Der Kirschengeruch zieht fein die Nase hoch. Dazu kommt die Wärme der Brennkessel, die unaufhörlich am arbeiten sind. «Es gibt Saisons, da riecht es strenger», meint Andreas Gerber, der zusammen mit seinem Bruder Stefan Zuber die Ernst Zuber AG in dritter Generation führt. Der heisse Sommer hat zwar für eine quantitativ hohe Kirschenernte gesorgt, die Qualität blieb aber etwas auf der Strecke. «Der Reifeprozess ging derart schnell, dass die Bäume gar nicht die Energie hatten, um all die Kirschen mit Zucker und Aroma zu versorgen.»

Die beiden Brüder holen aber stets alles aus den Rohstoffen heraus. Davon überzeugten sich am Tag der offenen Tür am Samstag, an dem schweizweit über 40 Brennereien Einblicke in ihr Schaffen gewährten, zahlreiche Besucher. Therese Lustenberger ist mit ihren beiden Söhnen extra aus Erlinsbach bei Aarau angereist und hat gleich noch drei Fässer Obst aus dem eigenen Garten mitgebracht, um dieses in Arisdorf brennen zu lassen. «Der ganze Brennvorgang ist einfach wahnsinnig interessant. Wir wohnten früher auf einem Bauernhof. Da kam regelmässig der Lohnbrenner mit dem Wagen vorbei, der von Hof zu Hof fuhr. Das sind schöne Erinnerungen.» Für sie gehöre «ein Schnäpsli» nach einem guten Essen einfach dazu. Die Aargauerin zeigte sich ab der neuen Brennanlage beeindruckt. «Diese Sauberkeit, diese Technik, wirklich toll.»

Ein Blick hinter die Kulissen

Seit Mitte Oktober sind die vier neuen Brennkessel in Betrieb. Sie haben die Arbeit von Andreas Gerber und Stefan Zuber verändert. «Wir müssen jetzt während eines Brennvorgang weniger oft zum Rechten schauen, da wir schon zu Beginn die Einstellungen vornehmen können.» Die Grundlagen des Brennens seien aber nach wie vor die gleichen.

Anita Ruf und René Baumann liessen sich die neue Anlage schon früh am Morgen erklären. Die Giebenacher wohnten einst in Arisdorf und kaufen immer mal wieder eine Flasche im Laden, verrät Baumann. «So ein Blick hinter die Kulissen ist natürlich spannend und aufregend. Die Brennerei selber war für uns immer auch ein Heiligtum, ein Geheimnis quasi.» Dies blieb sie trotz der offenen Türen auch am Samstag. Auf die Frage eines älteren Mannes, wie er denn genau die Quitte brennt, antworte Andreas Gerber mit einem schelmischen Lächeln. «Das bleibt mein Geheimnis.»

Der Tag der offenen Tür zeigte den letzten Akt eines langen Weges zum Genuss. Viele würden unterschätzen, wie viel Arbeit hinter einem solchen Produkt in der Flasche steckt, meinte ein Besucher.

«Schnaps hat ein etwas zwiespältiges Image»

Andreas Gerber und Stefan Zuber sind sich einig: Kirsch, Williams oder Gin sind Genussprodukte. «Es ist uns ein Anliegen, zu zeigen, was alles dahintersteckt», betonte Zuber. «Schnaps hat ja oftmals ein etwas zwiespältiges Image. Dem wollen wir mit qualitativ hochstehenden Produkten entgegenwirken.»

Dieses Qualitätsbewusstsein sei im Familienunternehmen verankert. Während die Söhne den Besuchern die Brennerei zeigten und im Laden bedienten, lud die einstige Brennmeisterin Yvonne Zuber zur Geruchsprobe. Für Laien und Experten gleichermassen eine Herausforderung.