Kommunikation

Erneut Ärger im Paradies: Praxis verpatzt Kommunikation

Die Gruppenpraxis Paradies in Binningen.

Die Gruppenpraxis Paradies in Binningen.

Die beliebte Frauenpraxis Paradies schliesst – das wissen nicht alle Patientinnen.

Wer sich ab März in der Gruppenpraxis Paradies zu einer Vorsorgeuntersuchung anmelden möchte, wird wohl nur einen Anrufbeantworter zu hören kriegen, denn: Die Frauenpraxis in Binningen schliesst am 29. Februar für immer ihre Tore. Das wurde aber noch nicht allen Patientinnen mitgeteilt.

Das «Paradies» war mehr als eine einfache Arztpraxis. In den 1970er Jahren von Aktivistinnen der Frauenbewegung gegründet, wurde das Unternehmen über die Region hinaus bekannt. Grund dafür ist der einzigartige ganzheitliche Ansatz, den die Gruppe von Fachfrauen und Ärztinnen in ihrer Arbeit verfolgte.

Im Oktober 2019 hatte das genossenschaftlich geführte Unternehmen online mitgeteilt, dass das Projekt nach 30 Jahren beendet wird (die bz berichtete). Die gleiche Information sollte auch per Post an alle Patientinnen verschickt werden – das klappte aber nicht. Grund sei ein Computerfehler gewesen, sagt Katharina Stoll, die in der Praxis für Medienanfragen zuständig ist.

Digitale Kommunikation in der alternativen Praxis

Laut Stoll hat die Praxis, nach dem sie den Fehler bemerkt hat, einen Nachversand gestartet. Doch auch dieser erreichte nicht alle Kundinnen, von denen viele sich vor den Kopf gestossen fühlen: «Obwohl ich seit mehr als 20 Jahren regelmässig dort zur Jahreskontrolle gehe, musste ich aus der Presse erfahren, dass die Praxis aufgelöst wird», sagt eine langjährige Patientin der bz. Sie habe bis zum aktuellen Zeitpunkt nie irgendwelche Informationen erhalten.

Durch den Artikel in der bz haben viele überhaupt erst von der bevorstehenden Schliessung erfahren. Trotzdem sei das Vorgehen rechtens, sagt Rolf Wirz von der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion des Kantons Baselland. Das Gesetz schreibe nicht vor, wie genau die Schliessung einer Praxis kommuniziert werden müsse.

Patientinnen, die keinen Brief erhalten und nicht per Zufall von der Schliessung gelesen haben, wissen auch nichts davon, dass sie ihre Patientenunterlagen in der Praxis abholen könnten. Wer dazu Informationen sucht, muss den einzeiligen Hinweis auf der Website des «Paradies» finden. Dieser führt auf eine Unterseite, auf der mehrere Termine im Monat März aufgelistet sind, an denen Patientinnen ihre Unterlagen abholen können.

Dass diese Form der Kommunikation ältere Patientinnen womöglich nicht erreicht, wurde anscheinend nicht bedacht. «Ich wäre nie auf die Idee gekommen, die Website der Praxis zu besuchen. Warum sollte ich auch, die Telefonnummer habe ich im Adressbuch.» Das sagt eine Patientin, die sich während fast 40 Jahren regelmässig in der Praxis untersuchen liess. Die Unterlagen von Personen, die den Hinweis auf der Website verpasst haben, sind aber nicht verloren. Im Kanton Baselland müssen Patientenakten für mindestens zehn Jahre nach dem letzten Eintrag archiviert werden. Laut der Medienverantwortlichen der Gruppenpraxis soll die Website noch für weitere zehn Jahre online bleiben, damit Patientinnen auch über die kommunizierten Termine hinaus Zugang zu ihren Akten haben.

Das Bedauern über die Schliessung überwiegt

Die Frau, die seit Jahrzehnten zum Kundenstamm der Gruppenpraxis gehörte, muss sich nun umorientieren. «Ich habe einen Termin mit meiner Ärztin vereinbart. Ich will sie fragen, ob sie mir eine andere Frauenärztin im Raum Basel empfehlen kann. Und ich werde meine Unterlagen in der Praxis abholen.»

Trotz der teilweise missglückten Kommunikation über die Schliessung überwiegt das Bedauern darüber, dass es das «Paradies» bald nicht mehr geben wird. Zahlreiche Patientinnen würden noch ein letztes Mal in die Sprechstunde oder ans Abschiedsfest kommen. «Wir sind berührt über die vielen Reaktionen des Bedauerns», so die Auskunft der Praxis. Und sie würden sich dafür entschuldigen, dass einige Frauen keinen Informations- und Abschiedsbrief erhalten hätten.

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