Liestal

Ein «Freudentag» für die Psychiatrie Baselland

Insgesamt investiert die Psychiatrie Baselland in den kommenden Jahren 110 Millionen Franken.

Insgesamt investiert die Psychiatrie Baselland in den kommenden Jahren 110 Millionen Franken.

Nach jahrelangen Verzögerungen wegen Einsprachen wurde am Donnerstag der Spatenstich für den Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Liestal gefeiert.

«In China wäre dies viel schneller gegangen», meinte Thomas Weber (SVP) mit einem Schmunzeln. Der Baselbieter Gesundheitsdirektor fügte aber auch gleich hinzu, dass er dies hier nicht wolle. «Die demokratischen Rechte müssen gewahrt werden.»

Diese nutzten Anwohner bis fast zum Äussersten aus. Das Bauprojekt war fünf Jahre lang durch Einsprachen blockiert. Anlass zur Kritik gab der Abstand zum Röserenbach, der zwischen dem Wohnhaus und dem Neubau durchfliesst. Der kantonale Gewässerschutzraum in diesem Gebiet war nicht nach Bundesrecht ausgeschieden worden.

Als dies die Bau- und Umweltschutzdirektion nachgebessert hatte, wies das Kantonsgericht weitere Beschwerden ab. Ein weiterer Versuch das Projekt zu stoppen, indem die Anwohnergruppe monierte, dass zwei Vertreter der Psychiatrie in der Steuerungsgruppe zur Ausarbeitung des Gewässerraum-Nutzungsplans sassen, kam vor Gericht ebenfalls nicht durch.

Abgeschlossener Innenhof

Ursprünglich hatte die Psychiatrie Baselland den Neubau bereits 2017 beziehen wollen. «Gut Ding will Weile haben», versuchte Verwaltungsratspräsidentin Alice Scherrer das Positive hervorzuheben. Der Spatenstich sei «ein Freudentag», strahlte sie fast schon euphorisch. Bereits 2012 beschlossen der Verwaltungsrat und CEO Hans-Peter Ulmann den Neubau als Ersatz für das 45 Jahre alte Gebäude der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Goldbrunnenstrasse.

Die kleinen, zum Teil von zwei Personen in Kajütenbetten genutzten Patientenzimmer, der ungeeignete Grundriss der Abteilung sowie die unpraktische Anordnung der Räume hätten die Behandlungen zunehmend erschwert. Im fünfeckigen Neubau gibt es eine Psychotherapiestation mit acht Betten für Kinder und Jugendliche mit schweren Essstörungen, eine Abteilung mit zwölf Betten für Kinder und Jugendliche in Krisensituationen sowie ein Ambulatorium. Der Neubau kostet zwölf Millionen Franken. Er soll Ende 2020 fertiggestellt sein.

Auffällig am Bauprojekt des Zürcher Architekturbüros «phalt» ist der Innenhof. Er soll als geschützter Aussenraum für die Patienten dienen, erklärte Architekt Mike Mattiello. Der Neubau grenzt an den bestehenden Parkplatz der Psychiatrie. Neben der Qualitätssteigerung in der Betreuung und Behandlung von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen sei vor allem die klare räumliche Abtrennung zur Erwachsenenpsychiatrie ein erheblicher Vorteil des Neubaus gegenüber der Situation heute, betonte CEO Hans-Peter Ulmann. Wenige Tage vor seiner Pension – er leitete die Psychiatrie operativ während 20 Jahren – durfte er mit dem Spatenstich ein letztes Highlight feiern.

Grosse Schritte in die Zukunft

Ulmann betonte mehrfach die Bedeutung der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Allein im vergangenen Jahr hat diese 9,6 Prozent mehr Patienten als 2017 behandelt. In den vergangenen fünf Jahren ist die jährliche Zahl der ambulanten und stationären Patienten auf 3124 Kinder und Jugendliche angestiegen. Das ist rund ein Drittel der insgesamt 10 000 Patienten der Psychiatrie Baselland.

Die Psychiatrie Baselland schreitet mit grossen Schritten in die Zukunft. Neben dem Neubau für die Kinder- und Jugendpsychiatrie sind zwei weitere Neubauten für zusammen 66 Millionen Franken geplant. Bezugsbereit sollen die beiden Gebäude Anfang 2023 sein. Darin sollen die Alterspsychiatrie und die Krisenintervention einziehen. Dazu kommt die Sanierung des bestehenden Baus B für gegen 35 Millionen Franken. Insgesamt investiert die Psychiatrie Baselland in den kommenden Jahren 110 Millionen Franken.

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