Ziegler Papier AG

Ein Familienbetrieb, der auf Spezialitäten setzt

Auch im Jubiläumsjahr läuft bei Ziegler die Papier-Maschine rund um die Uhr und die Woche.  Niz

Auch im Jubiläumsjahr läuft bei Ziegler die Papier-Maschine rund um die Uhr und die Woche. Niz

Trotz Internet vertraut die neue Besitzerfamilie auf die Zukunft des Papiers. Das 150-jährige Unternehmen, in dem die Eigentümer selbst Hand anlegen, schliesst auch eine Expansion nicht aus. Eine Landreserve dazu wäre jedenfalls da.

«Zur Konkurrenz des Internets habe ich ein entspanntes Verhältnis», erklärt Philipp Kuttler – für einen Papierfabrikanten eine erstaunliche Gelassenheit: Klagen doch Drucker, dass Firmen die gedruckte Auflage ihrer Geschäftsberichte senken und diese stattdessen als PDF ins Internet stellen. Doch selbst im Krisenjahr 2009 musste die Ziegler Papier AG in Grellingen (BL) die Produktion nur um 14 Prozent drosseln, weder war Kurzarbeit nötig noch drückten Entlassungen den seit Jahren stabilen Personalbestand von rund 180Personen. Im Vergleich dazu: In der zum südafrikanischen Sappi-Konzern zählenden Papierfabrik Biberist wurden 2009 trotz Kurzarbeit 48Stellen gestrichen und die Maschinen waren teilweise nur zur Hälfte ausgelastet.

Ziegler Papier ist hingegen im Alter von 150 Jahren das letzte Familienunternehmen der Schweiz, in dem die Besitzer – seit 2009 Kuttler und seine Frau Isabel Frey Kuttler – selber mitarbeiten, zudem schuldenfrei und im Besitz einer Landreserve für allfällige Expansion. Doch fehlt es nicht an Herausforderungen: «Durch den tiefen Euro geraten wir auch auf dem Schweizer Markt unter Preisdruck», erklärt Frey. Zudem sei es gelungen, nach der Delle von 2009 in Lokalwährungen den Umsatz von 103 Millionen Franken zu steigern. Doch die Schwäche von Euro, Dollar und Pfund hat diese Erholung weitgehend neutralisiert.

Nischen im Highend-Segment

Rund die Hälfte der Papiere setzt Ziegler im Ausland ab, den Rest im Heimmarkt. «Wir zählen viele mittelständische Betriebe zu unseren Kunden, die es schätzen, über Jahre von den gleichen Ansprechpartnern betreut zu werden.»

Grundlage des Erfolgs ist eine moderne Papiermaschine, auf der sich zwischen 40 und 240 Gramm pro Quadratmeter sämtliche Papierstärken herstellen lassen. Sie läuft im Vierschichtbetrieb rund um die Uhr und sieben Tage pro Woche.

Buchstäblich das Glanzstück des Ziegler-Sortiments sind grafische Papiere für den Offsetdruck, auf denen beispielsweise Gross- und Kantonalbanken und die Mehrheit der SMI-Firmen Geschäftsberichte und Edel-Prospekte drucken. Ergänzt wird diese Produktgruppe durch Business-Papiere der «Natural-Design»-Linie, die allerdings nichts mit Recycling-Papier zu tun hat. «Wir verarbeiten ausschliesslich FSC-zertifizierte Zellulose und senken seit Jahren den CO2-Ausstoss, indem wir sie mit Schiff und Bahn transportieren», erklärt Kuttler. Er hält Recycling-Papier nur für bedingt umweltfreundlich, da Recycling-Papier für anspruchsvolle Anwendungen nur unter hohem Chemieeinsatz zu verarbeiten sei.

Zu den Innovationsführern zählt sich Ziegler bei den Inkjet-Papieren (siehe Kasten). Eine weitere von Ziegler besetzte Nische sind Feinpapiere für Medikamenten-Beipackzettel: Diese müssen dünn und trotzdem möglichst undurchsichtig sein, um sie beidseitig bedrucken zu können.

Qualitäts- statt Mengenwachstum

Ein weiteres Standbein des Laufentaler Traditionsbetriebs sind Industriepapiere: Einerseits Halbfabrikat für Fahrtenschreiber-Scheiben für Busse und Lastwagen, andererseits Papier als Träger für Karbonfasern, die etwa zu Hightech-Velorahmen oder Flugzeugen verarbeitet werden. Dafür werden spezielle Ziegler-Papiere in Deutschland mit Silikon beschichtet.

«Wir produzieren an der Kapazitätsgrenze von 70000Tonnen jährlich», erläutert Frey. Wachstumsmöglichkeiten sieht das Besitzerpaar deshalb nicht in einer Mengenausweitung, sondern in weiterer Qualitätssteigerung durch Innovation oder indem Ziegler in der Wertschöpfungskette eine nachgelagerte Stufe integriert.

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