Austausch

Ein Oberdörfer versammelt Rothaarige im Waldenburgertal

«Andere müssen sie sich färben.» – Peter Schweizer liebt seine roten Haare. niz

«Andere müssen sie sich färben.» – Peter Schweizer liebt seine roten Haare. niz

Wieso nach Holland reisen, wenn er dasselbe auch hier veranstalten kann, dachte sich der Oberdörfer Peter Schweizer. Immer im Sommer treffen sich in den Niederlanden zahlreiche Rothaarige, um ihre ungewöhnliche Haarfarbe zu zelebrieren. Ende August dieses Jahres werden in der Stadt Tilburg mehrere Tausend Teilnehmende aus aller Welt erwartet.

Mit so vielen Besucherinnen und Besuchern rechnet Peter Schweizer am 1. Juni nicht. Doch er hofft, auf der Gerstel-Anlage unterhalb der Ruine Waldenburg möglichst viele Menschen mit rotem Haar versammeln zu können. «Es interessiert mich sehr, welche Erfahrungen andere Rotschöpfe gemacht haben, deshalb lade ich sie zu mir ins Oberbaselbiet ein», erzählt der 49-Jährige.

Spitzname: Rosti

Er selber habe während der Schulzeit hin und wieder Negatives erleben müssen. Wegen seiner ungewöhnlichen Haarfarbe sei er dem Spott seiner Klassenkameraden ausgesetzt gewesen. «Das ist aber schon lange her. Seit vielen Jahren bin ich stolz auf meine naturroten Haare. Andere müssen sie sich färben.» Schliesslich gehöre er zu den zwei Prozent der Menschheit, die mit roten Haaren zur Welt kommen.

Völlig ernst nimmt Organisator Peter Schweizer das Rotschopf-Treffen nicht. Mit einem Augenzwinkern stellt er sich mit seinem Spitznamen vor, unter dem man ihn im Raum Liestal kennt: Rosti. Die wenig schmeichelhafte Anspielung auf seine Haarpracht erhielt Schweizer bereits zu Teenagerzeiten, und sie liess ihn seither nicht mehr los. Läuft er durch die Strassen, wird er alle hundert Meter von Bekannten angesprochen, die sich nach seinem Befinden erkundigen.

Der lokale Ruhm, den der Oberbaselbieter erlangt hat, hängt neben seiner Umgänglichkeit auch mit den vielen Berufen zusammen, die er in der Vergangenheit ausgeübt hat. So arbeitete er in der Region als Lagerist, als Badmeister und Angestellter eines Sicherheitsdienstes. Derzeit ist der kinderlose Schweizer als Hauswart tätig und führt gegen Bezahlung Hunde aus. Der begeisterte Läufer wurde wegen seiner kastanienroten Haare schon mit Tennisstar Boris Becker und Schlagersänger Leonard verwechselt.

Wenn Peter Schweizer momentan einen seiner vielen Bekannten antrifft, der rote Haare hat, drückt er ihm einen Flyer für den Anlass in Waldenburg in die Hand. Aber auch im Internet macht er Werbung für die Veranstaltung. «Bislang hat sich erst eine Handvoll Personen angemeldet, die ihren Anhang mitnehmen wird», sagt er.

Andersartigkeit feiern

Nichtsdestotrotz ist Schweizer zuversichtlich, dass sich in den kommenden Wochen noch viele weitere Rothaarige zu einer Teilnahme entschliessen werden. Wünschenswert wäre es auch, wenn sich Menschen anmeldeten, die nicht aus der Nordwestschweiz stammen, was bisher noch nicht der Fall sei.

Aber: «Ich führe das Rotschopf-Treffen sowieso durch – auch wenn nur wenige kommen.» Was die Anwesenden genau erwarten wird, kann er noch nicht sagen. Er werde sicher eine Ansprache halten, den Teilnehmenden aber vor allem Zeit geben, um sich auszutauschen. Der Erfolg der Veranstaltung in Holland zeige, dass ein Bedürfnis da sei, die Andersartigkeit zu feiern. Er möchte den Rothaarigen in der Schweiz dazu die Möglichkeit bieten.

Tomaten gegen Sonnenbrand

Gesprächsbedarf bestehe bei vielen Rotschöpfen, ist sich Schweizer sicher. Er habe eine Gemeinsamkeit zwischen sich und anderen Rothaarigen festgestellt. «Wir sind hart im Nehmen», erklärt er, «haben aber einen weichen Kern.» Vor einigen Jahren stürzte er mit dem Velo und verletzte sich. Er habe auf die Zähne gebissen und sich ohne Narkose nähen lassen.

Auch einige Ratschläge für Rothaarige hat Peter Schweizer parat, die er teilen möchte. Einer davon betrifft die Sonnenbrand-Anfälligkeit vieler Rotschöpfe. Sein Tipp dazu: «Eine halbe Tomate essen hilft dagegen, auch am Körper rot zu werden.»

Anmelden kann man sich unter aquafitness@gmail.com oder 079 442 71 34.

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