Auszeichnung

Ein Spektakel, nicht nur im Zirkus! – Kanton Baselland vergibt Kulturpreise

Die Ausgezeichneten: Mischa Cheung, Kitty Schaertlin, ein Teil der Gym-Chorleitungen Liestal und Muttenz sowie das Zirkusensemble FahrAwaY.

Die Ausgezeichneten: Mischa Cheung, Kitty Schaertlin, ein Teil der Gym-Chorleitungen Liestal und Muttenz sowie das Zirkusensemble FahrAwaY.

Der Kanton Baselland hat am Mittwochabend seine Kulturpreise vergeben – und dabei ein Jubiläum gefeiert.

Im kulturellen Baselbiet, so scheint es, kommt man in diesem Jahr nicht aus dem Feiern raus. Wer hat nicht alles Jubiläum? 10 Jahre Salts und 25 Jahre Theater Roxy in Birsfelden, 30 Jahre Rattenfänger in Muttenz, 40 Jahre Palazzo in Liestal und stolze 175 Jahre Männerchor Arlesheim – um nur wenige zu nennen.

Bereits hinter sich hat das Kunsthaus Baselland seinen runden Geburtstag, 20 Jahre waren es 2018. Wo es in den nächsten 20 Jahren zu Hause sein wird? In der Dreispitzhalle, diese hat die Stiftung Kunsthaus von der Grundeigentümerin, der Christoph Merian Stiftung, im Baurecht übernommen. Noch immer fehlt ein Teil der 11,2 Millionen Franken, die für den Umbau, die Einrichtung und den Betriebszuschuss benötigt werden. Weshalb das Kunsthaus weiterhin in Muttenz ausstellt (siehe unten) und in der Halle auf dem Dreispitz Leere herrscht.

Nicht so aber am Mittwochabend: Zahlreiche geladene Gäste fanden sich ein, um der feierlichen Übergabe der diesjährigen Baselbieter Kulturpreise beizuwohnen. Auch diese kommen auf eine runde Zahl, wurden doch die Kulturpreise Nummer 98, 99 und 100 vergeben.

Förderpreis an Zirkusspektakel

Der Förderpreis geht wie schon im vergangenen Jahr nicht an eine einzelne Person, sondern an ein ganzes Ensemble: Das FahrAwaY Zirkusspektakel aus Arlesheim erhält die mit 15'000 Franken dotierte Auszeichnung. Damit kommen erstmals Vertreter des angesagten Nouveau Cirque in den Genuss dieses Preises.

FahrAwaY «verzaubert das Publikum mit seinem feinen Programm aus Artistik, Komik und Theater, begleitet von wunderbarer Musik», lautet die Begründung. In diesem Self-made-Unternehmen stecke Handwerk, Herzblut und Humor, und das nicht nur im Sommer, wenn es auf Tournee geht und im Freien spielt. Denn seit 2015 tritt FahrAwaY, bestehend aus Solvejg und Donath Weyeneth, Nina Wey und Valentin Steinemann, auch im Winter auf, in einem Zelt.

Der Spartenpreis Musik wird an Mischa Cheung (geboren 1984) vergeben. Der Pianist stammt aus einer Tenniker Musikerfamilie. 2011 wurde er als Mitglied der klassischen Band Spark mit einem «Echo» ausgezeichnet. Cheung steht auch mit dem Gershwin Piano Quartet oder als Solist auf der Bühne, etwa bei den Symphonic Game Music Concerts. Den mit 20'000 Franken dotierten Preis erhält er für seine musikalische Qualität und für seine Ausstrahlung als «grossartiger Botschafter unserer Region», wie Kulturelles.bl mitteilt.

Einen zweiten Spartenpreis hat die Regierung an Kitty Schaertlin (geboren 1961) aus Sissach vergeben. Sie wirkt als freischaffende Künstlerin und hat sich als Organisatorin und Kuratorin von Kunstausstellungen einen Namen gemacht. «Sie schafft Plattformen für Künstlerinnen und Künstler und eine Sichtbarkeit für Kunst abseits der urbanen Zentren», heisst es in der Begründung. Dabei wird auf die aktuelle Ausstellung «Visionen 19» verwiesen, die Schaerlin zusammen mit Peter Thommen auf dem Areal des Schönthaltunnels zwischen Liestal und Frenkendorf realisiert hat.

Ein Überraschungspreis

Für viele überraschend kommt die Sonderauszeichnung, die anlässlich des Jubiläums 50 Jahre Kulturpreise verliehen worden ist. Die Baselbieter Regierung mit Kulturdirektorin Monica Gschwind würdigt damit die Chorleitungen der Gymnasien Liestal und Muttenz und damit auch die Nachwuchsförderung.

Angesichts der Tatsache, dass auch die anderen Gymnasien in Münchenstein, Oberwil oder Laufen ihre Schulchöre haben: Ist da dieser Preis nicht ein kleiner Affront? Nein, sagt Esther Roth, die Leiterin von Kulturelles.bl, und erläutert, dass die ausgezeichneten Chöre im Oktober 2018 Mendelssohns Oratorium «Elias» auf die Bühne des Basler Musical Theaters brachten. Diese Kooperation mit dem Sinfonieorchester Basel sei dabei nur das letzte von vielen ausserordentlichen Projekten, mit denen die vernetzten fünf Musikpädagoginnen und -pädagogen Lucia Germann und Michael Zumbrunn (Gymnasium Liestal) sowie Christoph Huldi, Jürg Siegrist und Christine Boog (Gymnasium Muttenz) aufgefallen seien. «Der Kulturrat wollte deren kontinuierliche Arbeit und ihre Leistung, die über ihre Anstellungen an den Schulen hinausgeht, bewusst auszeichnen», sagt Esther Roth.

Dass dem siebenköpfigen Kulturrat in diesem Jahr mit Abélia Nordmann und Tabitha Schuler gleich zwei Chorleiterinnen angehören, dürfte für die Entscheidung, Chorleitungen auszuzeichnen, sicher nicht abträglich gewesen sein.

Nun kann man kritisieren, dass denen gegeben wird, die doch schon einen sicheren Job und einen guten Lohn haben. Im Wissen, dass die Vergabe an Kantonsangestellte heikel ist, hat die Regierung denn auch verfügt, dass das Jubiläumspreisgeld – 25'000 Franken – nur zweckgebunden verwendet werden darf. Es soll für weitere Projekte von Baselbieter Gymnasialchören eingesetzt werden. Damit könnte es auch durchaus jenen Schulchören zugute kommen, die nun leer ausgegangen sind.

Meistgesehen

Artboard 1