Raumplanung

Ein Zonenplan und eine Reizfigur: Leutenegger Oberholzer mobilisiert gerade Augst

Susanne Leutenegger Oberholzer ist wieder politisch aktiv. Jetzt setzt sie sich für eine neue Quartierplanung in Augst ein.

Susanne Leutenegger Oberholzer ist wieder politisch aktiv. Jetzt setzt sie sich für eine neue Quartierplanung in Augst ein.

Augst stimmt am 20. Oktober über den Zonenplan Augst-West ab. Alt SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger kämpft an vorderster Front.

Nach der rund einstündigen Veranstaltung im sehr gut gefüllten Saal im oberen Stockwerk des Augster Gemeindehauses war Susanne Leutenegger Oberholzer mächtig stolz. Zusammen mit Ruth Hochuli und Sibille Ramseyer, mit denen sie die für das Referendum nötigen Unterschriften gesammelt hatte, hat die alt SP-Nationalrätin einen äusserst gut besuchten Informationsanlass organisiert.

Am 5. Juni stimmte die Gemeindeversammlung dem Zonenplan «Augst-West Siedlung und Landschaft» zu. Leutenegger Oberholzer forderte schon damals erfolglos, für die Parzellen 81 und 81, dem Areal der Ruderholz AG gleich neben dem historischen Ehingerhof, die Quartierplanpflicht ein.

Gemeinderat hat Angst vor weiteren Verzögerungen

Gemäss dem neuen Zonenplan sind nun Gebäude mit drei Vollgeschossen und Dachgeschoss mit einer maximalen Höhe von 14,2 Meter möglich. Das Referendumskomitee befürchtet nun, dass ohne klare Vorgaben der Gemeinde das Ortsbild im Zentrum verschandelt werde, wenn zum Beispiel «moderne Bauten mit Glasfronten, die nicht ins Dorf passen», erstellt würden, wie es Ruth Hochuli mahnend formulierte. Mit einem Quartierplan könne die Gemeinde sicherstellen, dass es eine Überbauung gibt, die das Ortsbild positiver beeinflusst, betonte Sibille Ramseyer. Leutenegger Oberholzer stellte klar, dass es ihnen nur um die beiden Parzellen gehe und nicht um den ganzen Zonenplan.

Dass mit dem Widerstand gegen die beiden Parzellen der ganze Zonenplan betroffen ist, stösst Gemeindepräsident Andreas Blank sauer auf. Im Detail erklärte er die Planungen der vergangenen Jahre, sprach über den öffentlichen Verkehr, Kitas, Kindergärten, Schulen, die Kanalisation und den Ehingerhof und damit über alles, was im Grossen und Ganzen vom Zonenplan betroffen ist. Lehnt die Stimmbevölkerung den Zonenplan am 20. Oktober ab, käme es zu Verzögerungen, die sämtliche Bereiche der Planungen beträfen, warnt Blank. Die Befürchtungen der drei Frauen, das Ortsbild werde verschandelt, seien unbegründet. Der Gemeinderat wolle es bewusst den Investoren überlassen, ob sie einen Quartierplan möchten.

Blank ist überzeugt: Ein Quartierplan ist für Investoren eine «positive Sache». Doch warum der Gemeinderat einen solchen nicht vorschreibt, erklärte der Gemeindepräsident dem Publikum nicht abschliessend. Erst nach dem offiziellen Teil sagt Blank zur bz: «Das Problem ist doch, dass die drei Mitglieder des Referendumskomitees in unmittelbarer Nähe zum Areal wohnen und nicht wollen, dass dort gebaut wird.» Er befürchtet, dass es bei einem Quartierplanvorschlag, der den Anwohnerinnen nicht passt, zu weiteren Verzögerungen kommt. «Wir denken viel grösser als nur die zwei Parzellen.»

«SLO» rückte als Reizfigur ins Zentrum der Kritik

Andreas Blank wirft Susanne Leutenegger Oberholzer vor, nicht schon früher ihre Kritik angebracht zu haben, zum Beispiel während der Vernehmlassung. Die Beschuldigte selber wiegelt ab. «Wenn ich da etwas gesagt hätte, wäre kein Komma geändert worden. Deshalb habe ich mich erst an der Gemeindeversammlung geäussert.» Im Verlauf des Abends wurde deutlich: Bei der Abstimmung geht es um weit mehr als bloss um den Zonenplan. Es geht um Susanne Leutenegger Oberholzer als Reizfigur der Bürgerlichen. Es kam deshalb auch zu persönlichen Vorwürfen. «Ich habe Sie in Bern bewundert, obwohl Sie nicht meiner Partei entsprechen», begann Bürgerratspräsident Rolf Fux noch höflich, bevor er dann der alt Nationalrätin vorwarf, sich entgegen ihrer Behauptungen nie für den Ehingerhof eingesetzt und sich generell bisher nie in Augst engagiert zu haben. «Woher kommt denn der plötzliche Gesinnungswandel?», fragte Fux.

«Das ist ganz einfach», antwortete Leutenegger Oberholzer wie aus der Pistole geschossen: «Ich habe jetzt mehr Zeit. Ich komme jetzt an jede Gemeindeversammlung.» Das hämische Gelächter war ihr damit sicher. «Es kann doch nicht sein, dass wir darunter leiden müssen», rief ein anderer Mann nach vorne. Ein historischer Augster Konflikt zwischen Alteingesessenen und Neuzuzügern wurde wieder einmal deutlich. Leutenegger Oberholzer, die seit zehn Jahren in Augst wohnt, bekam dies zu spüren. Für sie kein Problem. «Mit persönlichen Angriffen lernt man im Nationalrat umgehen. Es ist ja eindeutig hier in Augst: Es herrscht der Filz.»

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