Törliplatz

Einen Viertel weniger Umsatz: Felix Mühleisen fordert autofreien «Törliplatz»

Der umtriebige Wirt beklagt Einbussen wegen des Verkehrs auf dem Törliplatz. Er fordert einen autofreien Törliplatz. Jetzt plant er einen «Volksvorstoss».

Das war Balsam für Felix Mühleisens Seele: Am Liestaler Stadtfest im September taufte der Stadtrat den Platz vor dem Törli ausserhalb der Stadtmauern offiziell in Törliplatz um; bisher war er ein Teil des Wasserturmplatzes. Stadtpräsident Daniel Spinnler sprach dabei von einer «Hommage ans Baselbiet, ans Törli und an Felix Mühleisen». Der Törliplatz sei «unser Baselbieter Hauptstadtplatz».

Dass der Törliplatz nicht nur für Liestal, sondern für den ganzen Kanton wichtig sei, das predigt der umtriebige Wirt Felix Mühleisen schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Trotzdem spricht er nur von einem Etappensieg. Denn mit der Umbenennung alleine sei es nicht getan: «Jetzt muss der Törliplatz auch attraktiv werden. Und das kann er erst, wenn er zumindest zu einem grossen Teil verkehrsfrei ist.» Mühleisen wiederholt deshalb seine ebenfalls schon mehrmals vorgebrachte Forderung: «Die Büchelistrasse muss für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.»

An Sommertagen viel Umsatz verloren

Damit verfolgt Mühleisen nicht nur übergeordnete, sondern auch eigene Interessen. Denn die Büchelistrasse setzt unmittelbar an den Törliplatz an. Und der Verkehr, der in diese Strasse einbiegt, trennt Mühleisens Café vom Törli. Dabei kurven die Autos teils gefährlich nahe um den nur von Pflanzentrögen geschützten Aussenbereich des Cafés herum.

Mühleisen macht auch gar keinen Hehl aus seinen geschäftlichen Interessen: «Seit der Aufwertung der Rathausstrasse vor zwei Jahren habe ich an schönen Sommertagen bis zu einem Viertel meines Umsatzes verloren.» Die Aufwertung habe zu einer Verschiebung der Kundschaft ins Stedtli geführt, was auch andere Gastronomiebetriebe ausserhalb des Törlis spürten. Mühleisen: «Davon hat vor allem der Betreiber des ‹Angolo Dolce› profitiert. Er macht es grossartig und ist sehr wertvoll für Liestal, weil er ganz neue Leute hierher bringt.» So ein Magnet nütze auch allen rundherum. Er und weitere Wirte an der Kasernenstrasse wollten aber auch von der Aufbruchstimmung profitieren. Das sei jedoch nur mit einer besseren Anbindung ans Stedtli und mit einem attraktiven Törliplatz möglich, sagt Mühleisen.

Attraktiv heisst für ihn, dass auf dem Platz zum Beispiel Strassenmusikanten auftreten und «Volksfeste» stattfinden, was beim heutigen Verkehrsregime eine Illusion sei. Beim Stichwort «Volksfest» kommt Mühleisen so richtig in Fahrt und tischt eine originelle Idee auf: «Einmal pro Jahr sollte die Gesamtregierung auf dem Törliplatz fürs Volk kochen und jedes Mal einen andern Bezirk dazu einladen.» Den Anfang müsste das Laufental machen, das immer noch ein bisschen eine Aussenseiterrolle spiele.

«Ich mache weiter bis 90, wenn ich kann»

Nach seinem Etappensieg will Mühleisen jetzt das Gesamtrennen um einen verkehrsfreien Törliplatz gewinnen. «Ich habe Zeichen, dass der Stadtrat das Verkehrsregime an der Büchelistrasse ändern will. Wenn es bis im Frühling aber nicht vorwärts geht, gründe ich ein Komitee und mache mit einem Volksvorstoss Druck.» Auf die Frage, ob er denn mit seinen 73 Lebensjahren nicht langsam kürzer treten wolle, antwortet Mühleisen mit einem schallenden Lachen und den Worten: «Ich mache weiter bis 90, wenn ich kann. Meine Familiengene machen mich auf jeden Fall zuversichtlich.»

Das dürfte dem Stadtrat noch die eine oder andere schlaflose Nacht bereiten. Zu einer allfälligen Schliessung des Durchgangsverkehrs auf der Büchelistrasse, wie es übrigens vor ein paar Jahren auch schon erfolglos im Einwohnerrat verlangt wurde, will sich der zuständige Franz Kaufmann derzeit nicht äussern.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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