Interview

«Eine kleinere oder grössere Reminiszenz an die Lüdin-Zeit muss erhalten bleiben»

Stadtrat Franz Kaufmann möchte den identitätsstiftenden Lüdin-Kopfbau hinter ihm erhalten.

Stadtrat Franz Kaufmann möchte den identitätsstiftenden Lüdin-Kopfbau hinter ihm erhalten.

Nach dem Verkauf des zentralen Liestaler Lüdin-Areals an die Credit Suisse sagt Stadtrat Franz Kaufmann, was möglich ist und was nicht.

Herr Kaufmann, was ändert aus Sicht der Stadt Liestal mit dem gestern bekannt gewordenen Verkauf des Lüdin-Areals an die Credit Suisse?

Franz Kaufmann: Es ist anzunehmen, dass es jetzt schnell vorwärts geht. Mit der CS kommen Fachleute und ich traue ihnen zu, die Koordination mit den Grossprojekten rund herum, insbesondere der Erweiterung des Gerichtsgebäudes, professioneller zu gestalten. Das wäre ganz positiv.

Die CS hat offenbar auch das strategisch wichtige ehemalige Café Graber an der Kantonalbank-Kreuzung gekauft. Eröffnet das neue Möglichkeiten?

Das finde ich sehr positiv, denn bei einer Gesamtsicht ist es wichtig, dass man auch diese exponierte Ecke fertig bauen kann. Wenn die Kantonalbank und die UBS dort anstelle des isolierten Café Graber ein würdiges Gegenüber haben, gibt das eine Aufwertung dieser wichtigen Eingangspforte nach Liestal.

Das Lüdin-Areal liegt in einem städtebaulich sehr sensiblen Bereich direkt unterhalb der Altstadt. Gibt es für die Stadt Eckpunkte, die beim Neubauprojekt unverhandelbar sind?

Hier muss ich auf die bisherige Projektgeschichte zu sprechen kommen. Wir waren als Stadt zusammen mit dem zuständigen Ortsbildpfleger des Kantons am mehrstufigen Workshop-Verfahren, das es zum Lüdin-Areal gegeben hat, beteiligt. Wir konnten dabei die für uns relevanten Aspekte einbringen. Das jetzt vorliegende Konzept nimmt weitgehend Rücksicht auf die Altstadt. Heikle Punkte sind sicher der Kopfbau an der Rheinstrasse und die beiden anschliessenden Gebäude an der Schützenstrasse. Diese Bauten sind zusammen mit dem Bau auf der andern Seite der Rheinstrasse ein wichtiger Teil der Identität von Liestals Vorstadt.

Das heisst, dass der Kopfbau mit den Annexteilen nicht abgerissen werden darf?

Nein, so absolut gilt das nicht, denn es gibt noch einen zweiten Aspekt. Die CS will ja jetzt den von uns geforderten Architekturwettbewerb durchführen. Ergibt dieser eine städtebauliche Verbesserung ohne die vorerwähnten Bauten, so kann man nochmals eine Interessenabwägung machen. Es kann aber nicht sein, dass man die Bauten einfach aus wirtschaftlichen Überlegungen abreisst. Es ist auch von der Ressourcen-Thematik her absurd, alles abzureissen und auf die «Höli» zu baggern. Denn insbesondere der Kopfbau steht mit seiner Gliederung für eine reiche Architektur und ist ein Prototyp aus den 1950er- Jahren. Im Stadtrat waren wir uns einig, dass eine kleinere oder grössere Reminiszenz an die Lüdin-Zeit erhalten bleiben muss, denn diese Firma hatte eine grosse Bedeutung für Liestal.

Vis-à-vis des Lüdin-Kopfbaus steht der wuchtige Tertianum-Neubau. Schränkt dieser den Handlungsspielraum der Lüdin-Investoren ein?

Meine Meinung ist, ich will nicht nochmals das Gleiche auf der Lüdin-Seite. Offenbar ist es schwierig, heute eine Architektur mit einem gewissen Anspruch zu machen. Deshalb klammere ich mich an die noch vorhandenen Qualitäten. Wir sind deshalb auch der Meinung, dass man mehrere Architekturbüros mit der Überbauung beauftragen sollte, indem man den Lüdin-Perimeter auf drei etwa gleich grosse Lose aufteilt. So würde Vielfalt entstehen und nicht alles über einen Leist geschlagen.

Ist es überhaupt möglich, all die vorgesehenen Grossprojekte von der Überbauung des Lüdin-Areals über die Neugestaltung der Allee, des Postneubaus bis hin zur Erweiterung des Gerichtsgebäudes parallel zum Vierspurausbau der SBB zu realisieren?

Nein, das geht nicht. Das braucht eine zeitliche Staffelung.

Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

Meistgesehen

Artboard 1