Bäume gefällt, Bauplätze eingerichtet, ein halbes Dutzend Häuser plattgewalzt, Leitungen verlegt, Verkehr umgeleitet – die ersten zwei Monate des SBB-Vierspurausbaus waren heftig für Liestal. Dabei handelt es sich erst um Vorbereitungsarbeiten für den eigentlichen Gleisausbau. Der zuständige Liestaler Stadtrat Franz Kaufmann sagt: «Der Start war in der Tat happig, und das Stadtbild hat sich in diesen Wochen dramatisch verändert.»

Jetzt werde auch die Trennwirkung, die die Bahngleise für Liestal bedeuten, besser sichtbar. Kaufmann: «Das ist eine richtige Schneise durch die Stadt.» Zwar wisse man seit Jahren, dass das so komme. Aber der Tag, an dem die Abbrüche und Baumfällungen tatsächlich erfolgen, sei gleichwohl einschneidend.

Komplexe Projektorganisation, anspruchsvolle Baustelle

Gleichzeitig sagt Kaufmann: «Aus meiner Sicht sind die Arbeiten gut angelaufen. Doch die komplexe Projektorganisation mit den SBB als Projektleiterin, dem Bauunternehmen Implenia als Ausführende vor Ort und der Stadt als Interessensvertreterin der Bewohner muss sich noch etwas einspielen.» Dabei zieht Kaufmann den Hut vor den Mitarbeitern des Stadtbauamts: «Die Fachleute sind sehr gefordert. Die Verkehrsführung, die Sicherung der Schulwege und die Koordination zum Beispiel beim Leitungsbau verlangen ihnen viel ab.»

In der Verantwortung steht in erster Linie Stadtbaumeister Thomas Noack. Er sagt: «Das ist eine anspruchsvolle, lange, schwierige Baustelle, die nicht spurlos an den Beteiligten vorbeigeht.» Am meisten beschäftige ihn derzeit die Verkehrsumleitung wegen der Arbeiten an der Bahnunterführung der Oristalstrasse.

Diese Unterführung muss wegen des breiteren Gleisfelds und des zusätzlichen Perrons verlängert und verstärkt werden. Zudem folgt demnächst auf der Südseite der Unterführung die Verlegung der Oristal- und der Sichternstrasse in den Hang hinein. Laut SBB dauern diese Arbeiten und damit die Verkehrseinschränkungen bis Mitte nächstes Jahr. Noack meint dazu: «Das ist der Teil beim ganzen Vierspurausbau, der für das Publikum am einschneidendsten ist, denn hier fahren täglich 6000 Fahrzeuge durch.»

Tempo 30 wird schlecht eingehalten

Es habe in den letzten Wochen denn auch etliche Fragen und Anmerkungen rund um die Verkehrseinschränkungen gegeben und die Stadt habe die Veloführung verbessert. Auch sei man daran, die Strassengestaltung im Tempo-30-Bereich auf der Umleitungsstrecke durchs Wiedenhub-Quartier zu ändern und vermehrt Radarkontrollen durchzuführen. Denn man habe festgestellt, dass Tempo 30 schlecht eingehalten werde, so Noack.

SBB-Mediensprecher Martin Meier sagt generell zur Bauerei rund um den Bahnhof: «In diesem Bereich werden wir uns von Süden nach Norden vorarbeiten.» Das heisst, zuerst wird alles auf der Oristal-Seite erledigt. Dazu gehören nebst den Strassenverlegungen auch der Bau der südlichen Zugänge der neuen Personenunterführungen sowie des Parkhauses an der Tiergartenstrasse. Dessen Aushub beginnt im September.

Als zweiten grossen Brocken bezeichnet Stadtbaumeister Noack die Erweiterung des Burgeinschnitts, der wegen des Lärms und der Erschütterungen vor allem die dortigen Anwohner betreffe. Im Burgeinschnitt werden die jetzigen schrägen Bahnborde abgegraben und zu senkrechten Wänden umgebaut, um den nötigen Platz für die vier SBB-Gleise zu schaffen. Erste Vorbereitungsarbeiten haben ebenfalls begonnen, die eigentlichen Aushub- und Aufweitungsarbeiten sollen dann im November starten. Die SBB wollen die von den nächsten Arbeitsschritten betroffenen Anwohner in den kommenden Tagen informieren.

Welche Bauphase macht Stadtrat Franz Kaufmann am meisten Sorgen? Er verweist auf die Erneuerung der Gleise der Waldenburgerbahn, die von Ende 2021 bis Herbst 2022 anstehen, und die damit einhergehende Umstellung der Bahn auf Busbetrieb. Das sei ein grosser Einschnitt für Liestal. «Am meisten Sorgen macht mir aber die Länge der Bauzeit. Jetzt haben wir erst zwei Monate von sechs Jahren hinter uns», antwortet Kaufmann. Seine gute Botschaft lautet: «Derzeit läuft der gravierendste Teil der Arbeiten. Sobald sich diese aufs Bahntrassee verlagern, sind sie fürs Publikum nicht mehr so spürbar.»