Frenkendorf

Ein Santichlaus, der den Kindern nie ihre Sünden vorhält

Vom Santichlaus lernen: die Lerngruppe im Ortsmuseum. Roland Schmid

Vom Santichlaus lernen: die Lerngruppe im Ortsmuseum. Roland Schmid

Der Santichlaus höchstpersönlich gab sein Wissen in einem Kurs weiter – und verriet, wie man sich vor vorwitzigen Kids schützt. Werner Müller verrät etwa, dass er das Sündenregister, das die Eltern ihm geben, nie vorliest. Warum nicht?

Glockengebimmel, «ho ho ho», und der Santichlaus und der Schmutzli stehen in der guten Stube. Sie nehmen Platz, und der Santichlaus beginnt ein Gespräch mit Silvia. Sie ist etwas ängstlich, deshalb liest er ihr zuerst eine Kurzgeschichte vor. Silvia hat nun Vertrauen gefasst. Auch, weil der Santichlaus sie nicht ausschimpft, sondern sie rühmt. Sie ist jetzt bereit, ein Versli aufzusagen. Dafür erhält sie vom Schmutzli ein Chlausensäckli.

So könnte ein Santichlaus-Besuch am 6. Dezember ablaufen. Santichlaus Werner Müller und sein Gehilfe Schmutzli, Theo Martin, haben dies im Ortsmuseum Frenkendorf sehr schön vorgemacht. Und Silvia Duttweiler hat brav mitgemacht. Sie haben seitens des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Frenkendorf den Santichlaus-Kurs an diesem Samstag initiiert. Denn es fehlt im Dorf an Nachwuchs.

Auf zehn Teilnehmende hat man gehofft, am runden Tisch sitzen schliesslich acht Personen. Sie lernen vom Besten. Werner Müller weiss, was es zu beachten gilt: Eine ruhige Atmosphäre schaffen, sich setzen, damit man auf Augenhöhe mit den Kindern ist. Kommt er nicht sofort mit den Kleinen ins Gespräch, liest er eine Geschichte vor oder singt ein Lied. «Es hilft auch, die Kinder sofort miteinzubeziehen», sagt er. Er bittet sie zum Beispiel, die Laterne auszublasen.

Es soll eine liebe Figur sein

Keinesfalls verliest er dann ein Sündenregister. «Selbst wenn ich eine solche Liste vor der Tür vorfinde, lese ich diese nicht vor. Ich gebe vor, meine Brille vergessen zu haben und lobe das Kind.» Darüber wird am Tisch lebhaft diskutiert. Es wird eingewandt, man könne ja die negativen Punkte ins Positive kehren. Einig ist man sich, dass der Santichlaus eine liebe Figur sein soll – auch aus historisch-christlicher Sicht. Um die Rolle gleich einmal zu proben, schlüpfen Michael Herzig, Michael Roth und Walter Nebiker in die Gewänder. Diese sind ebenfalls sehr wichtig: Die Kinder erwarten einen rot gekleideten Santichlaus mit langem weissem Bart und einen dunklen Schmutzli. «Unbedingt Stiefel anziehen», empfiehlt Müller, «und am besten einen Bart tragen, der an der Perücke festgemacht ist, falls vorwitzige Kleine die Echtheit testen und daran ziehen.»

Manche Kinder schnüffeln, ob sie den Esel am Santichlaus riechen. Die drei Chläuse schlagen sich gut. Sie haben schon Erfahrung, sind aber froh um konstruktive Kritik und dankbar für Tipps: wie laut sie sprechen sollen, wie sie auf altkluge Bemerkungen oder freche Verse reagieren können. Es geht auch um Profanes wie, wie viel ein Santichlaus verlangen darf.

Die Kursteilnehmenden sind sehr zufrieden und erhalten alle ein Zertifikat. Der Santichlaus hätte sich mehr Interessenten aus Frenken- und Füllinsdorf gewünscht. Die beiden jungen Michael kommen nämlich aus Liestal und Gelterkinden, von der evangelisch-methodistischen Kirche, die Frenkendorf mit Santichläusen aushilft.

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