Kleinlützel

Ein Holzkraftwerk erzürnt das halbe Dorf: «Wir wollen in unserem schönen Dorf kein Kraftwerk!!!»

Während des Testbetriebs lief das Holzschnitzelkraftwerk ohne Isolation. Das soll sich ändern.

Während des Testbetriebs lief das Holzschnitzelkraftwerk ohne Isolation. Das soll sich ändern.

Hunderte Einwohner von Kleinlützel setzen sich gegen ein Bauprojekt zur Wehr. Die Betreiberfirma aus Zürich gelobt Besserung.

Das Gebäude, um das in Kleinlützel ein Streit entbrannt ist, macht einen unscheinbaren Eindruck. Es könnte sich auch einfach um grüne Container handeln, die jemand am Rand der Gemeinde abgeladen hat. Hier steht aber ein Kraftwerk, in dem dereinst Strom und Abwärme aus Holzschnitzeln produziert werden soll.

Das Vorhaben treibt die Kleinlützler seit Monaten um. Im Juli übergaben Anwohner dem Gemeinderat eine Petition, die von rund 570 Einwohnern unterschrieben worden war. Bei insgesamt knapp 1300 Dorfbewohnern ist das fast jeder Zweite. Auf den Unterschriftenbögen hiess es: «Wir wollen in unserem schönen Dorf kein Kraftwerk!!!» Das Werk sei für die nähere Umgebung nicht zumutbar. Nach zweimaligem Testbetrieb war für viele klar, dass sie das Projekt unbedingt verhindern müssen.

Lärmbelastung und schlechte Kommunikation

In der aktuellen Ausgabe des «Wochenblatts» sind gleich acht Leserbriefe zum Holzkraftwerk erschienen. Darin monieren Einwohner den Lärm, die mangelnde Kommunikation der Zuständigen und den unpassenden Standort im Gebiet Neumatt. In einem Beitrag fassen mehrere Schreibende die Kritik zusammen: «Es muss endlich der zunehmende Trend gestoppt werden, dass städtische, ja sogar ausländische Unternehmen nur aufgrund öffentlicher, lukrativer Subventionen ihre Prestigeprojekte in ländlichen Gebieten umsetzen wollen, wo sie mit geringem Widerstand der Bevölkerung rechnen.»

In Kleinlützel stösst die Betreiberin, die in Zürich angesiedelte BAK International AG, jedoch auf Gegenwind. Drei Anwohner werden beim Kampf gegen das Projekt vom Laufner Anwalt Thomas Locher vertreten. Er sagt: «Die Lärmbelastung und Vibrationen während des Testbetriebs waren für meine Mandanten enorm. Künftig soll das Kraftwerk jeden Tag rund um die Uhr in Betrieb sein. Das ist nicht hinnehmbar.» Auch hinter die Effektivität müsse man ein Fragezeichen setzen. Es gebe sicher bessere Orte für ein solches Werk als die abgelegene Solothurner Exklave.

Abgesehen von den beiden Testbetriebenist das Kraftwerk noch nicht gelaufen. Das eigentliche Baugesuch für das Werk wurde Anfang Oktober publiziert. Gegen das Gesuch gingen mehr als hundert Einsprachen ein. Das Geschäft liegt bei der Kleinlützler Baukommission, die über das Gesuch befinden wird. «Der erhöhte Lärmpegel beim Testbetrieb war erwartbar und hat mit dem Endausbau nichts zu tun», betont Martina Appel, Mitglied der Geschäftsleitung der BAK International AG. Sie zeigt sich überzeugt, dass nach Anbringen einer Holzverschalung in Kombination mit schwerer Steinwolle die Lärmemissionen unter den Grenzwerten liegen werden.

Zürcher übernahmen das Projekt von lokaler Firma

Doch weshalb will eine Zürcher Firma überhaupt im beschaulichen Schwarzbubenland ein Kraftwerk betreiben? «Wir erhielten ein Angebot von der ortsansässigen Bio Energie Lützeltal GmbH, die mit dem Bau des Kraftwerks bereits begonnen hatte, und fanden das Projekt interessant», sagt Appel. Ihr Unternehmen betreibe ein ähnliches Werk in der Nähe von Heilbronn. Die Bio Energie Lützeltal GmbH ist mittlerweile in Liquidation, die BAK International AG führt das Projekt fort.

Den Zürchern ist es ernst: Kürzlich stellten sie Franz Saladin, den ehemaligen Direktor der Handelskammer beider Basel, als Kommunikationsbeauftragten für das Projekt an. «Es handelt sich zwar um ein Mandat, aber ich bin auch vom Sinn des Kraftwerks überzeugt», sagt er. 90 Prozent der Projekte würden an der falschen Kommunikation scheitern. Saladin wird viel Charme an den Tag legen müssen, um die Hälfte des Dorfes zu überzeugen. 

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