Absage der Messen

Eine Branche vor dem Untergang: Markthändler und Schausteller werden von Absagen hart getroffen

Keine Herbstmesse, kein Magenbrot: Auch Oskar Herzig konnte mit seinen Jonasch-Produkten nur an wenigen Märkten teilnehmen.

Keine Herbstmesse, kein Magenbrot: Auch Oskar Herzig konnte mit seinen Jonasch-Produkten nur an wenigen Märkten teilnehmen.

Der Wegfall von Herbstmesse und Weihnachtsmarkt trifft Markthändler und Schausteller hart. Viele befinden sich auf dem Weg in den Konkurs. Der Bund hat zwar höhere Härtefall-Beiträge gesprochen, doch reicht das, um die Betroffenen zu retten?

«Wenn nicht bald etwas passiert, gibt es auch nächstes Jahr keine Basler Herbstmesse. Aber nicht wegen Corona – sondern, weil es keine Markthändler und Schausteller mehr geben wird.» Oskar Herzig, Sprecher der Markt-, Schausteller und Zirkusverbände, sieht für die Branche eine dunkle Zukunft vorher.

Nach Absagen von Chilbis, Märkten und anderen Veranstaltungen stünden diverse Schausteller und Markthändler vor dem Aus. «Einige meiner Berufskollegen konnten dieses Jahr noch keinen einzigen Tag arbeiten», erzählt er. Dies in Kombination mit dem Wegfall der Herbstmesse und des Weihnachtsmarkts, die für diverse Betriebe die grössten Einnahmequellen des Jahres sind, bedeutet: «Konkurse. Es hat bereits einige gegeben in der Branche – und es werden noch mehr folgen.»

Beitrag wurde um 600 Millionen erhöht

Dies, obwohl der Bundesrat am Mittwoch entschieden hat, die Beiträge für Härtefälle – dabei auch Schausteller – von 400 Millionen auf eine Milliarde zu erhöhen. «Das ist eine sehr positive Nachricht», meint Herzig, «aber das Hauptproblem ist damit nicht gelöst.»

Als Hauptproblem bezeichnet er, dass die Kantone für einen Teil dieses Geldes verantwortlich sind. Und dafür muss in jedem Kanton erst eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, erklärt Herzig. Im Kanton Basel-Stadt habe man dies bereits zu Beginn der Krise getan, sodass die Hilfe dort relativ schnell bei den Unternehmern eintreffen sollte.

Andere Kantone, darunter Baselland, sind jedoch noch nicht soweit. Herzig nennt als Beispiel den Kanton Zürich: Frühestens im Februar oder März 2021 könne dort Geld gezahlt werden. «Bis dahin überlebt niemand», ist Herzig überzeugt. Und fordert, dass der Bund in die Pflicht genommen wird. «Das Paradoxe daran ist: Man sieht offenbar ein, dass die Lage für uns brutal ist. Aber bei der Lösung bleibt man beim herkömmlichen Prozess, obwohl wir uns in einer Notlage befinden.»

Auch Hobbyhändlern fehlen die Märkte

Es sind nicht nur die professionellen Markthändler und Schausteller, die unter der aktuellen Situation leiden. Auch Hobbyhändler sind betroffen: Einer von ihnen ist Philippe Ammann aus Nunningen. Als «Filippo Altholzflüsterer» sind die Weihnachtsmärkte einer seiner Fixpunkte im Jahr. Aus Altholz und anderen recycelten Materialien stellt er als Ausgleich zum Berufsalltag hobbymässig Dekogegenstände her und verkauft diese in der Adventszeit. «Finanziell treffen mich die Absagen zwar nicht sehr, trotzdem fehlen mir die Märkte», erzählt er. Ihm und anderen Nunninger Kreativen.

Beim gemeinsamen Gespräch über die Märkte sei ihnen aufgefallen: Sieben der regelmässigen Marktgänger haben ihre Ateliers, Werkstätten oder Verkaufsläden in Gehdistanz voneinander. Einen gemeinsamen, kleineren Markt organisieren wollte man nicht. «Das soll man ja derzeit eben nicht machen», so Ammann.

In Nunningen gibt es als Markt-Ersatz nun eine Kreativmeile

Entstanden ist deshalb die «Kreativmeile Nunningen»: Einerseits wird dabei der Kontakt zu den Kreativen vermittelt und es können individuelle Termine abgemacht werden. Andererseits öffnen die sieben Handwerker, Künstler und Floristen an den ersten beiden Dezemberwochenenden alle gleichzeitig ihre Werkstätten – unter Einhaltung der BAG-Richtlinien.

Auf dem Spaziergang sind handgemachte Geschenke aus Holz, Keramik, Stein, Metall oder Blumen zu finden. «So haben diejenigen, die gerne Weihnachtsmärkte besuchen, eine Art Ersatz, und wir können die Werke, die wir das Jahr durch hergestellt haben, trotzdem verkaufen.»

Ideen wie diese, aber auch kleinere Märkte oder Events – beispielsweise derjenige in Riehen oder das Aufstellen des Riesenrads in Basel – findet Oskar Herzig grundsätzlich unterstützenswert. Es sei schön, dass man die Händler durch solche Angebote trotzdem noch unterstützen könne. Aber: «Es ist ein Beitrag – und nicht die Lösung des Problems.»

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