Pratteln

Einrichtungshäuser suchen im Gewerbegebiet Grüssen gezielt Nähe der Konkurrenz

Im Pratteler Gewerbeareal Grüssen reihen sich die Einrichtungshäuser aneinander.

Im Pratteler Gewerbeareal Grüssen reihen sich die Einrichtungshäuser aneinander.

In Salina Raurica sind Einrichtungshäuser ausdrücklich nicht erwünscht. Zu tief sei deren Wertschöpfung, heisst es einhellig. Auch der Prattler Gemeindepräsident Beat Stingelin hat dies mehrmals betont.

Doch unmittelbar neben Salina Raurica, im Gewerbegebiet Grüssen, sind die Möbelketten weiterhin auf dem Vormarsch. Zu den lange ansässigen Ikea und Conforama gesellte sich vergangenes Jahr Toptip. Pfister vergrössert mit Umstellungen die Verkaufsfläche. Und vor einem Monat eröffnete der Möbeldiscounter Jysk. Wenige Autominuten vom Grüssen entfernt befindet sich zudem Interio.

«Die hohe Konzentration an Möbelläden hat sich so ergeben, ist aber durchaus auch beabsichtigt», sagt Stingelin. Die Ladenbetreiber sehen in der Konkurrenz am selben Ort nur Vorteile. Bei Jysk zeigt man sich einen Monat nach Verkaufsstart sehr zufrieden. «Dank der vielen anderen Anbieter haben wir eine hohe Kundenfrequenz», erklärt Verkaufsleiter Karl Keller. Ikea wirke als Magnet. Ähnlich tönt es bei den anderen Playern, etwa bei Pfister: «Aufgrund der grösseren Auswahl für den Kunden steigt die Attraktivität des Standortes», sagt Sprecherin Sylvie Merlo. «Konkurrenz belebt das Geschäft.»

Gesamtschweizerischer Trend

Dass sich die Geschäfte mit einem zu grossen Angebot zu Tode konkurrenzieren, befürchtet niemand. Oliver Roth, Leiter Division Toptip bei Coop, erinnert an ähnliche Konzentrationen, etwa die Möbelmeile in Lyssach oder in Spreitenbach. «Das sind alles belebte Standorte», sagt er.

Was in Pratteln geschieht, entspricht also einem gesamtschweizerischen Trend in der Branche - und womöglich ist der Prattler Möbelhausboom noch nicht zu Ende. Denn am Grüssenweg 4 stehen demnächst auf drei Stockwerken fast 26 000 Quadratmeter neue Gewerbeflächen zur Verfügung. Der im letzten Frühling vom Einwohnerrat abgesegnete Quartierplan sieht Publikumsparkplätze, viel Lagerfläche und eine Anlieferungshalle vor - ideal für ein Einrichtungshaus.

«Es kann gut sein, dass hier noch ein Möbelgeschäft hineinkommt», meint Gemeindepräsident Stingelin. Die Wertschöpfung solcher Geschäfte sei zwar «grundsätzlich nicht so hoch». Er verweist aber auf ihre soziale Funktion. Für das Einräumen der Waren würden Möbelhäuser unqualifiziertes Personal beschäftigen. «Und man kann im Grüssen zu Fuss vom einen Möbelgeschäft zum anderen gehen.» Das sei ein ökologischer Vorteil. Sein Fazit: «Die Möbelhäuser bringen uns viel Verkehr, aber auch einiges an Steuern.»

Kritischer ist der Grünen-Landrat und Prattler Ex-Einwohnerrat Philipp Schoch. «Eigentlich verträgt es im Grüssen wegen der Luftqualität nichts Publikumintensives mehr», meint er. Man müsse Ikea zwingen, Parkgebühren zu erheben. Und mit einem guten Lieferservice solle man Möbel mit dem ÖV einzukaufen können. «Mit Gewerbe im Grüssen hat Pratteln seine Finanzen saniert, auf Kosten der Luftqualität», kritisiert er.

Bald sind alle Ketten in Pratteln

Doch solche Überlegungen machen sich die Möbelhändler nicht. Laut Sprecherin Merlo hätte Pfister nichts gegen noch mehr Konkurrenz im Grüssen einzuwenden, denn: «Der Markt soll entscheiden».

Jysk-Verkaufsleiter Keller meint zwar, mehr Konkurrenz mache ihm zwar das Leben schwer. «Aber dann müssen wir einfach besser sein.» Er sieht allerdings eine natürliche Grenze des Wachstums kommen: «Ich wüsste nicht, welche Schweizer Einrichtungshaus-Kette es noch gibt, die nicht bereits in Pratteln ist.»

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