Unser Nationalfeiertag steht an. Das bedeutet Höhenfeuer, Raketen und eine Besinnung auf den Rütlischwur 1291. Aber immer mehr Stimmen werden laut, die fragen: Ist das überhaupt noch zeitgemäss? Ja, ist es. Obwohl Nationalstolz heute eher verschrien wird als angesehen: Wir sind alle irgendwo Heimgeissen. Da können wir noch so weltoffen und global vernetzt sein, einmal tatsächlich in der Fremde, bemerken wir ganz schnell, was alles anders ist als zu Hause.

Solange es um ausländische Attraktionen geht, historische Schauplätze, Architektur und Landschaft, ist das ja total interessant. Aber wehe, wir bekommen im Hotel nicht den gewohnten Kaffee im gewohnten Röstungsgrad. Dann ist es ganz schnell vorbei mit der Sympathie für andere Länder und Sitten. Dann empören wir uns über die gerupften Hühner in der Auslage auf französischen Wochenmärkten, beschweren uns über die nicht genügend knusprigen Croissants aus deutschen Backshops und lästern über die nicht ganz so hervorragende holländische Schokolade. Hinterher verteilen wir noch halbherzige Onlinebewertungen, weil es auf der Grachtenfahrt in Amsterdam nach schmutzigem Wasser roch. Und schliesslich kommen wir nach Hause, mit einem gönnerhaften «Zu Hause ist es doch am schönsten!» auf den Lippen.

Ich wollte nie so eine Touristin sein. Doch erst kürzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht viel braucht, um als Fremde in der Fremde ganz ungewollt zum Bünzli zu werden. Es reicht nämlich schon, wenn man die Landessprache nicht beherrscht. Da wird schon eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Herausforderung. Wenn man in Prag in die falsche Buslinie einsteigt, irgendwo draussen in der Walachei landet und sich mit niemandem verständigen kann, weil das einzige Wort, das man auf Tschechisch kennt, Himbeere ist, fühlt man sich ganz schnell allein. Wenn dazu weder der Busfahrer noch sonst irgendwer Englisch versteht, hat man auch nichts von erlernten Umgangsformen und der Weltsprache.

Und was tut man, umgeben von Sprachbarrieren? Richtig, Musik hören. Weil ein bisschen Lo&Leduc oder Patent Ochsner mit vertrauten Klängen und verständlicher Sprache in einer solchen Situation sehr aufbauend sind. Auf dem Rückflug nach Hause zeigt sich ausserdem, dass der Begriff Heimat in Extremsituationen sehr weit wird. Wenn das Sommergewitter des Jahres ein Landen auf dem Euro-Airport unmöglich macht und dazu führt, dass die Maschine von Sturmturbulenzen geschüttelt bis nach Kloten fliegen muss, um heil anzukommen, ist man am Ende einfach froh, festen Boden unter den Füssen zu haben. Da stehen dann auch schon mal neun Baselbieterinnen in Zürich am Flughafen, lächeln und seufzen: «Endlich zu Hause!»

*Eva Oberli ist Schülerin am Gymnasium in Muttenz und wohnt auf einem Bauernhof in Niederdorf.