Die Baselbieter FDP-Regierungsrätin Sabine Pegoraro bereitet den Spekulationen um ihre Zukunft ein Ende: «Ich werde die laufende Amtsperiode fertig machen», sagt sie auf Anfrage der bz, «aber bei den Regierungswahlen 2019 nicht mehr wieder kandidieren.»

Dass die dienstälteste Magistratin in der fünfköpfigen Kantonsregierung im Sommer 2019 nach dannzumal 16 Jahren abritt, ist erwartet worden. Allerdings wurde in den vergangenen Monaten – wohl mit politischer Absicht – das Gerücht gestreut, wonach Pegoraro vorzeitig den Hut nehmen würde; etwa nach Ablauf ihres Amtsjahrs als Regierungspräsidentin im kommenden Juni.

«Ein vorzeitiger Rücktritt stand nie zur Diskussion», stellt Pegoraro klar. Sie habe wiederholt betont, dass sie für vier Jahre gewählt sei. Offenbar hätten ihr das einige nicht geglaubt, fügt sie an. Definitiv ist nun auch, dass die Pfeffingerin 2019 nicht für eine fünfte Amtsperiode antreten wird.

Kein Bündnis ohne die SVP

Mit Pegoraros Ankündigung ist der Regierungswahlkampf 2019 lanciert. «Jetzt wissen wir, wie wir planen können», sagt FDP-Kantonalpräsident Paul Hofer. Dies auch deshalb, weil zugleich die freisinnige Bildungsdirektorin Monica Gschwind ihrer Partei zugesagt hat, 2019 wieder anzutreten.

Hofer hält am Ziel fest, neben Gschwind einen zweiten FDP-Regierungskandidierenden ins Rennen zu schicken. Deswegen befindet sich der FDP-Chef im Clinch mit der SVP, die auf ihre Wählerstärke verweist und selber zwei Kandidierende portieren will. «Wir haben das wählbarere Personal», entgegnet Hofer. Das sei wichtiger als der Wähleranteil. Zugleich stellt Hofer klar, dass ein bürgerliches Fünferticket mit je zwei FDP- und SVP-Kandidierenden neben CVP-Regierungsrat Anton Lauber für ihn «nicht infrage kommt».

Trotz dieser Misstöne setzt Hofer auf die seit fast zwei Jahrzehnten bewährte bürgerliche Zusammenarbeit mit CVP und SVP. «Ein bürgerliches Bündnis ohne SVP wäre für mich nicht bürgerlich.»

Zusammengefasst: Hofer stellt die Maximalforderung mit zwei eigenen Kandidaten, einem Bündnis mit der SVP und dem Verzicht auf ein bürgerliches Fünferticket – und könnte damit sogar durchkommen. Ein Entscheid in der Bündnisfrage im bürgerlichen Lager sei noch für «Mitte/Ende April», zu erwarten, informiert Hofer. Erst danach werde man im Detail über Personen reden. «Dabei spielt die Geschlechterfrage keine Rolle. Wir stehen nicht unter Zugzwang», sagt Hofer und verweist darauf, dass die FDP mit Monica Gschwind bereits über eine Regierungsrätin verfügt.

Derweil lässt Sabine Pegoraro offen, ob ihre Demission als Regierungsrätin zugleich das definitive Ende ihrer politischen Karriere bedeutet. Ebenso offen sei, ob sie sich nach 2019 für ein anderes Amt zur Verfügung stellen könnte.

«Ich bin nicht amtsmüde», sagt sie und widerspricht damit den Darstellungen, die in den letzten drei Jahren in den Medien kursierten. Aber irgendwann sei nun mal fertig. «Ich gedenke jedenfalls nicht, mich dann bereits aufs Altenteil zurückzuziehen.» Dafür fühlt sich Pegoraro, die am Sonntag in einer Woche ihren 60. Geburtstag feiern wird, noch viel zu jung.

Die freisinnige Magistratin verfügt über einen beinahe legendären Durchhaltewillen, auch heftige Kritik steckte sie in den vergangenen Jahren äusserlich unbeeindruckt weg. Seit sie 2011 mit dem besten Resultat sämtlicher Regierungskandidierenden von der Sicherheits- in die Bau- und Umweltschutzdirektion wechselte, stand sie mehr oder weniger unter Dauerbeschuss.

In der laufenden Legislatur kassierte sie eine Abstimmungsniederlage nach der anderen: So sagte das Baselbieter Volk Nein zur Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba) und zur Einführung einer kantonalen Energieabgabe. Hingegen wollte es – im Gegensatz zu Pegoraro und dem Landrat – das Läufelfingerli weiterfahren lassen, dafür aber den Margarethenstich nicht. Beim öffentlichen Verkehr agierte Pegoraro angesichts der Leere in der Kantonskasse mut- und visionslos: Mit ihrem Vorschlag, im Rahmen des 200 Millionen Franken schweren Sparpakets die Subventionen fürs U-Abo zu streichen, scheiterte sie kläglich.

Ruf einer «Eisernen Lady»

Zumindest ein kluger Schachzug in der Verkehrspolitik ist ihr seit 2015 freilich gelungen: Dank ihres Vorschlags, den Doppelspurausbau der Bahnlinie im Laufental vorzufinanzieren, hat es dieser ins Ausbauprogramm Step 2030/2035 geschafft.

Glücklicher agierte die promovierte Juristin vor 2011 als Vorsteherin der Sicherheitsdirektion: Erfolgreich brachte sie die Reorganisation von Polizei und Staatsanwaltschaft durch; ihre harte Hand in Law-and-Order-Fragen – etwa beim Harassenlauf – brachten ihr den Ruf einer «Eisernen Lady» ein.

In ihrer Zeit als Baudirektorin wurde das Verhältnis zur eigenen Partei indes zunehmend getrübt. Zwar sagt Pegoraro, dass sie bei allen grossen Projekten die FDP auf ihrer Seite gehabt habe. Dennoch wurden einige Geschäfte – in jüngerer Vergangenheit etwa die Energieabgabe – durch Kritiker aus eigenen Reihen sabotiert. Bei der Baselbieter FDP werden daher einige froh sein, dass sich die Ära Pegoraro dem Ende zuneigt.