Vision gebodigt

Ein Badesee in Münchenstein? «Nur über meine Leiche», sagt der Grundbesitzer

So soll der See in Münchenstein aus der Vogelperspektive aussehen.

So soll der See in Münchenstein aus der Vogelperspektive aussehen.

Die Idee von Architekt Rolf Stalder, im Gebiet Mülimatt in Münchenstein einen riesigen dreigeteilten See zu bauen, erntete Beifall. Doch er machte einen Fehler: Er fragte den Grundbesitzer Thomas Geigy nicht. Dieser nimmt gegenüber der bz kein Blatt vor den Mund.

Die Idee ist bestechend: Am nassesten Ort von Münchenstein, im Gebiet Mülimatt zwischen Birs und Mühlemattstrasse, könnte ein grosser See entstehen. Ein Badestrand, den Baselbieter und Basler mit dem Trämli erreichen. Diese Vision präsentierte Architekt Rolf Stalder am Samstag in der «Schweiz am Wochenende». Er reanimiert damit Pläne, die schon die frühere Baselbieter Baudirektorin Elsbeth Schneider vor 13 Jahren hatte, die aber nie umgesetzt wurden. «Ich erhielt extrem viel positives Feedback aus der Bevölkerung», sagte Stalder gestern auf Anfrage.

Doch nun rächt sich, dass der Architekt bei der Ausarbeitung seiner Idee jegliche möglichen Hindernisse absichtlich ausblendete: «Eine Vision soll nicht zu früh gebremst werden», sagte er schon am Samstag. Jetzt wird sie nicht nur gebremst, sie wird zum Vollstopp gezwungen: «Nur über meine Leiche», sagt nämlich einer, den Stalder besser nicht ignoriert hätte. Es ist Thomas Geigy, dem zusammen mit seinem Bruder Jürg der Grossteil des Landes gehört, das für den See infrage kommt.

Schon vor 13 Jahren wurden die Geigys nicht gefragt

Als ihn die bz gestern am Telefon erreicht, lässt der 73-jährige Riehener nicht den Hauch eines Zweifels, dass das 38000 Quadratmeter grosse Grundstück Ackerland bleiben soll. «Das ist der Umschwung unseres Landguts, das wir seit 1760 mittlerweile in elfter Generation jeden Sommer bewohnen.» Auch bereits in vierter Generation sei die Familie Hofer Pächter des Landwirtschaftslandes. «Für Stephan Hofer ist dies der Hauptacker, es geht um seine Existenz», so Geigy, der der See-Idee «zu 150 Prozent» eine Absage erteilt.

Schon im Riehener Einwohnerrat, dem Thomas Geigy bis 2002 für die LDP angehörte, redete er oft Klartext. Daran knüpft er nun nahtlos an: «Es ist völlig unverfroren von Rolf Stalder, Pläne für ein Landstück zu entwickeln, ohne den privaten Besitzer zu fragen. Wir würden sämtliche Instanzen durchlaufen, falls nötig bis vors Bundesgericht, um unser Land zu halten.» Geigy verweist auf seinen 84-jährigen Bruder, der Anwalt sei.

Um zu verstehen, weshalb die Erbengemeinschaft Geigy bereits so schweres Geschütz auffährt, bedarf es eines Blicks in die Vergangenheit. «Schon vor 13 Jahren wurden wir nicht gefragt, als sich Elsbeth Schneider den See wünschte. Mein Bruder schickte darauf geharnischte Briefe nach Liestal», erzählt Thomas Geigy. Und auch mit der Gemeinde Münchenstein habe man wegen verschiedener Grundstücke schon Scherereien gehabt. «Wir sind halt noch eine Familie mit Ländereien und tragen Sorge dazu.»

Architekt Stalder will das Gespräch suchen

Geigy glaubt zudem, dass ein See daran scheitern würde, dass man erst zig Wasser-, Strom- und Gasleitungen umleiten müsste, die unter dem Acker verlaufen. Ganz grundsätzlich sagt er: «Für so ein Projekt soll man doch Staatsland suchen.» Auch den Pächter Stephan Hofer erreicht die bz, dessen Hof direkt gegenüber des Herrschaftshauses «Bruggut» der Geigys liegt: «Von einem See habe ich nichts, da verliere ich nur», sagt er. Landwirtschaftsland nehme sowieso überall ab. Würde ihm dieses genommen, gäbe es keinen Ersatz.

Und was sagt Architekt Stalder? «Es ist schade, dass Thomas Geigy so reagiert und das Ganze nicht etwas spielerischer sieht.» Visionär könne man nur sein, wenn man unbelastet an etwas rangehe. «Jetzt sollten wir alle erst einmal ausatmen und die Sache etwas ruhen lassen.» In ein paar Wochen möchte er dann das Gespräch mit Geigy und Hofer suchen. Ganz aufgegeben hat Stalder also noch nicht.

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