«Es ist eine Schande für die Staatsanwaltschaft. Ich mache dieses Theater nicht mit», schimpfte die 41-jährige Frau am Mittwoch im Gerichtssaal in Muttenz. «Verurteilen Sie mich doch zu einer Gefängnisstrafe oder Sibirien», rief sie den Richtern zu und verlor zwischendurch die Fassung. Gerichtspräsident Andreas Schröder musste die Frau mehrmals mahnen, ihm nicht dauernd ins Wort zu fallen.

Seit Jahren hat die ausgebildete Steuerberaterin ein Verfahren am Hals, hauptsächlich wegen der Schwindelgründung einer Aktiengesellschaft sowie dubiosen Immobiliengeschäften. Der Vorwurf: Im Jahr 2009 soll sie eine Kapitalgesellschaft mitgegründet, ihren Mindestanteil aber nicht einbezahlt, sondern die entsprechende Bestätigung gefälscht haben. Weitere Vorwürfe gehen in dieselbe Richtung: Ihr Mann kaufte ein Grundstück in Dornach, dieses taucht dann allerdings in den Bilanzen der Immobilienfirma auf. Der Verkäufer sah das Geld nie, weshalb er die Firma betrieb: Bereits 2012 ging sie deshalb Konkurs.

Dubios ist auch der Verbleib von 950 000 Franken, mit dem Geld hätte eigentlich eine andere Immobilie gekauft werden sollen. Dass der inzwischen 86-jährige, angeblich Geschädigte aus gesundheitlichen Gründen von der Gerichtsverhandlung dispensiert wurde, machte die Frau noch wütender: Laut ihr hätte er alle Antworten geben können.

Angeklagte war opiatabhängig

Eigentlich ist auch ihr Ehemann angeklagt, dieser kollabierte allerdings letzte Woche und ist nun ebenfalls nicht mehr verhandlungsfähig. Das Gericht trennte daher am Mittwoch die Verfahren ab, zumal die aufwendige Verhandlung bereits einmal wegen der 41-Jährigen verschoben werden musste.

Dass sie bei den Immobiliendeals die Geschäftsführerin war, stritt sie nicht ab, qualifizierte die Anklageschrift aber generell als «Schwachsinn». Ansonsten sei sie damals unter Drogeneinfluss gestanden. Tatsächlich war sie jahrelang in Schmerzbehandlung und erhielt das Opiat Pethidin. Sie betonte, sie leide noch heute unter den Entzugserscheinungen. Die Frau aus Bottmingen bezieht eine halbe IV-Rente und lebt inzwischen im Grossraum Lörrach. Bereits früher zog sie in Medien und Blogs gegen Kantonsarzt und Psychiatrie ins Feld.

«Nebst den Schulden wären auch Ihre Vermögensverhältnisse interessant», meinte Staatsanwalt János Fábián. «Das geht Sie gar nichts an», giftelte die Angeklagte. «Offenbar kann sie sich zusätzlich einen privaten Verteidiger leisten», stocherte Fábián daraufhin weiter. «Ich habe einen reichen Liebhaber», säuselte sie lachend.

Narzistisch und manipulativ

Ein Gutachten spricht bei ihr nebst der Opiatabhängigkeit auch von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. «Zwischenmenschliche Beziehungen nützt sie hemmungslos aus, Mangel an Empathie, Hang zu manipulativem Verhalten», zitierte Schröder aus dem Gutachten. «Ich war in der Politik. Finden Sie dort jemanden, der nicht narzisstische Züge hat. Sonst geht man ja nicht in die Politik oder in den Journalismus», konterte die Frau.

Laut Gutachten ist sie voll schuldfähig. Das Dreiergericht beurteilt diese Woche die Vorwürfe der Urkundenfälschung, Veruntreuung, des betrügerischen Konkurses und weiterer Delikte. Das Urteil fällt nächste Woche.