Bundesratskandidatur

Elisabeth Schneider-Schneiter: «Ich bin nicht bloss eine Alibi-Kandidatin»

Die Baselbieter Bundesratskandidatin kann ihren persönlichen Wahlkampf nur mit Verzögerung aufnehmen.

Frau Schneider-Schneiter, am Donnerstagabend um 19.40 Uhr sagten Sie in Zwingen «Ja, ich will». Weit nach Mitternacht kehrten Sie vom CVP-Parteitag nach Hause zurück. Wie ist es seither weitergegangen?

Elisabeth Schneider-Schneiter: Ich wurde mit Glückwünschen förmlich überschwemmt, hing aber auch selber noch lange am Handy, da ich viele Leute persönlich über meinen Entscheid informieren wollte. Am Freitagmorgen bin ich um 6 Uhr aufgestanden, die erste Interviewanfrage, von Radio Basilisk, erfolgte bereits um 7 Uhr. Bis Freitagmittag kamen mindestens zehn weitere Medienanfragen und ein weiteres Radiointerview hinzu. Aber ich habe extra den ganzen Freitag dafür freigenommen. Im Moment erledige ich das alles als One-Woman-Show.

Sie haben noch kein eigenes Wahlkampfteam für Ihre Bundesratskandidatur?

Nein, aber ich benötige definitiv Unterstützung, insbesondere im Bereich der Kommunikation.

Wie gross soll Ihr Team werden?

Das kann ich noch nicht sagen; eine Person vielleicht, oder ich kaufe Kommunikations-Leistungen bei einer Agentur ein.

Wie viel Geld wollen Sie für Ihren Wahlkampf ausgeben?

Auch das kann ich noch nicht beziffern, wirklich nicht. Unter anderem hängt dies davon ab, ob meine Kandidatur nur bis zur offiziellen CVP-Nominierung Mitte November läuft, oder bis zum Wahltag am 5. Dezember, sollte ich es tatsächlich auf das CVP-Ticket schaffen.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, Bundesrätin zu werden?

Ich bin sehr zuversichtlich und werde nicht bloss eine Alibi-Kandidatin sein. Ich habe vor meinem Entscheid bis zum letzten Moment die Entwicklung beobachtet und war letztlich überrascht, wie viele valable Persönlichkeiten aus der CVP nicht angetreten sind. Ich denke, dass ich im jetzt bekannten Kandidatenkreis gut meine Stärken ausspielen kann; etwa meine Urbanität, meine Wirtschaftsfreundlichkeit, meine internationale Erfahrung und Fremdsprachenkenntnisse sowie die Tatsache, dass ich Juristin bin.

Hätte es Konkurrentinnen oder Konkurrenten in der CVP Schweiz gegeben, gegen die Sie nicht angetreten wären?

Ja, aber die Namen nenne ich nicht. Es kann ja noch viel passieren. Es steht noch nicht einmal fest, ob unsere Bundeshausfraktion ein Einer-, Zweier oder vielleicht sogar Dreier-Ticket ins Rennen schickt. Kommt es zu einem Zweierticket mit Mann und Frau, sind meine Chancen gemäss jetzigem Stand intakt.

Wie stark hat Sie das parteiinterne Kandidatenkarussell bei Ihrem Entscheid beeinflusst?

Gerade weil so vieles im Moment noch unklar ist, wollte ich nicht in die Situation geraten, mich nachträglich ohrfeigen zu müssen, nach dem Motto: «Wie konnte ich bloss so dumm sein, nicht anzutreten?» Darum habe ich die Herausforderung angenommen. Aber eigentlich kam der Nominierungsparteitag meiner Baselbieter CVP eine Woche zu früh.

Was ist, wenn sich die bürgerlichen Parteien mit einem Sprengkandidaten Gerhard Pfister durchsetzen sollten?

