Die Diskussion um Lärmschutz zugunsten der Anwohner des Euro-Airports (EAP) hat in den vergangenen Monaten merklich an Fahrt aufgenommen. Längst ist das Thema zum Politikum geworden, reihum werden schärfere Lärmschutzmassnahmen gefordert, besonders für die Zeit nach 23 Uhr.

Flughafendirektor Matthias Suhr versprach zu Beginn des Jahres, die Verstärkung des Lärmschutzes zu überprüfen. Gebessert hat sich die Situation bis dato nicht: Zwischen 23 und 24 Uhr werden die Lärm-Grenzwerte in Allschwil regelmässig überschritten.

«Warum dauert es so lange, bis sich etwas bessert?», fragen sich nicht nur Anwohnerverbände. Die Konklusion, etwa von Grünen-Landrätin Rahel Bänziger: «Unsere Anliegen werden vom Flughafen nicht ernst genommen.»

Keine Möglichkeit eines vereinfachten Verfahrens

Das sei bestimmt nicht der Fall, sagte Suhr am Dienstag. Er lud zum Mediengespräch, indem er das Vorgehen in Richtung verbesserter Lärmschutz erläutern wollte. Der Flughafendirektor betonte, dass er die Frustration der Anwohner verstehe und dass der EAP den Lärmschutz nach 23 Uhr «proaktiv» weiter verstärken wolle.

«Aber: Der Flughafen ist ein öffentlich-rechtliches Unternehmen, er gehört zu den Schlüsselinfrastrukturen der Region. Die Flughafenleitung kann die Betriebszeiten nicht in Eigenregie einschränken. Ein solcher Entscheid muss im Rahmen eines internationalen Verfahrens genehmigt werden.» Und diesem Entscheid ginge ein komplexes Vorgehen voraus. Suhr: «Die Möglichkeit eines vereinfachten Verfahrens besteht nicht.»

Im Fall des EAP bedeutet das: In einer Studie müssen nun die Auswirkungen von Lärmschutzmassnahmen geprüft und verschiedene Anspruchsgruppen befragt werden. Dazu gehören nicht nur die Anwohner, sondern auch die Airlines mit ökonomischen Bedürfnissen sowie die Kantone und Gemeinden mit volkswirtschaftlichen Anliegen. Dazu stellte Suhr fest: «Es ist gerade eine ganz heikle Gratwanderung, allen Bedürfnissen zu entsprechen. Es gilt, eine Ausbalancierung der Lärmschutzanliegen der Bevölkerung und des volkswirtschaftlichen Nutzens des Flughafens zu erreichen.» Infrage kommen Massnahmen wie eine Reduktion der Lärmemissionen bei Flugzeugen, in der Raumplanung, bei den Flugrouten bis hin zu konkreten betrieblichen Einschränkungen.

Diese Studie, so Suhr weiter, sei nun lanciert worden. In den kommenden Wochen werden demnach über 90 Flughafenpartner interviewt. Durchgeführt wird die Befragung von zwei unabhängigen Beratungsfirmen, die nach einer öffentlichen Ausschreibung den Zuschlag erhalten haben. «Auch dieses Submissionsverfahren war nötig, weil es hier um Kosten im sechsstelligen Bereich geht, und auch dieses Verfahren hat Zeit in Anspruch genommen», sagte Suhr. Es ginge ihm darum, aufzuzeigen, dass der Flughafen «wirklich» versuche, in dieser Sache schnell vorwärts zu kommen. «Aber wie Sie sehen, sind wir gesetzlich an gewisse Vorgehensweisen gebunden.»

Sogar Brüssel hat ein Wörtchen mitzureden

Die Ergebnisse der Studie werden Anfang 2020 vorliegen und der EAP im ersten Semester darüber entscheiden, welche Massnahmen den Behörden zur Prüfung vorgeschlagen werden.

Diese Prüfung wird nochmals einige Zeit in Anspruch nehmen: Nicht nur die französische Flugaufsichtsbehörde muss grünes Licht geben, sondern auch die Europäische Kommission. Und der endgültige Entscheid liegt beim französischen Verkehrsministerium. Suhr konstatierte: «Es mutet auch für mich komisch an, dass sogar Brüssel in diesem Fall mitredet.»