Entscheidung

Eric Nussbaumer möchte fürs Baselbiet in den Ständerat

Schon in seinem ersten Jahr als Nationalrat 2008 wusste Eric Nussbaumer, wohin er will.

Schon in seinem ersten Jahr als Nationalrat 2008 wusste Eric Nussbaumer, wohin er will.

Der SP-Nationalrat Eric Nussbaumer setzt seine Prioritäten neu: Statt Baselbieter Regierungsrat möchte er nun Ständerat werden. Denn er sucht den Weg nach oben. Ob er kandidiert, ist noch unklar, da sich Claude Janiak noch nicht geäussert hat.

Plötzlich geht alles ganz schnell: Wochenlang liess sich Nationalrat Eric Nussbaumer nicht in die Karten blicken, ob er im Februar 2015 für die SP für den Baselbieter Regierungsrat kandidieren will. «Mein Entscheid ist gereift. Vor den Sommerferien werde ich ihn kommunizieren», hielt er sich noch am Dienstag bedeckt. Doch die Gerüchteküche brodelte letztlich zu stark. Gegenüber der bz bezieht der 53-Jährige nun erstmals Stellung und legt seine Zukunftspläne offen.

Herr Nussbaumer, Sie und Ihr Parteikollege Daniel Münger haben in der Vergangenheit betont, sicher nicht gegeneinander zu den Regierungsratswahlen anzutreten. Nun wird Münger heute vom Gewerkschaftsbund Baselland nominiert. Das lässt nur einen Schluss zu ...

Eric Nussbaumer: Ja, ich habe mich entschieden, nächstes Jahr nicht für den Regierungsrat zu kandidieren.

Weshalb haben Sie das am Dienstag noch für sich behalten?

Ich bin mitten in der Sommersession. Es war vorgesehen, es nach dem Sessionsende am Freitag bekannt zu machen. Nun ist es durchgesickert, weswegen ich Klarheit schaffen möchte.

Dank des abtretenden SP-Regierungsrats Urs Wüthrich wäre die Gelegenheit wohl so günstig wie noch nie. Warum lassen Sie sich diese Chance entgehen?

Das haben mir natürlich einige Weggefährten auch gesagt, dass es dieses Mal besonders einfach sei. Doch mein Entscheid ist das Resultat eines längeren Prozesses. Wer das verstehen will, muss meine ganze Geschichte kennen: 2002 bin ich in der SP-internen Ausmarchung Urs Wüthrich unterlegen. Bei den Gesamterneuerungswahlen 2007 habe ich zum ersten Mal für den zweiten SP-Sitz in der Regierung gekämpft. Ebenso im vergangenen Jahr in der Ersatzwahl für Adrian Ballmer von der FDP. Das hat nicht geklappt und war sehr zeit- und energieintensiv. Ich bin noch nicht so weit, jetzt gleich wieder in einen solchen Wahlkampf einzusteigen.

Das klingt ernüchtert. Empfinden Sie diese Einsicht als persönliche Niederlage?

Dass ich nicht mehr für die Kantonsexekutive kandidiere, erachte ich nicht als Niederlage. Vielmehr ist es ein sorgfältiger Umgang mit meinen persönlichen Ressourcen und den demokratischen Wahlergebnissen.

Können Sie ausschliessen, ein anderes Mal wieder für den Regierungsrat zu kandidieren?

In der Politik gibt es nie ein nie. Aber momentan schliesse ich einen erneuten Anlauf aus. Es bräuchte schon eine ganz spezielle Konstellation - etwa, wenn plötzlich in der Regierung der grosse Aderlass stattfindet.

Ihr Parteikollege Christoph Hänggi möchte dafür antreten. Im bz-Interview hat er Ihnen empfohlen, sich lieber auf ihre nationale Politkarriere zu konzentrieren. Tun Sie ihm diesen Gefallen?

Ob die Art und Weise, wie mögliche Kandidaten aus der eigenen Partei via Presse Karrieretipps weitergeben, erfolgsversprechend ist, sei dahin gestellt - aber klar, der Ständerat interessiert mich.

SP-Ständerat ist aber Claude Janiak. Er hat sich noch nicht entschieden, ob er im Herbst 2015 wieder antritt. Mit Ihrer Interessensbekundung setzen Sie ihn unter Druck ...

Nein, keineswegs. Ich trete nur an meine Partei heran, wenn Claude Janiak nicht mehr weitermachen möchte. Hängt er nochmals eine Legislatur an, kommt meine Zeit eben später. Zurzeit ist das auch erst mein persönlicher Entscheid. Ich bin bereit, ob 2015 oder erst zwei bis vier Jahre später.

Warum reizt Sie der Ständerat?

In meinen gut sechs Jahren im Nationalrat bin ich zu einem nationalen Politiker gereift und verstehe den Betrieb. In der grossen Kammer sitzt man vor allem als Vertreter einer Partei, in der kleinen Kammer spielt die politische Herkunft eine untergeordnete Rolle. Man wird als Persönlichkeit gewählt und agiert in einem grundsätzlicheren Umfeld. Dadurch kann man im Ständerat besser Kompromisse finden, die auch von der Gesellschaft getragen werden. Das entspricht mehr und mehr meiner politischen Arbeitsweise.

Bedeutet Ihr Fokus auf Bundesbern, dass Sie die Region vernachlässigen werden?

Nach wie vor werde ich mich in Bern regionalpolitisch engagieren. Und auch die Entwicklung der SP Baselland werde ich weiter begleiten. Sie ist schliesslich meine Heimat.

Drücken Sie nun Ihrem Freund Daniel Münger die Daumen?

Die einzelnen Kandidaten brauchen nicht meine Beurteilung, sondern die Unterstützung der Parteidelegierten. Aber ich finde, dass die zwei Persönlichkeiten auf unser Zweierticket kommen sollten, die im Februar 2015 auch wirklich die grössten Wahlchancen haben.

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