Kulturnacht Liestal

Ein nachgebautes Flüchtlingslager in Liestal mit Bild und Ton aus echten Lagern

Im nachgebauten Flüchtlingslager an der Liestaler Kulturnacht stellt der Fotograf Joel Sames seine Bilder aus Flüchtlingslagern aus. Tonmeister Christof Stürchler ergänzt diese mit Tonaufnahmen.

Es ist dunkel. Man hört den Regen auf Zeltblachen prasseln, das Geräusch eines Feuers, das Brummen des Verkehrs in der Ferne. Irgendwo singt ein Mann auf Arabisch. Überall liegt Abfall herum. Kerzen und Scheinwerfer leuchten aus verschiedenen Ecken.
Die Kinder der Primarklasse 5B des Schulhauses Gestadeck gehen auf Kartonpfaden zwischen den Zelten und erkunden den Raum mit Taschenlampen. Sie setzen sich in die Zelte, wo Bildschirme Videos aus Flüchtlingslagern im Balkan, in Calais, Dunkerque und Paris zeigen. Manchmal erscheinen lachende, warm gekleidete Menschen, manchmal brennende Zelte. Und inmitten dieser Rekonstruktion menschlichen Elends sind Bilder des Fotografen und Mitgründers des Flüchtlingsprojektes Rastplatz, Joel Sames, ausgestellt.

Im Rahmen der Kulturnacht hat der Liestaler Fotograf im Kulturort Hilmig beim Ziegelhofareal ein Flüchtlingslager nachgebaut. Der Tontechniker Christof Stürchler ergänzte die Exponate mit einer Audio-Installation, die Originaltöne aus den Flüchtlingslagern abspielt. Die Bilder, die Töne, die Filme haben Joel Sames und seine Organisation, die den Flüchtlingen vor Ort Essen, warme Kleider und Unterstützung bietet, gesammelt.

In der folgenden Bildergalerie sehen Sie die Arbeit von Rastplatz in den letzten Jahren:

Bevor die Installation am kommenden Samstag der Öffentlichkeit zugänglich ist, organisierte Sames Schulbesuche, um den Schülern einen Einblick in den Alltag von Flüchtlingen zu geben. Und um ihnen eine Botschaft mitzugeben: «Jeder kann etwas machen. Ich bin nur ein normaler Mensch aus Liestal, der helfen wollte.» Deshalb hat er sich entschieden, seine Bildserie «Nuits Blanches», die er während seiner nächtlichen Streifzüge durch Paris realisiert hat, in die Installation einzubetten.

Nuits blanches zeigt Flüchtlinge in den Strassen und in Flüchtlingslagern von Paris bei Nacht:

Im Elend des Lagers brennt das Licht der Kindheit

Die Schulklasse von Lehrer Samuel Hagmann und Andreas Saladin entdeckt am Donnerstag das Flüchtlingslager. Die Schüler stellen zahlreiche Fragen und zeigen sich sichtlich interessiert. Aber sie machen sich den Raum auch schnell zu eigen und fangen mit kindlicher Neugier an, zwischen den Zelten Verstecken zu spielen. Lorena, 10 Jahre, fasst die Situation so zusammen: «Wir haben zwar ein bisschen gespielt, aber wenn wir an die Menschen dachten, die so leben müssen, fanden wir es nicht mehr lustig.»

In ihrer Klasse hat die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund. Ein junger Syrer hat die syrische Flüchtlingskrise gar selbst erlebt, hat mit der Familie Aleppo verlassen, auf einem Schlauchboot Griechenland erreicht und die Balkanroute genommen. Yesra wurde im Jahr 2008, drei Monate nach der Ankunft ihrer irakischen Eltern in der Schweiz, geboren. Sachins und Yasmins Eltern flüchteten vor dem Krieg in Sri Lanka.

Joel Sames erzählt seine Erlebnisse aus dem Balkan, Paris und Dunkerque. Die Klasse hört stumm zu, während der Fotograf vom Schlamm, von den Ratten und der Essensknappheit erzählt.

Danach führen die Kinder eine Diskussion und beweisen, dass sie das Thema ernstnehmen. Der elfjährige Cristiano weist darauf hin, dass europäische Länder Waffen in Staaten verkauften, wo diese in Kriegen eingesetzt werden und deswegen Flüchtlinge nach Europa kommen. Ein anderer Schüler sagt, dass wir eigentlich alle Ausländer sind. Die Botschaft von Sames scheinen sie verstanden zu haben, wie Lorena beweist: «Wir sind die nächste Generation und könnten viel aus dieser Welt machen.»

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