Eine knackige Rede hält der Baselbieter Regierungspräsident zur Eröffnung des Liestaler Stadtfests vom Balkon des Restaurant Neuhaus herab. Schon vor Jahren habe er, Isaac Reber, dem früheren Stadtpräsidenten Lukas Ott gesagt, «er sei für mich persönlich dann der König von Liestal, wenn er drei Dinge erfülle. Erstens müsse er die Rathausstrasse neugestalten, zweitens das alte Postgebäude sprengen und drittens die Laubbläser aus dem Stadtgebiet verbannen.»

Das Neugestalten ist es denn auch, welches das Stadtfest von 2018 auf 2019 verschoben hat. Das Törli war noch nicht renoviert, der Präsidiumswechsel noch zu frisch, die Zeit noch nicht reif. Deshalb läuft das dreitägige Fest unter dem Motto «Liestal findet Stadt». Bereits im Eröffnungsabend steckt eine Menge Liestal. Nach Rebers Rede schreitet IG Chienbäse-Präsident Werner Fischer mit einem Chienbäse von der Burg herunter und entzündet symbolisch das Feuerwerk, die Pyroshow, die Christian Ziegler auf dem Dach der Busstation auf dem Wasserturmplatz abbrennt.

Überraschung: Liestal hat nun offiziell Törliplatz

Eine echte Überraschung ist die Taufe des Platzes vor dem Törli. Der Stadtrat hat beschlossen, diesen nun offiziell Törliplatz zu nennen. Anrainer und Gastronom Felix Mühleisen wünscht sich das schon lange. Am liebsten autofrei. Stadtpräsident Spinnler bezeichnet den Akt als «eine Hommage ans Baselbiet, das Törli und an Felix Mühleisen – unser Baselbieter Hauptstadtplatz ist das».

Ein Highlight ist die Lightshow in der Rathausgasse:

Die Lichtshow am Stadtfest Liestal 2019

Literaturnobelpreisträger Carl Spittelers Gedicht «das bescheidene Wünschlein» wird visuell interpretiert und auf das Törli projiziert. Das Publikum ist begeistert. «Wir wollten etwas Besonderes machen, nicht nur Musik bieten», sagt Daniel Spinnler. Musik gibts trotzdem. Einheimisches von Rabbit Hill, Invain oder der Guggenheim Allstar Band, später rappt sich Black Tiger durch Spitteler-Texte.

Eine prächtige Parade gönnt sich Liestal am Samstagnachmittag. Angeführt von der Stadtmusik ziehen 24 Formationen durchs Törli. Ganze 35 Minuten dauert das Spektakel, Winken, Grüssen und Lachen. Natürlich dürfen die Banntagsfahnen nicht fehlen, nicht die Rotstab-Clique und Infanterie Offiziersschule. Sogar die Spitex läuft mit. Zuvor sangen Primarschüler vor dem Törli das neue Stadtlied, das Urs Rudin komponiert und Stadtrat Daniel Muri getextet hatte.

40 Kilo Vanillecreme für eine riesige Cremeschnitte

Sichtbar viel Eigeninitiative manifestiert sich in der Rathausstrasse. Die drei ortsansässigen Bäcker und Confiseure kreieren eine 25 Meter lange Cremeschnitte: 40 Kilo Vanillecreme, sechs Kilo Zuckerguss, 75 Meter Blätterteig. Confiseur Jonas Walther erklärt: «Wir wollten zeigen, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen können.» Einen Franken pro Zentimeter kostet dieses Dessert. Der Erlös geht an Insieme Baselland.

Vor dem Törli zeigt die Grenzwache ihr Handwerk. Über die Seestrasse lässt es sich mittels Tyrolienne schweben. Und überall vorzügliches Essen. Dafür ist Liestal schon länger bekannt. Vielleicht deshalb schliesst Isaac Reber seine launige Eröffnungsrede mit einer ironischen Spitze nach Basel. Jenes Basel, das kürzlich selbst den Beweis für Liestals Vorreiterrolle erbracht habe. «Durch das Kopieren der Liestaler Genusswoche dürfte endgültig allen klar sein, dass die Stadt ganz genau hinschaut, was die Konkurrenz aus dem Stedtli anstellt.» Liestal feiert sich, das Törli, und Felix Mühleisen wohl den Törliplatz.