Coronavirus

Ein Coronagraben teilt das Baselbiet: Das sind die Infektionszahlen pro Gemeinde

Ab kommender Woche kann man online die Infektionszahlen in den einzelnen Baselbieter Gemeinden einsehen. (Symbolbild)

Ab kommender Woche kann man online die Infektionszahlen in den einzelnen Baselbieter Gemeinden einsehen. (Symbolbild)

Schon bald kann man die Coronazahlen in den einzelnen Baselbieter Gemeinden einsehen. In 25 Gemeinden bewegt sich die Anzahl der positiv auf Covid-19 Getesteten aktuell im einstelligen Bereich. Einsamer Spitzenreiter mit den meisten Infektionen ist Pratteln.

Manche fragten danach, ab kommender Woche ist es endlich verfügbar: Der Kanton Baselland veröffentlicht erstmals die Zahl der mit Covid-19 Infizierten pro Gemeinde. Bisher waren auf dem kantonalen Coronaportal lediglich die Zahlen der positiv Getesteten pro Bezirk abrufbar. Die Aktualisierung soll danach täglich erfolgen und im Internet abrufbar sein, wie Rolf Wirz, der Sprecher des Kantonalen Krisenstabs, bestätigt.

Ab wann genau die Gemeindenzahlen kommende Woche aufgeschaltet werden, blieb am Donnerstag noch offen. Bisher scheute man sich beim Kanton vor diesem Schritt, um Stigmatisierungen und falschen Verdächtigungen in Gemeinden mit geringen Fallzahlen vorzubeugen. Jetzt aber entschied man sich im Sinne der Transparenz trotzdem für die Veröffentlichung.

Je grösser die Gemeinde, desto mehr Fallzahlen

Die bz kann bereits heute eine erste Übersicht publizieren. Der Blick auf die Gemeindekarte mit Stand von gestern Donnerstag zeigt: In den bevölkerungsreichsten, stadtnahen Gemeinden treten auch am meisten Fälle auf. Ebenfalls zu vielen Ansteckungen ist es in und um Liestal sowie in den ländlichen Zentren Laufen und Sissach gekommen.

Die Corona-Zahlen in den Baselbieter Gemeinden

In absoluten Zahlen ist Pratteln mit 550 positiv Getesteten seit Ausbruch der Pandemie der Spitzenreiter. Deutlich dahinter folgen Allschwil (438), Reinach (424), Muttenz (423), Liestal (354) und Binningen (342). Am erfreulichen Ende der Skala bewegt sich Burg im Leimental, das als einzige Baselbieter Gemeinde statistisch noch immer coronafrei dasteht. Nur einen bestätigten Fall gab es in Hemmiken und Lauwil, deren zwei in Hersberg, Kilchberg und Nusshof und drei in Titterten. Bei 19 weiteren Kleingemeinden bewegten sich gestern die Zahlen der Infizierten noch im einstelligen Bereich.

Schwierig, Rückschlüsse zu ziehen

Wenngleich diese Ergebnisse auf den ersten Blick wenig überraschend erscheinen, so drängen sich doch gewisse Fragen auf. So etwa jene nach dem absoluten Höchststand in Pratteln, obschon die Industriegemeinde rund 4'000 Einwohner weniger zählt als Allschwil. Generell gibt man sich beim Kanton zurückhaltend, wenn es um die Interpretation aller Zahlen geht. Es sei schwierig, irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen, heisst es beim Krisenstab, da man in vielen Fällen nicht herausfinden konnte, wo sich die Leute angesteckt haben.

Allerdings hegt man in Bezug auf Pratteln und andere Hot Spots den Verdacht, dass ein grosser Teil der Neuansteckungen Menschen mit fremdsprachlichem Hintergrund oder einem entsprechenden Umfeld betrifft. Was bedeuten würde, dass sich diese Personenkreise entweder aus Fahrlässigkeit oder Unwissen über die richtigen Verhaltensregeln häufiger mit Covid-19 ansteckten als deutschsprachige Einwohnerinnen und Einwohner.

Ebenso möglich erscheint ein Zusammenhang mit den jeweiligen Wohnverhältnissen, der städtischen Enge und dem Freizeitverhalten. «Wir haben aber keine statistisch eindeutigen Auswertungen dazu», schränkt Krisenstabsprecher Wirz bezüglich der Ausländerthese sogleich wieder ein.

Maisprach überrascht als neuer Corona-Hot-Spot

Um einiges spannender wird die Auswertung, wenn man die Inzidenz der vergangenen zwei Wochen betrachtet, also die Zunahme der Infektionszahlen gemessen an der Einwohnerzahl (siehe Grafik). Gemäss Berechnungen der bz scheint sich die Lage gerade in vielen grossen Gemeinden wieder zu entspannen oder zumindest nicht wesentlich zu verschärfen. Die Ausnahme stellt wiederum Pratteln dar, wo in den vergangenen 14 Tagen von 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Schnitt deren 12,3 positiv auf Covid-19 getestet worden sind.

Am schlimmsten jedoch ist die Lage an einem eher unverdächtigen Ort: Das 950-Seelen-Dorf Maisprach musste im Durchschnitt zuletzt die höchste Zunahme an Infektionen im ganzen Kanton verzeichnen. Die genauen Gründe dafür bleiben auch in diesem Fall im Dunkeln, jedoch stellen die 19,0 Infektionen auf 1000 Einwohner den mit Abstand höchsten Wert der vergangenen 14 Tage dar. Eine weitere Kleingemeinde im roten Bereich, Liedertswil/Tschoppenhof folgt mit 13,2 positiv Getesteten, wiederum hochgerechnet auf 1000 Einwohner.

Hohe Inzidenz im Bezirk Liestal

Welche politischen Konsequenzen lassen sich aus diesem ganzen Zahlensalat ableiten? In erster Linie bestätigt sich der schwierige Spagat, den die zuletzt viel kritisierte Baselbieter Regierung in der Corona-Bekämpfung bewältigen muss. Nicht nur gibt es grosse Diskrepanzen bei den absoluten Fallzahlen zwischen den grossen, stadtnahen Gemeinden und den kleinen Dörfern im Oberbaselbiet, welche eine kantonal einheitliche Marschrichtung bei der Coronabekämpfung erschweren; ganz zu schweigen vom Gleichklang mit der Stadt Basel. Auch bei der Inzidenz zeigen sich punktuelle, teils widersprüchliche Entwicklungen.

So lässt den Krisenstab die mit 875,8 Fällen fast doppelt so hohe 14-Tage-Inzidenz im Bezirk Liestal (hochgerechnet auf 100000 Einwohner) im Vergleich zu den 436,1 Fällen im solothurnischen Dorneck/Thierstein ratlos zurück. «Ausser, dass sich die Leute im Schwarzbubenland vielleicht besser an die Hygienemassnahmen halten oder ihre Kontakte stärker eingeschränkt haben, haben wir keine Erklärung dafür», gibt Sprecher Rolf Wirz offen zu.

Kantonales Corona-Portal

www.baselland.ch

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