Reformbedarf

Eine Berufsfeuerwehr ist keine Alternative

Wenns brennt, muss innert kürzester Zeit die Feuerwehr vor Ort sein. Weil die Personaldecke dünner wird, werden im Baselbiet neue Ideen angedacht.

Wenns brennt, muss innert kürzester Zeit die Feuerwehr vor Ort sein. Weil die Personaldecke dünner wird, werden im Baselbiet neue Ideen angedacht.

Die moderne Arbeitswelt und die Milizfeuerwehr vertragen sich schlecht. Jetzt muss der Feuerwehr-Verband über die Bücher.

Baselbieter Feuerwehren müssen umdenken. Das Problem: Viele Feuerwehrleute arbeiten auswärts, sind deshalb nicht innerhalb sinnvoller Frist an einem Brandort. Deshalb soll eine Professionalisierung der Feuerwehr ins Auge gefasst werden, wie das «Regionaljournal» berichtete.

Nun sagt Dominik Straumann, Präsident des Feuerwehrverbands beider Basel, zur bz: «Eine reine Berufsfeuerwehr ist zu teuer und kann deshalb auch nicht das Ziel sein.» Andere Ideen, wie in Zukunft die Feuerwehren aufgestellt werden sollen, seien jedoch vorhanden.

Innerhalb von zehn Minuten müssen acht Feuerwehrleute an einem Einsatzort sein, so will es das Gesetz. Dieses sogenannte Schutzziel zu gewährleisten, wird zunehmend schwieriger. Davon betroffen seien im grösseren oder kleineren Rahmen alle Feuerwehren, sagt Straumann. Dies nicht nur, weil viele Feuerwehrleute pendeln und deshalb den Tag hindurch nicht rechtzeitig vor Ort sein können, sondern auch wegen grundsätzlicher Personalengpässe.

Zudem sind Arbeitgeber immer weniger bereit, die Feuerwehrleute für Einsätze abzugeben. Eine Möglichkeit, dem zu begegnen, sieht Straumann darin: Ein kleiner Stamm an vollamtlichen Feuerwehrleuten soll in den Gemeinden in kurzer Zeit vor Ort sein können. Wenn sich ein Einsatz als grösserer Brand entpuppen sollte, werde dann mit Milizpersonal aufgefüllt.

Keine reine Aufräumtruppe

Einer, der sich vehement für das Milizsystem ausspricht, ist Daniel Hachen. Er ist Kommandant des Feuerwehrverbunds Bölchen (Diegten, Eptingen, Tenniken) und sagt: «Wenn wir nur noch die Aufräumtruppe wären, wird es noch schwieriger, Leute zu rekrutieren.» Momentan sei die Lage an der Personalfront im Verbund aber nicht akut.

«Unser Bestand ist gut. Das kann sich aber schnell ändern», zeigt sich Hachen vorsichtig. Ähnlich sieht auch Reto Strickler vom Feuerwehrverbund Wolf im hinteren Waldenburgertal die Situation: «Wir haben heute den Vorteil, dass viele unserer Feuerwehrleute in den umliegenden Gemeinden arbeiten», sagt Strickler.

Dies könne sich aber schnell ändern. Verstärkt könnte das Problem werden, weil der Verbund mit Rekrutierungsproblemen zu kämpfen hat. Vor vier Jahren mit einer Mannschaftsstärke von 60 gestartet, umfasst er heute noch einen Bestand von 50. Reto Strickler sieht denn in einer Teilprofessionalisierung einen gangbaren Weg, um dem entgegenzuarbeiten. Daniel Hachen ist sich ebenso bewusst, dass etwas gemacht werden muss. Aus diesem Grund sei er froh, dass das Thema in einer Arbeitsgruppe diskutiert wird.

Dort will Straumann seine Ideen denn auch vorbringen. Eine Berufsfeuerwehr ist, wie erwähnt, nicht das Ziel von Straumann. Dies ist im weitverzettelten Kanton Baselland wohl auch nicht praktikabel, wie mehrere Kommandanten gegenüber der bz bekräftigten.

Werkhofmitarbeiter einbinden?

Die Feuerwehren Aesch, Grellingen und Pfeffingen haben sich zum Verbund Klus zusammengeschlossen. Und dort ist bereits umgesetzt, was Dominik Straumann als weitere Idee für den ganzen Kanton vorbringt: Der Tagespikettdienst wird zu einem Teil mit Gemeindeangestellten abgedeckt. Zudem werde bei gewissen Stellenausschreibungen der Gemeinde bewusst nach Personal gesucht, welches bereit ist, in der Feuerwehr mitzuarbeiten. «Dies funktioniert sehr gut», sagt Marco Hunziker, Kommandant des Feuerwehrverbunds Klus.

Auch Teile der Feuerwehren im Leimental würden auf diese Weise einen Teil ihrer Tagesbereitschaft abdecken, so Hunziker. Setzen die Gemeinden nun etwa Werkhofmitarbeiter als Feuerwehrleute ein, würden sie zudem ihrem gesetzlichen Auftrag gerecht werden, indem sie nämlich die feuerpolizeilichen Aufgaben sicherstellen.

Zurzeit verschont vom Pendler- und Rekrutierungsproblem ist man in Ettingen. «Wir haben momentan das Glück, dass einige noch im Dorf wohnen», so Michael Berger, Kommandant der Feuerwehr Ettingen. So können auch Ersteinsätze durch den Tag ohne Probleme abgedeckt werden.

Berger geht zudem davon aus, dass der Auftrag momentan am sinnvollsten und kostengünstigsten von einer Milizfeuerwehr erledigt werden kann. «Wenn die Personaldecke aber dünner werden würde, muss man sich natürlich grundsätzliche Gedanken machen», so Berger. Er nennt als mögliche Alternative einen Alarmverbund mit den umliegenden Feuerwehren.

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