Neubau-Pläne KSBL

«Einen besseren Ort gibt es nicht – oder ich wüsste zumindest nicht wo?»

Neuer Gesundheitscluster in Pratteln: Im Gebiet Salina Raurica käme das neue Spital zu stehen, im spitzen Dreieck zwischen der Autobahn A2 auf der Höhe des gelben «Fressbalkens», dem darunter liegenden Bahntrassee und der Strasse.

Neuer Gesundheitscluster in Pratteln: Im Gebiet Salina Raurica käme das neue Spital zu stehen, im spitzen Dreieck zwischen der Autobahn A2 auf der Höhe des gelben «Fressbalkens», dem darunter liegenden Bahntrassee und der Strasse.

Der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder zeigt sich euphorisch über den Vorschlag der Baselbieter Ärztegesellschaft, in seiner Gemeinde ein neues, zentrales Kantonsspital aus dem Boden zu stampfen. So wie Burgunder denken aber nicht alle.

Stephan Burgunder tönt begeistert. «Sensationell» sei die Idee, in Salina Raurica ein neues Spital hochzuziehen, schwärmt der Prattler Gemeindepräsident (FDP). «Wenn man sich das objektiv anschaut, muss man sagen: Einen besseren Standort gibt es nicht – oder ich wüsste zumindest nicht wo?» Anfang Mai seien die Arealentwickler Losinger-Marazzi erstmals mit der Idee des Spitalneubaus auf ihn zugekommen, sagt Burgunder. Am Mittwoch überreichten die Ärztegesellschaft Baselland (AeGBL) und der Verband der Assistenz- und Oberärzte (VSAO) Basel die Spitalpläne dem Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber.

Mit ihrem Vorschlag wagen die Mediziner die Flucht nach vorn. Das Kantonsspital Baselland (KSBL) soll mit einem Neubau in Pratteln die Standorte Liestal und Bruderholz ersetzen. Salina Raurica ist ein kantonales Wirtschaftsentwicklungsgebiet. Losinger-Marazzi beziffern die Baukosten für den «Gesundheitscluster Salina Raurica» mit 600 Millionen Franken. Die Pläne sehen ein Akutspital sowie ein Ambulatorium mit Notfall vor.

Was sagt das Oberbaselbiet?

Bei aller Euphorie ist Burgunder klar: Die politische Diskussion wird nicht einfach. «Es wird Widerstand geben, nicht zuletzt aus dem Oberbaselbiet.» So äussert sich Markus Graf, SVP-Landrat aus Maisprach und Mitglied der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission: «Ich habe mich bisher immer für Liestal als Hauptstandort ausgesprochen, auch als Zeichen an das Oberbaselbiet. Die Variante Pratteln würde ich aber nicht kategorisch ablehnen.»

Kommissionspräsidentin Rahel Bänziger (Grüne) hat Zweifel an der Finanzierung. «Wenn das KSBL auf der grünen Wiese bauen will, muss es das selber finanzieren können. Es darf nicht sein, dass der Kanton die Kosten übernimmt.» Für Bänzigers Kommissionskollege Christoph Buser (FDP, Füllinsdorf) ist denkbar, dass die Finanzierung mithilfe Dritter gelingen könnte. Der Neubau wäre aber lediglich langfristig ein Ausweg. «Wir brauchen erst kurzfristige Lösungen, um die Blutung am KSBL zu stoppen.»

Das KSBL selbst hat sich bereits wohlwollend gegenüber einem Neubau geäussert. Interims-Verwaltungsratspräsidentin Madeleine Stöckli sagte Anfang Juni zur bz, ein Neubau mit der Schliessung von einigen, wenn nicht sogar allen drei bisherigen Standorten, sei eine von vier Varianten. Klar ist: Die Ärztegesellschaft hat auch den VR über ihre Variante informiert.
Die vier Varianten und die Bewertungen des KSBL-Verwaltungsrats sind Bestandteil der Strategieempfehlung zuhanden der Baselbieter Regierung. Der Regierungsrat wird sich bis Herbst auf eine Variante festlegen. Danach folgen die Anträge an den Landrat.

Gesundheitsdirektor Thomas Weber sagt zur bz, alle Optionen würden in die Gesamtschau der Varianten eingebunden. «Ausschlaggebend sein wird das Gesamtinteresse des Kantons.»

Meistgesehen

Artboard 1