Es ist für mich ein undenkbares Szenario, dass Gerhard eine solche Wahl annehmen würde. Er hat jegliche Absichten dementiert und versprochen, uns als Parteipräsident erfolgreich in die Wahlen 2019 zu führen.

Kurz nach Ihrer Nominierung am Donnerstagabend hat die Baselbieter CVP dem SVP-Regierungskandidaten Thomas de Courten explizit die Unterstützung in dessen Wahlkampf verweigert. Müssen Sie jetzt eine Retourkutsche Ihres Nationalratskollegen in der SVP-Bundeshausfraktion befürchten?

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Die Kantonalpolitik ist sehr weit vom Bundeshaus entfernt. So etwas hat kaum einen Einfluss. Ausserdem hat mich Thomas de Courten ausdrücklich dazu ermuntert anzutreten.

Wie werden Sie Ihren Bundesratswahlkampf führen? Werden Sie alle eidgenössischen Parlamentarier persönlich kontaktieren?

Nein, auf keinen Fall. Ich werde mich nicht für diesen Wahlkampf prostituieren. Ich habe lange Vorgespräche mit ehemaligen Bundesratskandidatinnen geführt. Ich weiss jetzt ungefähr, worauf es ankommt, und dass vor allem die Fraktionshearings ein echter Stresstest werden. Man eilt von Fraktion zu Fraktion, präsentiert sich 10 Minuten lang und muss 20 Minuten lang Fragen beantworten. Je nach Fraktion wird man da unterschiedlich stark gelöchert.

Vor welcher Frage fürchten Sie sich am meisten?

Vor keiner. Natürlich ist auch mir bewusst, dass irgendwann in den Medien die negativen Berichte über mich kommen werden. Bisher war die Berichterstattung ja ausgesprochen positiv, und auch mit meiner Ankündigung verlief medial alles optimal.

Müssen Sie Altlasten befürchten, die ans Tageslicht kommen?

Ich wüsste nicht welche, zumal die Prüfungskommission der CVP die Vergangenheit aller Kandidaten noch genau durchleuchten wird. Ich selber muss jetzt ein Arztzeugnis, den Auszug aus dem Strafregister, den Auszug aus dem Betreibungsregister und den Nachweis, dass ich meine Steuern bezahlt habe, vorlegen.

Was passiert, wenn die Prüfer trotzdem was finden?

Dann empfiehlt die Kommission den Kandidaten, nicht anzutreten.

Mit welchen besonderen Aktionen werden Sie in die kommende erste Wahlkampfwoche nach Ihrer Nominierung steigen?

Mit gar keinen. Am Sonntag fliege ich nach Peking mit der aussenpolitischen Kommission des Nationalrats. Thema der Studienwoche ist die neue Seidenstrasse mit zahlreichen Treffen mit lokalen Behörden in China und Kasachstan. Mein Wahlkampf wird daher erst mit Verzögerung beginnen können.

Wie schlimm ist es für Sie, wenn Sie mit Ihrer Kandidatur scheitern?

Das Wichtigste für mich ist, dass ich den ganzen Wahlkampf locker angehe und nicht verbissen wirke. Ich bin in meiner bisherigen politischen Karriere noch nie etwas verbissen angegangen. Vielleicht hatte ich gerade deshalb in meiner Karriere so viel Erfolg, weil sich all meine politischen Ämter eher zufällig ergeben haben, und ich nie auf ein Amt angewiesen war.

Keine Angst vor den negativen Folgen eines Scheiterns? Wirklich nicht?

Auch das haben mir ehemalige Bundesratskandidatinnen mitgegeben: Die ganze Kandidatur ist eine derart wichtige Erfahrung, von der man ungeheuer viel profitieren kann. Alleine diesen Weg zu beschreiten, stellt schon einen Gewinn dar, und der Mut meiner Kandidatur tut der CVP, tut der ganzen Region gut. Ich denke, dass ich persönlich gestärkt aus diesem Wahlkampf hervorgehen werde.

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