Lokalpolitik

Ein Gemeinderat, der ständig fehlt

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In Giebenach stellt sich Matthias Ilg der Wiederwahl, ist von seiner Partei aber nicht nominiert. Das hat er zur Kenntnis genommen: «Ich muss nicht auf alles reagieren»

Gemeinderat Matthias Ilg sorgt in Giebenach für Unmut. Er soll an Sitzungen des Gemeinderats und von Kommissionen mit fadenscheinigen Ausreden durch Abwesenheit glänzen, ärgert sich «ein besorgter Einwohner, aktiver Stimmbürger und Steuerzahler», der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, in einer Zuschrift an die bz. «Folglich überlässt er die Geschäfte seines Ressorts grosszügig anderen Ratsmitgliedern.»

Ilg habe zudem schon verlauten lassen, er habe dieses Amt nur des Geldes wegen übernommen, ist weiter zu lesen. Ein Giebenacher Gemeinderat erhält jährlich ein Fixum von 10 000 Franken, plus Sitzungsgelder. Derzeit ist Ilg beruflich krankgeschrieben und kann sein Mandat als Gemeinderat nicht erfüllen. Dennoch kandidiert er wieder für die Gesamterneuerungswahl vom kommenden Sonntag. 2016 wurde er in die Exekutive der 1000-Einwohner-Gemeinde gewählt.

Gemeindepräsident Patrick Borer äussert sich nicht zu den Vorwürfen an Ilg, hält sie aber für glaubwürdig. Er betont: «Wenn sich jemand für ein Amt als Gemeinderat aufstellen lässt, sollte er auch in der Lage sein, die Funktion auszuüben – sowohl in zeitlicher als auch in gesundheitlicher Hinsicht.» Über das Verhalten von Gemeinderat Matthias Ilg wüssten gewisse Personen Bescheid, auch im Dorf sei das ein Thema. «Aber ein Grossteil der Bevölkerung ist nicht im Bild», weiss Borer, der seit 2011 dem Gemeinderat angehört und diesen seit gut eineinhalb Jahren präsidiert.

Wenn ein Gemeinderat seinen Aufgaben nicht nachkommen kann, leidet das ganze Gremium. Die Kollegialbehörde werde belastet, weil es dann die anderen tun müssten, sagt der Präsident und gibt weiter zu bedenken: «Unmut entsteht dann, wenn der Steuerzahler sieht, dass jemand aus Steuergeldern finanziert wird und seinen Auftrag nicht wahrnimmt.»

Nachdem Ilg 2016 von der Vereinigung pro Giebenach (VPG) portiert worden war, wurde er von ihr für die bevorstehende Erneuerungswahl nicht mehr vorgeschlagen. Weshalb? «Seine nicht vorhandene Präsenz im politischen Amt», begründet Jürg Aebi, Präsident der unabhängigen Ortsgruppe. Matthias Ilg fehle an Gemeindeversammlungen, führe seine Projekte nicht, und man treffe ihn nie. «Leider kandidiert er wieder, obwohl er krankgeschrieben ist.»

«Das stimmt nicht, das muss ich dementieren»

Er habe versucht, mit Ilg zu sprechen, aber dieser sei für ihn nicht erreichbar, beklagt Aebi. Auch auf das Flugblatt der VPG, mit dem der Verein den Gemeindepräsidenten und Vizepräsidenten sowie die drei Neukandidierenden zur Wahl vorschlägt und auf dem Matthias Ilg fehlt, habe dieser «null Reaktion» gezeigt, «was mich auch erstaunt», so Jürg Aebi. Sie seien von ihm «sehr enttäuscht».

Der angeschossene Gemeinderat weist jegliche Anschuldigungen von sich. Wenn er einmal an einer Sitzung oder Versammlung gefehlt habe, sei dies im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit geschehen. Er müsse hin und wieder Piketteinsätze leisten, erklärt Matthias Ilg, der Geschäftsführer eines Betriebs im Baunebengewerbe ist. Zu den Vorwürfen, er habe das Gemeinderatsamt nur wegen des Geldes übernommen und sei nicht erreichbar, antwortet er: «Das stimmt nicht, das muss ich dementieren.»

Der krankgeschriebene Ilg will Gemeinderat bleiben, weil man ja wieder gesund werden könne. Er befinde sich auf dem Weg der Besserung. Die Nichtnominierung der VPG hat er zur Kenntnis genommen. «Ich muss nicht auf alles reagieren», rechtfertigt sich der 47-Jährige. Hinter vorgehaltener Hand hoffen nicht wenige Stimmbürger, dass Ilg am Sonntag die Wahl verpasst. Ein Szenario, das bei sieben Kandidierenden für fünf Sitze möglich ist.

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