Ein-Blick

Ein Osternest nur für Mami: Das kreative Schaffen des Frauenvereins Rothenfluh

Es gibt immer was zu tun. Die Frauen des Frauenvereins Rothenfluh vor Ostern.

Es gibt immer was zu tun. Die Frauen des Frauenvereins Rothenfluh vor Ostern.

In der Rubrik «Ein-Blick» gewährt die «Schweiz am Wochenende» den Lesern Einblick in die Mikrokosmen unserer Gesellschaft.

«Nein, die basteln wir nicht für Kinder, die sind für die Mamis selbst», präzisiert Therese vom Frauenverein Rothenfluh. Die Kursteilnehmerinnen müssen lachen. Unter der Anleitung von Vereinsmitglied Therese basteln sie Osternester. Vreni sagt: «Bald hat meine Schwiegertochter Geburtstag. Sie bekommt sicher eines.» Sie schmückt es mit einem Blumenstock und Moos. Sie hätte sich auch für Nelken, Narzissen oder Schachbrettblumen entscheiden können.

Therese arbeitet gewöhnlich als Floristin in einer Gärtnerei. Sie leitet die fünf gut gelaunten Frauen an, hilft, wo Schwierigkeiten auftreten. Als Lokalität dient der überdachte Vorplatz ihres Wohnhauses. Die Frauen sind deshalb warm eingepackt. Nach den nötigen Materialien hat Therese seit Januar in der freien Natur gesucht. Nussbaumäste, Reben, Weiden und natürlich Nielen. «Burglind hat mir geholfen», schmunzelt sie.

Lätzli und Pralinen

Kurse haben Tradition im Frauenverein Rothenfluh. Deren sechs pro Jahr führt er durch. Heidy war fünf Jahre lang verantwortlich für das Kurswesen. Sie erzählt von Pralinenkursen, von Zopfflecht-Kursen und von jenem Kurs im Taschennähen, der so beliebt gewesen sei, dass er gleich dreimal durchgeführt werden musste. 180 Frauen zählt der Verein. Das ist beträchtlich, wenn man bedenkt, dass in Rothenfluh gerade mal 770 Einwohner registriert sind. «Dem Frauenverein tritt man bei, wenn man Mutter wird», erklärt Corinne. «Dann nämlich kommt eine Vereinsdelegation vorbei und bringt einem ein Lätzli für das Neugeborene.»

«Grundsätzlich machen wir Dinge, die wir lokal durchführen können», sagt Heidy. Gelegentlich holt man jemanden von ausserhalb ins Dorf, wie Schriftstellerin Milena Moser für einen Leseabend. Oder eine Gruppe besucht im benachbarten Ormalingen eine Schoggihasen-Künstlerin. Zweimal jährlich findet im Gemeindesaal ein Kinoabend statt. Rund 40 Frauen geniessen dann gemeinsam einen Film zu Popcorn und Schinkengipfeli. «Unter Frauen kann man es in diesem Dorf lässig haben», sagt Heidy überzeugt. Und Vreni ergänzt: «Man bleibt im Frauenverein bis man stirbt.» Die nächsten Nester werden geschmückt.

Zum Einsatz kommen Heu, Perlhuhnfedern sowie ausgeblasene Eier in unterschiedlicher Grösse und Farbe: Enteneier (gross), Hühnereier, Goldfasaneneier (klein). «Man muss sich ein wenig wie ein Vogel fühlen, um die Nester zu fertigen», philosophiert Therese. Natürlich denkt sie auch zurück an die Ostern ihrer Kindheit. «Ostern war immer etwas Grosses», erinnert sie sich, «Schokolade gab es nur zu Weihnachten oder wenn das Gotti kam, und eben zu Ostern.»

Torte hebt die Stimmung

Zwischendurch werden die Nester auch mal zur Seite gelegt. Bei Tee, Kaffee und Schwarzwäldertorte wärmt man sich auf. «Das Familienhighlight war früher das Färben der Eier mit Zwiebelschalen», beschreibt Marianne, «gefreut habe ich mich immer auf die Zuckereier.» Für Sylvia und ihre Geschwister sei Ostern immer auch mit einer langen Suche verbunden gewesen. «Unser Vater fand stets die besten Verstecke für die Osternester.»

Zurück an der Arbeit flechtet Heidy einen Strang Nielen ein. Therese hatte sie über Nacht eingeweicht, damit sie angenehm verarbeitet werden können. Schon als sie an der Generalversammlung die Prototypen der Nester gesehen habe, habe sie sich entschieden, an diesem Kurs teilzunehmen, sagt Heidy. «Fasziniert hat mich das Wilde.» Als Lehrerin arbeite sie sonst wenig mit den Händen. «Man kann nichts falsch machen», meint sie, während sie die letzten Handgriffe vornimmt, «und das Produkt ist einzigartig.» Nicht für die Kinder, sondern jetzt einmal fürs Mami. 

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