Im vergangenen Jahr wurden in der Nordwestschweiz 62 Tonnen dieser Frucht geerntet, was 88 Prozent der ganzen nationalen Produktion ausmachte. Gegen 300 Tonnen konsumierte die Schweizer Bevölkerung, gut zwei Drittel davon wurden aus Frankreich importiert.

«Die Mirabelle ist eine gesunde Frucht und sehr süss», sagt Dominik Wunderlin, Vorstandsmitglied der Baselbieter Genusswochen, für deren Ausgabe 2019 sie als Spezialität auserkoren worden ist. Nach «Micro Leaves» im vergangenen Jahr ist heuer also etwas Bodenständiges an der Reihe.

Der Historiker erzählte an der gestrigen Medienkonferenz in Hölstein, wie die Mirabelle zu uns gekommen war. Diese stammt aus Kleinasien und ist Mitte des 15. Jahrhunderts nach Europa gelangt, übers Mittelmeer an die südfranzösische Küste. Von dort «reiste» die zur Familie der Rosengewächse zählende Frucht in den Nordosten Frankreichs, nach Lothringen und ins Elsass, sowie in die Pfalz. Nun war es nicht mehr weit in die Nordwestschweiz. Ab etwa 1800 wurde die Mirabelle auch hier angebaut.

Anfällig auf Regen

Andreas Haas, Präsident des Bauernverbands beider Basel, bewirtschaftet mit seiner Familie den Hof Obere Bireten ob Hölstein – und besitzt 460 Mirabellen-Bäume. Die ersten hat er 2004 gepflanzt. Haas produziert Tafelmirabellen, die einen Durchmesser von 30 bis 33 Millimeter aufweisen. Die gelb-orange Frucht lasse sich gut vom Stein lösen, erklärt er. Durch ihren hohen Fruchtzuckergehalt ist sie aber um die Erntezeit im August anfällig auf Regen. «Dann springen die Mirabellen schnell auf.»

Der Landwirt liefert sein gepflücktes Gut an die Landi, von wo es via Grossverteiler in den Verkauf kommt. Haas bekam im vergangenen Jahr für ein Kilo Mirabellen einen Produzentenpreis von 2.60 Franken. In den Läden wurden fast fünf Franken verlangt – für ein Pfund.

Die Mirabellen-Bäume auf Haas’ Plantage stehen derzeit im Vollblust. Ob die Minustemperaturen während der Nächte von vergangener Woche geschadet haben? «Das können wir noch nicht sagen», sagt Lukas Kilcher, Leiter des Ebenrain-Zentrums. Die Situation sei aber nicht vergleichbar mit den Frostnächten im April 2017, die Kälte heuer weniger intensiv und früher eingetreten. Die Bäume haben bis jetzt noch nicht so stark ausgetrieben, wie das vor zwei Jahren in diesen verheerenden zwei Nächten der Fall gewesen ist.

Wenn Dominik Wunderlin über Rezepte spricht, läuft er zur Grossform auf. Er erläutert, wie vielseitig Mirabellen verarbeitet werden können, und zählt auf: Einmachen, Konfitüre, Kompott, Dörren, Wähe, Gebranntes. «Sie ist eine klassische Saisonfrucht.» Die Baselbieter Genusswochen dauern vom 1. September bis 13. Oktober 2019. Dafür ist neu ein Verein gegründet worden, die IG Baselbieter Genusswochen.

   

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