Birsfelden

Ein Kraftwerk – mehr Kunst denn Koloss

Das Rhein-Kraftwerk in Birsfelden. (Archivbild)

Das Rhein-Kraftwerk in Birsfelden. (Archivbild)

Basler Stadtgeschichte(n), Teil 16 – Wie es Architekt Hans Hofmann gelang, das massige Kraftwerk Birsfelden luftig leicht wirken zu lassen.

Bis zu 2.05 Gigawattstunden Strom produzieren die vier Turbinen im Kraftwerk Birsfelden täglich. Oder wie das Unternehmen selber stolz vermerkt: Genug, um mit einem 600 Tonnen schweren Zug drei Mal um die Erde zu fahren. Die Planung eines Grosskraftwerks am Hochrhein oberhalb von Basel reicht in die 1880er zurück. Der Ausbau der Infrastrukturanlagen des Rangierbahnhofs Muttenz (1931), der Rheinhäfen Birsfelden und Au (1936-1941) und des internationalen Flughafens Birsfelden-Sternenfeld (in Betrieb 1923-1949) erschwerte indessen den Bau des Kraftwerks im Grenzbereich der beiden Halbkantone und des Landes Baden-Württemberg. 1942 reichten die beiden Basel beim Bundesrat und den Badischen Behörden ein Konzessionsgesuch für ein Niederdruckkraftwerk oberhalb der Birsmündung ein.

Ein Schauhaus der Stromproduktion

Die politischen und die ingenieurtechnischen Herausforderungen des Vorhabens waren beträchtlich. Die Bevölkerung beschäftigte hingegen allen voran die Frage der guten architektonischen und landschaftlichen Einordnung in das vertraute Bild der Stadt und Umgebung. Noch immer galt der ungestörte Blick von der Pfalz, in unserem Falle die freie Sicht auf den Grenzacher Hörnlifelsen, als oberstes Gebot.

Als Vertrauensarchitekt des Schweizerischen Heimatschutzes beriet Hans Hofmann (1897-1957) die Betreiber des Kraftwerks seit den Anfängen. Hofmann hatte sich als Chefarchitekt der Landesausstellung in Zürich 1939 in weiten Kreisen der Bevölkerung einen Namen gemacht. Seine verbindliche Art, seine Auffassung von der Architektur als Baukunst und sein Eintreten für den Landschaftsschutz empfahlen ihn als Architekten dieser sensiblen Aufgabe.

Hofmanns Anliegen war es, ein anschauliches Kraftwerk zu bauen, in dem die Bevölkerung die Produktion von Strom nachvollziehen kann. So führte er denn einen Fussweg entlang der Wehrbauten und des Turbinenhauses von der Kleinbasler Seite zum Birsfelder Sternenfeld, auf dem alsbald eine ausgedehnte Wohnsiedlung entstehen sollte. Der neue Stausee oberhalb, die Staustufe und das nach unten tosende Wasser, sie leiten ein in das Thema der Stromerzeugung. Die verglaste Turbinenhalle gibt den Blick frei auf die vier Kaplanturbinen und die Kranbahn, mit der sie angehoben und gewartet werden können. Die Farbe Blau bezeichnet Geräte, die mit Wasser, Gelb solche, die mit Strom zu tun haben, Rot schliesslich Gefahrenzonen. Der Weg führt vorbei am Betriebsgebäude, dem Schalt- und dem Pumpenhaus zur Schleusenanlage für die grossen Schleppkähne auf ihrem Weg von Rotterdam in den Birsfelder und den Muttenzer Rheinhafen.

Im Sinne eines lebendigen Heimatschutzes

Mit Rücksicht auf die Landschaft entwarf Hofmann eine in einzelnen Bauten aufgegliederte Anlage, wobei das grösste Haus, die Turbinenhalle, besonders leicht und durchlässig in Erscheinung tritt. Die gegabelten Betonstützen, das scheinbar leicht aufruhende Faltdach und der Einsatz von weisser Farbe für die Fenster und eines grünen Anstrichs für den Beton vermitteln den Eindruck einer freundlichen Architektur, die auch den Stolz auf die leistungsfähige schweizerische Elektrizitätsindustrie anklingen lässt. Und auch nachts strahlte die Turbinenhalle kunstvoll ausgeleuchtet als weithin sichtbares Zeichen des technischen Fortschritts. Was sich an der «Landi» als originär schweizerische Architektur der Vermittlung zwischen radikaler und gemässigter Modernität bewährt hatte, gab auch in der Nachkriegsmoderne eine verlässliche Basis für eine populäre Baukunst.

In Zusammenarbeit mit dem Basler Stadtgärtner Richard Arioli (1905-1994) entwarf Hofmann anstelle der alten Uferlandschaft eine neue Landschaft, die mit dem Stausee und der Kraftwerkinsel den Spaziergängern und den Wasserfahrern neue Möglichkeiten eröffnete. Stadt- und Stromlandschaft gingen hier, dies zeigt die anhaltende Beliebtheit des Kraftwerks Birsfelden, eine besonders glückliche Verbindung ein.

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