Der Mann kann es nicht lassen. Stolze 15 Jahre sass Philipp Schoch im Baselbieter Landrat, bevor er kurz vor Erreichen der Amtszeitguillotine im März 2018 zurücktrat. Dabei hat der Grüne nie einen Hehl daraus gemacht, dass er damit seine Polit-Karriere noch lange nicht als beendet sieht. Mittlerweile hat er gleich mehrere Eisen im Feuer.

So kandidiert der 46-Jährige bei den Gesamterneuerungswahlen im Oktober erneut für den Nationalrat. Dabei dürfte er hinter der Bisherigen Maya Graf, die sich gleichzeitig um den Baselbieter Ständeratssitz bewirbt, sowie der topgesetzten Landrätin Florence Brenzikofer einen schweren Stand haben.

Dessen ist sich auch Schoch bewusst. Nun aber hat er sich noch ein neues Ziel gesetzt: Er will in den Prattler Gemeinderat. Neben dem Bisherigen Roger Schneider hat ihn die Ortspartei bereits offiziell für die Gemeindewahlen vom kommenden Februar nominiert. «Wir gehen davon aus, dass ein zweiter Sitz im siebenköpfigen Gemeinderat durchaus möglich ist», sagt Schoch. «Immerhin ist mein Name in Pratteln bekannt.»

Schoch greift den frei werdenden CVP-Sitz an

Kommt hinzu, dass in der Exekutive ohnehin mindestens ein Sitz frei wird. So will etwa CVP-Mann Emanuel Trueb nicht mehr antreten. Daneben aber könne es zu weiteren Vakanzen kommen, schätzt Schoch. «Einzelne Mitglieder sind schon seit einer gefühlten Ewigkeit im Amt.»

Was aber, wenn er allen Erwartungen zum Trotz vor den Gemeindewahlen doch bereits in den Nationalrat gewählt werden sollte? «Ich würde beide Ämter antreten», stellt er klar. «Das dürfte man durchaus unter einen Hut bekommen.» Schliesslich seien beides keine Vollzeitstellen. «Gleichzeitig wäre es superspannend, die beiden Ebenen von Gemeinde- und Bundespolitik miteinander zu verbinden.»

Doch damit nicht genug. Denn Schoch hat auch schon Ambitionen auf einen Sitz in der Baselbieter Regierung geäussert, sobald der derzeitige Regierungspräsident und Parteikollege Isaac Reber dereinst zurücktritt. Diesen Traum hat der Leiter der Notfallabteilung am Kantonsspital Baselland noch lange nicht aufgegeben. «In meinem politischen Portfolio würde mir dafür vor allem noch Exekutiverfahrung fehlen», sagt er. Erfahrung, die er als Gemeinderat sammeln könnte.

Jahrelang einer der einflussreichsten Politiker

Sonst blickt Schoch auf eine langjährige Erfahrung zurück. 1996 zog er als 23-Jähriger in den Prattler Einwohnerrat ein. 2002 übernahm er das Präsidium der Baselbieter Grünen und wurde im Jahr darauf in den Landrat gewählt, den er 2016 präsidierte. Als Präsident der Umweltschutz- und Energiekommission zählte er während gut einem Jahrzehnt zu den einflussreichsten Parlamentariern im Kanton. Heute präsidiert er den Wald-Verband beider Basel und ist Nachhaltigkeitsbeauftragter für das Eidgenössische Schwingfest 2022 in Pratteln. Fehlt nur noch ein Regierungssitz.

Sieht Schoch die Prattler Exekutive also nur als Durchgangsstation zu höheren Weihen? Ja und nein. Mit dem Gemeinderatsamt könnte er die nötige Erfahrung sammeln. Das Ziel der Kantonsregierung liegt vorerst aber noch in weiter Ferne.

«Ich gehe nicht davon aus, dass eine Regierungskandidatur schon bei den nächsten Wahlen 2021 ein Thema sein wird», sagt er. Ausserdem würde es auch als Gemeinderat rund acht Jahre brauchen, um gesetzte Ziele tatsächlich erreichen zu können. «Gleichzeitig darf ich ohnehin nicht auf einen Regierungssitz setzen», sagt Schoch. «In Liestal wartet niemand auf mich.» (dba)