Wer darf im Gemeindebann von Nusshof jagen? Diese Frage beschäftigte in den letzten zweieinhalb Jahren verschiedene Instanzen vom Gemeinderat über den Regierungsrat bis zum Kantonsgericht und schüttelte das Dorf durch, wie gehässige Leserbriefe zeigten. Am 23. Mai hat der Gemeinderat nun zum zweiten Mal einen Entscheid getroffen; dieses Mal ist er rechtsgültig, weil die unterlegene Partei innerhalb der Frist von zehn Tagen nicht rekurriert hat. Die Jagdpacht bis 2024 erhält demnach die neue Jagdgesellschaft Nusshof (neue JG).

«Alte» lösen sich auf

Am vergangenen Freitag unterschrieben Gemeinderat und die neue JG den entsprechenden Vertrag. In rund einer Woche, wenn alle Formalitäten wie Jagdaufsicht geregelt sind, können deren vier Jäger aktiv werden im Gelände. Gleichzeitig kann der vom Gemeinderat während des Rechtsstreits eingesetzte Jäger Martin Burri, der den Wildschweinen auf Nusshöfer Boden mit einer hohen Abschussquote das Leben schwer gemacht hat, dieses Mandat ad acta legen.

Der für die Jagd zuständige Nusshöfer Gemeinderat Niklaus Lang atmet hörbar auf: «Ich bin froh, ist dieser Rechtsstreit beigelegt. Ich wäre aber auch froh gewesen, die Regierung hätte einen Entscheid in der Sache selbst gefällt.»

Auch Rolf Wirz, Präsident der Jagdgesellschaft Nusshof (alte JG), die nun leer ausgegangen ist, hätte sich einen inhaltlichen Entscheid gewünscht. Er ist enttäuscht über das Resultat und kündet an, dass sich die alte JG nun auflösen werde, da ihr Vereinszweck, die Jagdpacht in Nusshof, sich nicht mehr erfüllen liesse. Auf einen Rekurs habe seine JG verzichtet, weil er «keinerlei Aussicht auf Erfolg» gehabt hätte. Damit sind wir beim komplexen Rechtsstreit.

Ende 2015 bewarben sich die alte und die neue JG um die Jagdpacht für die Periode 2016 bis 2024. Der Gemeinderat entschied sich Anfang 2016 nach über vier Jahrzehnten für einen Wechsel hin zur neuen JG. Dies, weil er keine Aufteilung des 172 Hektaren grossen Nusshöfer Banns mehr wollte. Die alte JG nahm jeweils die Hauptstrasse als Trennstrich: Südlich davon jagte die JG Sissach, nördlich die JG Arisdorf und Umgebung. Pächterin aber war die alte JG. Lang und Wirz hätten sich nun eine rechtliche Beurteilung dieses Konstrukts gewünscht, wobei sie diametral anderer Meinung sind. Doch darüber musste die Regierung nicht entscheiden, weil mittlerweile die Umstände dem Nusshöfer Gemeinderat in die Hände spielten.

Mit seinem ersten Entscheid von Anfang 2016 habe der Gemeinderat gegen das Jagdgesetz verstossen, entschied der Regierungsrat auf Rekurs der alten JG. Denn dieses besagt: «Der Gemeinderat vergibt die Pacht entweder der bisherigen Jagdgesellschaft oder derjenigen mit der grössten Anzahl ortsansässiger Jägerinnen und Jäger.» Weil beide JG drei ortsansässige Jäger zählten, hätte die alte JG zum Handkuss kommen müssen, argumentierte die Regierung. Der Nusshöfer Gemeinderat zog diesen Entscheid vors Kantonsgericht weiter, das ihn jedoch an die Regierung zurückwies, weil diese – und der Gemeinderat – das rechtliche Gehör von Beteiligten missachtete.

Danach kam ein neuer Aspekt ins Rennen: Die neue JG konnte dank Zuzugs eines Österreichers vier ortsansässige Jäger aufführen. Die Regierung wies deshalb den Fall zur Neubeurteilung an den Gemeinderat zurück. Und dieser liess sich nicht zweimal bitten: Er erteilte die Jagdpacht eben an die neue JG.