Urban Rothenberger * ärgert sich mächtig. Für den 80-jährigen Liestaler hat das neue Jahr nicht gut begonnen. Ein Couvert der Baselbieter Staatsanwaltschaft flattert ihm ins Haus. Inhalt: Strafbefehl und Einzahlungsschein.

Der Autofahrer wurde Ende Oktober 2015 auf einer Quartierstrasse im Kantonshauptort geblitzt. In der Tempo-30-Zone fuhr der Rentner 16 Kilometer pro Stunde zu schnell, dies nach Abzug der Sicherheitsmarge von 3 Stundenkilometern. Das Vergehen kostet ihn 580 Franken: 400 Franken Busse plus 180 Franken Verfahrenskosten. «Das regt mich zwar auf. Aber ich bin zu schnell gefahren, völlig klar», gibt Rothenberger unumwunden zu. Die Strafe akzeptiere er, da gebe es nichts zu diskutieren.

«Zweifelhafter Ruf»

Was ihm viel saurer aufstösst: Dass er die 580 Franken auf ein Konto bei der UBS in Zürich einzahlen muss, das auf die Finanzverwaltung Baselland lautet. «Weshalb muss ich dem Kanton Baselland meine Busse bezahlen über ein Konto der UBS?», fragt sich der 80-Jährige. Der Kanton erhalte doch von der Basellandschaftlichen Kantonalbank Geld für die Staatsgarantie. «Solche Beiträge liefert die UBS dem Kanton Baselland nicht ab. Zudem hat die Grossbank einen zweifelhaften Ruf», meint Urban Rothenberger und betont: Der Kanton Baselland müsse doch seine Kantonalbank unterstützen.

Martin Kummer, Leiter Tresorerie bei der Baselbieter Finanzverwaltung, versteht den Unmut des Liestalers wegen des UBS-Kontos nicht. «Die Basellandschaftliche Kantonalbank ist unsere Hausbank», unterstreicht er. Die Busse wird aus «prozesstechnischen» Gründen auf das Konto bei der UBS einbezahlt. Dieses sei ein Durchlaufkonto, das bloss zum Einsammeln von Geld diene, erklärt Kummer. «Auf dieses UBS-Konto haben wir permanenten Zugriff, bis dreimal pro Woche werden Beträge auf Konti der Basellandschaftlichen Kantonalbank übertragen.»

Der Kanton Baselland arbeitet primär mit seiner Hausbank zusammen, aber auch mit der UBS, Credit Suisse, Zürcher Kantonalbank und mit Postfinance. Um beispielsweise Bussen in Euro einzutreiben, kooperiert der Kanton zurzeit noch mit zwei, drei ausländischen Banken.

Bei welchen Bankinstituten welche Konten geführt werden, beantwortet die Finanzverwaltung nicht. Diese begründet: «Es handelt sich um eine interne Information, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.» Mit welchen Banken der Kanton Baselland zusammenarbeitet, legt die Finanz- und Kirchendirektion fest. Laut Martin Kummer findet in regelmässigen Zeitabständen eine Überprüfung statt.

* Name geändert