Drei Klassen der Primarschule Kilchbühl in Biel-Benken bereiten sich seit Wochen auf ihr Abschlussfest am Freitag vor. Es ist etwas ganz Besonderes: Die Schüler schwingen das Tanzbein – das Paar-Tanzbein. Gelernt haben sie die Schrittfolgen von einer Tanzlehrerin des gemeinnützigen Vereins Dancing Classrooms Schweiz. In zehn Wochen nimmt sie die Kinder auf eine Reise durch die Welt der Tänze. Während 18 Lektionen üben die Kinder sieben Gesellschaftstänze und zwei Line Dances. Zum ersten Mal ist Dancing Classrooms im Baselbiet aktiv.

Die bz besuchte zwei 4. Klassen plus eine 5. Klasse der Primarschule Kilchbühl während einer ihrer letzten Proben vor dem Abschlussball. Wie grosse Tänzerinnen und Tänzer bewegten sich die Kinder passend zu der Musik.

Mit grosser Eleganz und höchster Konzentration präsentierten Sie ihr Erlerntes. «Das sah in der ersten Lektion noch ganz anders aus», erzählt die Tanzlehrerin Simone Nanzer: «Die erste Tanzstunde ist immer sehr herausfordernd.» Sie müsse in der ersten Tanzstunde immer mit Widerständen von einzelnen Schülern kämpfen, zudem hätten die Kinder zu Beginn oft Berührungsängste. «Im Laufe der Wochen verschwinden diese Hemmungen», sagt Nanzer.

Dancing Classrooms fand seinen Ursprung 1994 in den USA und wurde von den weltberühmten Gesellschaftstänzern Pierre Dulaine und Yvonne Marceau ins Leben gerufen. 2010 fasste das Projekt auch in der Schweiz Fuss. Seit Oktober 2010 haben insgesamt 313 Klassen in der Schweiz mitgemacht.

In erster Linie geht es bei Dancing Classrooms darum, durch das Tanzen soziales Bewusstsein, Vertrauen in sich und andere, Selbstwertgefühl und Zusammenarbeit zu fördern. Zudem legt Dancing Classrooms grossen Wert darauf, dass die Kinder respektvoll miteinander umgehen. Noah Kleiber ist das selbst aufgefallen: «Normalerweise spielen wir Jungen untereinander und die Mädchen untereinander, deshalb war es anfangs ungewohnt, miteinander zu tanzen, aber jetzt, nach all diesen Lektionen, ist das schon ganz normal geworden.» Die Lektionen sollen nicht zuletzt viel Spass bereiten und durch die Freude an der Bewegung das Gesundheitsverhalten verbessern.

Simone Nanzer ist nicht nur Tanzlehrerin, sondern auch Lehrerin an der Volksschule. Sie freut es besonders, dass sie für einmal keine Noten erteilen muss und den Kindern ohne Tests wichtige Sachen beibringen darf. Auch den Schülern gefällt die Abwechslung im Schulalltag.

Noah Kleiber tanzt am liebsten Stomp: «Stomp ist sehr actionreich, man kann richtig gut stampfen und die Wut heraus lassen.» Einen eher schwierigen Tanz findet Noah den Cha-Cha Slide: «Er ist deshalb nicht ganz einfach, weil man genau das machen muss, was gesungen wird. Da der Song auf Englisch ist und wir noch gar kein Englisch haben, ist er besonders schwierig.» Und Chiara Mangold ist vom Tango begeistert: Sie liebt die Dramatik im Tanz.

Für einmal Ladys und Gentlemen

Bei der Probe hatten die Schüler ihre Turnkleider an. Am Freitag findet dann der Abschlussball statt. Zu diesem besonderen Anlass werden die Tänzerinnen und Tänzer sich festlich kleiden.

Chiara Mangold zieht ein verspieltes, knielanges rosafarbenes Kleid mit viel Tüll an. Samuele Cammarata erklärt, dass die Jungen alle schwarze Schuhe und Hosen sowie ein weisses Hemd tragen werden. Die Schüler, die sonst in Jeans und Turnschuhen herumlaufen, werden an diesem Ball zu Ladys und Gentlemen.