Oltingen

Ein Kulturzentrum für das Oberbaselbiet: Die «Obere Mühle» lockt mit Bed and Breakfast, Workshops und Werkstatt..

Die Aktivitäten in der Oberen Mühle in Oltingen könnten starten. Vorstandsmitglieder der Genossenschaft (von links, vorne) Michael Seidel, Anna-Tina Pfäffli, Thekla Michel sowie (oben) Fidelio Lippuner, Dominik Mangold und Andi Mathis.

Die Aktivitäten in der Oberen Mühle in Oltingen könnten starten. Vorstandsmitglieder der Genossenschaft (von links, vorne) Michael Seidel, Anna-Tina Pfäffli, Thekla Michel sowie (oben) Fidelio Lippuner, Dominik Mangold und Andi Mathis.

Die Genossenschaft soll zum Begegnungsort in der Region werden. Wegen der aktuellen Krise muss der Startschuss aber verschoben werden.

Sie wäre bereit und könnte in Betrieb gehen – die Obere Mühle in Oltingen. Die Kulturanlässe für Mai und Juni sind aufgegleist, das Bed and Breakfast ist eingerichtet. Doch die vor einem Jahr gegründete Genossenschaft, welche die stattliche Liegenschaft im Dorfkern gekauft hat, wird wegen der Coronakrise zurückgebunden.

Zum gegenüber liegenden Gasthaus zum Ochsen trägt die Obere Mühle ein weiteres Stück bei zum reichhaltigen Begegnungs- und Kulturkuchen im kleinen Bauerndorf. «Wir organisieren tolle Events für soziale Kontakte, als Alternative zum Vereinsleben», sagt Fidelio Lippuner, der zum erweiterten Vorstand der Genossenschaft gehört und für das kulturelle Programm zuständig ist.

Für ihn ist klar, dass es keine Überschneidungen geben wird. Nach Gesprächen mit dem «Ochsen»-Gastgeber haben sich beide Parteien entschieden, jeweils einen Jahresplan mit Anlässen zu erstellen und diese aufeinander abzustimmen. Einige Veranstaltungen werden gemeinsam organisiert, die in der Oberen Mühle oder im «Ochsen» stattfinden. «Wichtig ist, dass der Intervall stimmt, damit es zu keiner Übersättigung kommt», betont Lippuner.

Seminare, Workshops und Werkstatt

Damit wird die 500-Seelen-Kommune zu einem wichtigen Begegnungsort und Kulturzentrum im Oberbaselbiet, auch wenn heuer der Oltiger Määrt ausfallen muss und das Heimatmuseum vorläufig geschlossen ist. Die Genossenschaft Obere Mühle hat vom Swisslos-Fonds Baselland eine Anschubfinanzierung von 60 000 Franken für die Jahre 2020 bis 2022 erhalten. Laut einem ersten Budget sollen sich die jährlichen Betriebskosten im höheren fünfstelligen Bereich bewegen.

Die Obere Mühle verfügt über verschiedene Räume, die für private und geschäftliche Veranstaltungen sowie für Seminare und Workshops gemietet werden können. Dazu gehören auch Atelier und Werkstatt in der Scheune. Die Betreiber möchten die Lokalitäten Dorfbewohnern und Externen, die ihre Ideen einbringen können, zur Verfügung stellen. Damit wird das Gebäude belebt und zu einem Treffpunkt. Sie müssten nun die Bedürfnisse der Leute ausloten. In den kommenden Jahren werde sich zeigen, in welche Richtung es gehe, meint Genossenschaftspräsidentin Thekla Michel.

Die Genossenschaft Obere Mühle hat das denkmalgeschützte Gebäude – 1281 erstmals urkundlich erwähnt – vor gut fünf Monaten erworben. Das Hauptgebäude und die Scheune wurden ab Mitte der 1980er-Jahre renoviert. Die Liegenschaft ist von einem grossen Garten umgeben, durch den der frühere Mühlebach fliesst. «Der Verkäufer ist uns im Preis sehr entgegengekommen, dafür sind wir ihm sehr dankbar», erklärt Michel. Bis es aber so weit war, dauerte es.

Nachdem Thekla Michel und Fidelio Lippuner eine Wohnung im Scheunenteil gemietet hatten und dort Ende 2017 eingezogen waren, suchten sie mit dem Eigentümer immer wieder das Gespräch. Dieser wollte das Liebhaberobjekt verkaufen. Dafür jemanden zu finden war schwierig. Das Paar unterbreitete dem Eigentümer seine Ideen, wie man die Lokalitäten im Gebäude gemeinnützig nutzen und hier einen Ort der Begegnung erschaffen könnte. «Damit konnte sich der Besitzer identifizieren», berichtet Michel. Nachdem lange eine Stiftung im Gespräch gewesen war, diese aber absprang, wurden Leute für eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft gesucht und diese ins Leben gerufen.

«Da hatten wir so richtig Glück»

Die Genossenschaft brachte mit ihren 55 Mitgliedern, die Anteilscheine von je 1000 Franken gezeichnet hatten, und Darlehen von Privaten insgesamt über eine Viertelmillion Franken an Eigenmitteln ein. Gegen Schluss der Finanzierung sprang noch eine Bank auf, «die unser Projekt toll fand. Da hatten wir so richtig Glück», freut sich Thekla Michel. Von den Mitgliedern stammen gut die Hälfte aus Oltingen selber, die restlichen primär aus umliegenden Gemeinden und der Agglomeration.

Geführt wird die Genossenschaft von einem dreiköpfigen Vorstand sowie einem erweiterten Vorstand mit sechs Personen. Für Michel ist das eine «gute Struktur». Die Präsidentin, die Finanzchefin und der Verantwortliche für das Gebäude bilden die Spitze. Die anderen Ressorts teilen sich die Personen im erweiterten Vorstand auf.

Fürs Bed and Breakfast waren Anfragen für Anfang April eingegangen. Das Kulturprogramm hätte schon Ende März starten sollen. Nun verschiebt sich alles. «Aber es kommt!», ist Thekla Michel felsenfest überzeugt.


www.oberemühleoltingen.ch

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