Mit den 260 Metern neuem Asphalt möchte die Baselbieter Regierung eine Querverbindung im Leimental schaffen. Sie erhofft sich davon eine Kanalisierung des Verkehrs und weniger Stau insbesondere in den Gemeinden Oberwil und Therwil. Deshalb soll der Landrat am kommenden Donnerstag im Grundsatz die Verlängerung beschliessen. Das Projekt dürfte laut Regierung rund 13 Millionen Franken kosten. Vorerst geht es aber um einen Grundsatzentscheid.

Doch jetzt hat sich die CVP-Fraktion gegen die Vorlage ausgesprochen, die der Landrat voraussichtlich nächste Woche behandelt. Zusammen mit den sowieso strassenkritischen SP und Grünen könnte die Mittepartei die Verlängerung zu Fall bringen, falls sie die Ratshälfte aus SVP und FDP überstimmt. «Das wird ein hauchdünner Entscheid», sagt der Oberwiler CVP-Landrat Pascal Ryf. «Und deshalb wird es auf die Präsenz ankommen.»

Alle Baselbieter dürfen abstimmen

Doch auch bei einem Ja im Landrat kommende Woche ist noch nichts definitiv beschlossen. Denn im Leimental, vor allem in Oberwil, ist man gegenüber dem Vorhaben kritisch eingestellt (bz berichtete). Bevor der Landrat überhaupt entschieden hat, bereitet sich eine Gruppe von Leimentalern auf ein Referendum vor. Eingebunden sind SP- und Grünen-Politiker aus Oberwil und Umgebung, der Natur- und Vogelschutzverein und Pro Velo. Innerhalb von acht Wochen müssen sie 1500 Unterschriften sammeln.

Vom Vorstand der Baselbieter Grünen haben sie bereits Unterstützung für ein allfälliges Referendum zugesichert erhalten, «und sehr wahrscheinlich ist dann auch die kantonale SP dabei», sagt Lotti Stokar, die für die Grünen im Landrat sitzt und bis 2016 Gemeindepräsidentin von Oberwil war.

Auch die Baselbieter Natur- und Umweltverbände hätten sich positiv geäussert. «Wegen der Kantonswahlen werden wir sowieso auf der Strasse unterwegs sein. So werden wir die Unterschriften schnell zusammen haben», sagt Stokar. Und Ryf kann sich vorstellen, dass auch seine CVP das Referendum unterstützt.

Vermutlich weiss ein Grossteil des Baselbieter Stimmvolks gar nicht erst, wo die Langmattstrasse in Oberwil ist. Deshalb wird die Referendumsabstimmung nicht einfach zu gewinnen sein, dessen sind sich die Leimentaler Strassenskeptiker bewusst. Sie müssen im ganzen Kanton eine Mehrheit für ein Nein überzeugen, auch im wenig strassenkritischen Oberbaselbiet.

Zudem hat das Projekt lokale oder allenfalls regionale Bedeutung. «Aber nur, weil es schwierig ist, die Abstimmung zu gewinnen, wäre es nicht richtig, nichts zu tun», sagt Stokar. «Wenn wir die Mitte für uns gewinnen können, haben wir gute Chancen. Wir müssen nur aufzeigen, dass bei diesem Projekt das Kosten-Nutzen-Verhältnis überhaupt nicht stimmt.»

Pascal Ryf sieht es als «Herausforderung, die Baselbieter Bevölkerung zu mobilisieren und über das Projekt aufzuklären». Auch er hält es für erfolgsversprechend, finanzielle Argumente gegen die Strasse in den Vordergrund zu rücken. «Es wird ankommen, wenn wir sagen, es sei nicht mehr prinzipiell gut, immer nur neue Strassen zu bauen.» Und er erinnert daran, dass auch der Erhalt des Läufelfingerlis eine regionale Vorlage war, die im ganzen Kanton eine Mehrheit an der Urne unterstützt hat.

Zustimmung entscheidet

Hinter sich wissen die Strassenkritiker quasi ganz Oberwil. Der Gemeinderat hat sich bereits in der Vernehmlassung kritisch zum Kantonsprojekt geäussert. Vorerst will Stokar aber den Landratsentscheid kommende Woche abwarten. Ob sie und ihre Kollegen bei einem Nein dann tatsächlich das Referendum ergreifen, hängt davon ab, wie gross die Zustimmung im Landrat ist. Was sie zuversichtlich stimmt: Die Bau- und Planungskommission des Landrats empfiehlt die Vorlage nur ganz knapp zur Annahme, mit sieben zu sechs Stimmen.