Psychiatrie Baselland

Ein prominenter Anwohner kämpft gegen den Neubau

Der Rösernbach liegt verdeckt von Bäumen in der Mitte zwischen dem Bauland der Psychiatrie (l.) und dem Mehrfamilienhaus der Einsprecher (r.).Nicole Nars-Zimmer

Der Rösernbach liegt verdeckt von Bäumen in der Mitte zwischen dem Bauland der Psychiatrie (l.) und dem Mehrfamilienhaus der Einsprecher (r.).Nicole Nars-Zimmer

Drei Einsprecher verhindern weiter den Baubeginn des Neubaus der Kinder- und Jugendpsychiatrie Baselland in Liestal. Einer ist Roland Winkler, der ehemalige Chef der kantonalen Finanzkontrolle, der gleich nebenan wohnt. Doch seine Argumente stechen nicht.

Es ist ein Inserat zum Verlieben, das zurzeit auf diversen Immobilien-Onlineportalen zu finden ist: «Diese exklusive Wohnung befindet sich im Erdgeschoss eines kleinen Mehrfamilienhauses und hat Zugang zum eigenen 378 Quadratmeter grossen Garten mit direktem Anstoss an den romantischen Rösernbach. Die Lage ist sonnig und ruhig, unweit der Busstation Munzach.» Wer will da nicht seine Koffer packen und in die «luxuriöse 163 Quadratmeter 4,5-Zimmer-Wohnung» an die Goldbrunnenstrasse 13 nach Liestal ziehen?

Neben der Monatsmiete von 3000 Franken, die die potenzielle Mieterschaft sicher etwas reduziert, könnte die Adresse aufmerksame Leser hellhörig machen. Denn direkt auf der anderen Seite des kleinen Rösernbachs liegt eine schlichte Wiese. Sie gehört zum Areal der Psychiatrie Baselland (PBL) und ist als Bauland ausgeschieden. Seit bereits vier Jahren versucht die Institution, hier den Neubau ihrer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) zu realisieren. Doch Einsprachen blockieren das Millionen-Projekt. So müssen die jugendlichen Patienten noch mehrere Jahre im maroden Beton-Altbau der Goldbrunnenstrasse 14 ausharren («Schweiz am Wochenende» vom 16. Juni).

Roland Winkler wehrt sich

Während sich ein paar Einsprecher mittlerweile zurückgezogen haben, bleiben drei hart. Sie haben den ablehnenden Entscheid des Regierungsrates vom März ans Kantonsgericht weitergezogen, wie deren Anwalt Peter Zumbrunn bestätigt. Recherchen der bz zeigen nun: Alle Einsprecher sind Wohneigentumsbesitzer im Luxus-Bau der Goldbrunnenstrasse 13 – doch nur einer von ihnen wohnt auch dort. Und es ist ein bekannter Name: Roland Winkler. Er war bis Ende März Leiter der Baselbieter Finanzkontrolle und geniesst in der schönen Wohnung nun seinen Ruhestand.

Im Gegensatz zu Anwalt Zumbrunn, der zu den Einsprachen mit Verweis auf das laufende Verfahren schweigt, spricht Winkler auf Anfrage offen darüber, weshalb er den Neubau vor seiner Haustüre um jeden Preis verhindern will. Als Erstes hält er fest: «Ich habe nichts gegen die Jugendlichen, die in der Psychiatrie Baselland betreut werden und nichts gegen das Projekt an sich. Die PBL ist eine wichtige Institution.» Der Altbau der KJP sei sicher nicht mehr optimal, aber «es gibt doch immer andere Lösungen, wenn man nur will», so Winkler. Er würde sich auch gegen ein beliebiges anderes Bauprojekt an diesem Standort wehren. «Schauen Sie sich doch die Natur da draussen an. Der Bach, die Wiese, die Bäume: Das ist der Grund meiner Einsprache.» Diese Naturlandschaft sei schützenswert.

Naturfachstelle prüfte das Gelände

Die Einsprache richtet sich denn auch gegen den eventuell zu geringen Abstand des Neubaus zum Rösernbach. Tatsächlich gab das Kantonsgericht vor gut einem Jahr den Einsprechern in diesem Punkt bereits einmal recht, da sich der Abstand zwar an die kantonale Regelung hielt, diese aber nicht bundesrechtskonform war. Seither hat der Kanton den dortigen Gewässerraum in einem kantonalen Nutzungsplan ausgeschieden, wodurch das Projekt legalisiert wurde, ohne auch nur ein My daran zu ändern. Winkler und seine beiden Mitstreiter wollen das nicht akzeptieren.

Doch das Argument des Naturschutzes hält einer näheren Betrachtung nicht Stand. Fabian Keller, der als Leiter Betrieb der PBL den Fall eng begleitet, sagt: «Wir liessen das Gelände durch die Fachstelle Natur und Landschaft des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain überprüfen und die Experten kamen zum Schluss, dass weder ein Biotop von besonderer Bedeutung noch besonders schützenswerte Ufervegetation vorhanden seien.» Der Rösernbach etwa sei links und rechts des Standorts eingedohlt. Und der Hügel sei nichts anderes als die Aufschüttung des Aushubes des Hauses B der Psychiatrie. «Die Einsprecher nutzen den Gewässerschutz bloss, weil alle baulichen Beanstandungen am Projekt schon abgewiesen wurden», sagt Keller.

Mehrfamilienhaus zu nah am Bach

Vor allem etwas scheint diese These zu unterstützen: Laut Keller steht auch das Haus an der Goldbrunnenstrasse 13 zu nahe am Rösernbach, die PBL habe aber auf Einsprache verzichtet. Und noch etwas lässt die Opposition der Anwohner in einem zweifelhaften Licht erscheinen: Das Mehrfamilienhaus hat Baujahr 2013. Keller: «Beim Kauf der Wohnungen war klar, dass die Psychiatrie dort bauen wird, denn das Areal ist schon viel länger als Bauland für die Weiterentwicklung der Psychiatrie ausgeschieden.»

Etwas kann man Roland Winkler allerdings zugutehalten: Als einziger der Einsprecher wohnt er auch dort und wird über ein Jahr direkten Blick auf eine Baustelle haben. Die anderen Einsprecher wohnen gemäss Recherchen hingegen in Pratteln. Ihre Motivation dürfte bloss der Schutz ihrer Investition vor eventuellen Wertverlusten sein. Andererseits könnten sich dann vielleicht künftig mehr Mieter die Wohnungen am «romantischen Rösernbach» leisten.

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