Bretzwil

Ein eigenes Kraftwerk ist auch eine Kapitalanlage

Roland Häner zeigt stolz auf eine der vier Dachflächen, auf der dieSolarpanels bereits installiert sind. Franz Schweizer

Roland Häner zeigt stolz auf eine der vier Dachflächen, auf der dieSolarpanels bereits installiert sind. Franz Schweizer

Spät kommt er, doch er kommt, der Zugriff auf die Sonne als Erzeugerin von Strom in Bretzwil. Nach jahrlanger Zurückhaltung boomen die Photovoltaikanlagen im 800-Seelen-Dorf.

Im August 2011 installierte Franz Schweizer auf seinem Hausdach eine 32 Quadratmeter grosse Anlage. Und kürzlich doppelte Hans Sutter mit 48 Quadratmetern nach. Das ist jedoch nur der Anfang. Bereits in Betrieb ist das sich über vier Dächer und insgesamt 600 Quadratmeter messende Solarzellenfeld von Roland und Esther Häner-Wyniger auf dem Hof Steinmatt.

Ausserdem läuft gegenwärtig das Baugesuch von Eva Herzog-Wegmann für eine rund 30 Quadratmeter umfassende Anlage auf dem Hof Felken. Eine Baubewilligung ist aber nur für Anlagen ausserhalb der Bauzone und innerhalb der Kernzonen erforderlich.

Gebot der Stunde

Warum sich die Bretzbelerinnen und Bretzbeler bis jetzt beim Bau von Solarkraftwerken auf den Dächern zurückhielten, vermag bz-Wetterfotograf Schweizer nicht zu sagen. Denn thermische Anlagen zum Aufheizen des Wassers gebe es im Dorf schon lange. «Möglicherweise haben die Leute gedacht, das Installieren von Solarpanels ist zu aufwändig, zu kostspielig oder es war ihnen einfach zu wenig bekannt.» Er selbst habe sich schon vor Fukushima mit dem Gedanken befasst, den Strom selber zu erzeugen. Als naturverbundener Mensch habe er nun konsequenterweise den Schritt vollzogen.

Von einer Beruhigung des Gewissens will er nicht direkt sprechen. Aber, verdeutlicht Schweizer, es sei ein Gebot der Stunde, die erneuerbaren Energiequellen besser als bisher zu nutzen. Und, fügt er an, es sei wegen der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) durch die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) auch eine Art Kapitalanlage. Denn das Energiedienstleistungsunternehmen nimmt den Stromproduzenten in Bretzwil die gesamte Solarenergie ab und richtet eine Vergütung aus. Schweizer bekommt so für jede Kilowattstunde, die ins Netz geht, 48 Rappen. Je länger die Sonne scheint, desto schneller amortisieren sich folglich die Investitionskosten.

100000 Kilowattstunden

Die grosse Anlage von Roland und Esther Häner produziert im Jahresdurchschnitt gegen 100000 Kilowattstunden. Da der gelernte Schreiner die Halterungen für die Panels selber montieren konnte, fielen die Montagekosten vergleichsweise tief aus. Er geht davon aus, das investierte Geld innert zehn bis zwölf Jahren samt Zins und Zinseszinsen wieder eingefahren zu haben.

Eine Versicherung gegen Unterbrechungen der Energieversorgung sind die eigenen Kraftwerke nicht. Das haben die Bretzbeler Produzenten vor wenigen Tagen erfahren. Als «Joachim» über das Land fegte und zeitweise einen Blackout verursachte brannte, technisch bedingt, auch in den Häusern mit Solarzellen auf dem Dach kein elektrisches Licht.

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