Im Schutz der Dunkelheit haben sie leichtes Spiel, zumindest ein leichteres als im Sommer: Werden die Tage kürzer, beginnt die Saison der Einbrecher. Jahr für Jahr, pünktlich zur Umstellung auf die Winterzeit. So hat die Solothurner Kantonspolizei in den Bezirken Dorneck und Thierstein laut Sprecher Thomas Kummer im Oktober mehr Anzeigen wegen Einbrüchen registriert als in den Sommermonaten.

In Basel-Stadt hingegen sind gemäss Polizeisprecher Toprak Yerguz «nicht signifikant mehr Meldungen» eingegangen. Damit das so bleibt, hat die Basler Polizei just zur Umstellung auf die Winterzeit die Kampagne «Gemeinsam gegen Einbrecher» lanciert.

Die setzt auf die Achtsamkeit der Bevölkerung, auf Prävention: «Benachrichtigen Sie die Polizei, wenn Ihnen eine Situation verdächtig erscheint», liest es sich auf blauen Plakaten. Gleichzeitig passe die Polizei jetzt ihr Dispositiv an, wie Yerguz sagt.

Die Basler Polizei tut gut daran, gilt es doch, dem Trend entgegenzuwirken: Zwar stellte die Kriminalitätsstatistik im ersten Halbjahr 2018 bei den Einbruchsdiebstählen in Basel-Stadt einen Rückgang von über 30 Prozent fest. Die Zahlen vom vergangenen Jahr stimmen indes weniger positiv. Während die Rate 2017 schweizweit um zwölf Prozent zurückgegangen ist, legte sie hier mit 1372 Einbrüchen um zwei Prozent zu.

Baselland mit Prognosekarten

Im Baselbiet gingen die Einbruchdiebstähle vergangenes Jahr, anders als in der Stadt, deutlich zurück und zwar um elf Prozent. Hier wurden insgesamt 1303 solche Taten gezählt. Am meisten betroffen waren Einfamilienhäuser (406) und Mehrfamilienhäuser (383). Zahlen für das laufende Jahr werden nicht bekannt gegeben. Agglomerationsgemeinden und Dörfer entlang der Landesgrenze sind im Kanton Baselland stärker von Einbrüchen betroffen.

Zur Prävention geht die Baselbieter Polizei noch ein Stück weiter als ihre Basler Kollegen. Neben Sicherheitsberatungen, Sensibilisierung der Bevölkerung und vermehrter Präsenz mit Patrouillen, wie es auch in der Stadt üblich ist, setzt sie seit ein paar Jahren auf die Analyse-Software Precobs. Sie arbeitet mit einem Algorithmus, der mit Daten zu Tatort und Vorgehen der Täter gespeist wird. Daraus entstehen Prognosekarten, die aufzeigen, wo bald weitere Einbrüche möglich sind. Ob diese Software zum Rückgang der Einbrüche beigetragen hat, lässt sich nicht beweisen.

Kein spektakuläres Werkzeug

Die Kantonspolizei Solothurn wiederum bietet in Regionen, wo oft eingebrochen wird, Info-Abende an. 2014 erreichte die Einbruchswelle im Schwarzbubenland mit 346 Fällen einen Höhepunkt. Vor zwei Jahren war das solothurnische Leimental stark betroffen, im März 2017 die Gemeinde Himmelried.

Polizeisprecher Thomas Kummer kann nicht sagen, weshalb sich die Lage jeweils entspannt hat. «Vielleicht hat unsere Arbeit ihren Beitrag dazu geleistet, vielleicht wirken Banden nur in einer anderen Gegend.» Damit könnte er recht haben: Vergangene Woche stoppten Zollbeamte im Fricktal zwei mutmassliche Banden; zwei Rumänen auf einem Parkplatz in Frick, die in Deutschland wegen Einbruchs gesucht werden, und drei Georgier auf einem Autobahn-Rastplatz – mit ein paar Schraubendrehern im Kofferraum.

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Unbekannte brachen in ein Haus in Wohlen ein, obwohl vier grosse Hunde anwesend waren. Die Besitzerin ist schockiert. Auch die Polizei spricht von einem aussergewöhnlichen Fall. 

Dass die Einbrecher nicht mit spektakulärem Werkzeug wie Stemmeisen oder Hammer unterwegs sind, erstaunt Toprak Yerguz von der Basler Polizei nicht: «Auf der Hitliste nach wie vor ganz oben steht die klassische Einbruchart mittels Aufbrechen von Fenstern oder Türen.» Tendenziell erschwere es die heutige Bauweise wegen der verwendeten Materialien eher, in ein Gebäude einzubrechen, als dies bei Altbauten der Fall sei. «Allerdings hängt die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs von zahlreichen weiteren Faktoren ab, etwa von der Lichtsituation», sagt Yerguz.

Entsprechend kulant zeigt sich in diesem Punkt etwa Immobilien Basel-Stadt (IBS) bei den von ihr angebotenen Mietwohnungen – meist handelt es sich dabei um Altbauten: «Bei einer besseren Beleuchtung des Hauszugangs übernehmen wir die Kosten», sagt Sprecherin Barbara Neidhart. Die IBS habe auch schon Wohnungen mit neuen, einbruchsichereren Türen ausgestattet, und bei Sanierungen strebe man einen möglichst hohen Sicherheitsstandard an. «Möchte der Mieter aber eine Alarmanlage in der Wohnung installieren, muss er selbst dafür aufkommen», so Neidhart weiter.

Alarmanlage, per App bedient

Die Tage der klassischen Alarmanlage, die bei einem Einbruch laut losheult und eine Alarmzentrale informiert, dürften übrigens gezählt sein. Laut einem Beitrag auf der Website des Hauseigentümerverbands gehört die Zukunft jenen Anlagen, die per App via Smartphone bedient werden. Damit kann man auch Fenster, Türen, Rollläden, Licht, Kameras und Heizung zentral steuern.

Experten wie Ueli Wisler und Henry Tröhler vom Verband Schweizerischer Errichter von Sicherheitsanlagen zeigen sich dieser neuen Entwicklung gegenüber skeptisch. Tröhler warnte kürzlich in der «Luzerner Zeitung», dass diese Applikationen von Hackern sabotiert werden können. «Überall, wo es Sensoren gibt, besteht eine Schwachstelle und somit Gefahr von Sabotageangriffen.»

Auch Andreas Zappalà, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Basel-Stadt, sagt: «Wir befürchten, dass solche Technologien noch zu wenig ausgereift sind und die Qualität dem Eigentümer erst nahegebracht werden muss.» Und man dürfe nicht vergessen, dass die Täter immer raffinierter werden. «Einen hundertprozentigen Schutz gegen Einbrecher wird es nie geben.»