.

Neben dem allgemeinen Motiv gibt es auch solche, die auf Sehenswürdigkeiten verweisen, etwa das Schloss Bottmingen, den Arlesheimer Dom oder die Laufner Altstadt. Die «Auf Wiedersehen»-Schilder werden nicht ersetzt – Verabschiedungsmotive sieht das Astra laut Kanton nicht mehr vor.

Die Bevölkerung mag die Chirsibaum-Schilder. Beim Schilderverkauf am 8. August beim Verwertungsdienst waren die rund 100 Objekte im Nu weg. Es konnte pro Person lediglich eines erworben werden. Damit niemand mit leeren Händen nach Hause gehen musste, hat der Kanton für Interessierte auf Bestellung 58 Schilder nachproduzieren lassen und zum Selbstkostenpreis abgegeben.

Alle Schilder wurden abgeholt – und es wird auch keine weitere Produktion mehr geben.

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