Pratteln

Erneuter Chloraustritt bei CABB in der Schweizerhalle

Cabb in Pratteln. Nicole Nars-Zimmer

Cabb in Pratteln. Nicole Nars-Zimmer

Nach einem Chemikalien-Austritt in der Nacht auf Montag bei der CABB in Schweizerhalle ist am Dienstag früh erneut eine kleine Menge Chlor entwichen. Für Mensch und Umwelt habe keine Gefahr bestanden, teilten die Polizei und das Unternehmen mit.

Der jüngste Zwischenfall geschah gemäss CABB-Communiqué um halb vier Uhr früh. Eine Schelle an einem Abluftrohr sei undicht gewesen, sagte ein Firmensprecher. Die daraus entweichende Abluft habe einen geringen Chlorgehalt aufgewiesen; der Stoff sei daher nur sehr lokal messbar gewesen.

Die jüngste Panne betraf eine 55 Millionen Franken teure neue Elektrolyseanlage, die CABB in Pratteln am 23. November feierlich einweihen will. Diese löst eine veraltete Anlage ab, die wegen Umweltrisiken ab Jahresbeginn 2017 nicht mehr zugelassen ist. Nach der Panne hat CABB die neue Anlage heruntergefahren und die Behörden informiert.

Dachfenster nicht dicht

In einem CABB-Produktionsgebäude auf Gemeindegebiet von Pratteln BL waren bereits in der Nacht auf Montag Chlorwasserstoff (HCL) und Schwefeldioxid (SO2) ausgetreten. Auf einem Nachbargelände roch jemand die Gase und alarmierte die Feuerwehr. Die Anlage wurde darauf unverzüglich abgeschaltet. Verletzte gab es nicht.

Ein Teil der stinkenden Abluft entwich durch Dachfenster des betroffenen Gebäudes. Diese hätten gemäss dem Sprecher eigentlich geschlossen sein sollen, seien es aber wegen eines Defekts nicht gewesen. Der Einsatztrupp der Industriefeuerwehr dichtete in der Folge einen Haarriss in einer Leitung sowie die Dachluken ab.

Gemäss einem Communiqué ergaben Messungen ausserhalb jenes Gebäudes in der Folge keine Hinweise auf die beiden ausgetretenen Stoffe. Die Ursache für den Materialschaden werde untersucht, und das defekte Rohrstück sei ausgetauscht worden.

Am Montag waren die Behörden nicht informiert worden. Dabei habe sich das Unternehmen jedoch an die vorgeschriebenen Kriterien und Abläufe gehalten, wie ein Polizeisprecher sagte. Der späte Gang an die Öffentlichkeit - einen Tag danach um Mitternacht - wurde firmenseits mit vorab nötigen internen Abklärungen erklärt.

"Inakzeptable" Pannenserie

Die Ursachen für den Austritt der Stoffe werden noch untersucht. Auch ob ein strafrechtlicher Tatbestand vorliegt, klärt die Staatsanwaltschaft derzeit ab. Das kantonale Sicherheitsinspektorat und das Arbeitsinspektorat klären die Vorfälle ebenfalls noch ab, bevor dort über allfällige Massnahmen entschieden wird.

Zur Häufung der Zwischenfälle sagte der Unternehmenssprecher nun, diese sei trotz des geringen Ausmasses "völlig inakzeptabel". Eine interne Arbeitsgruppe untersuche bereits die letzten Vorfälle, und auch der neue Qualitätssicherungs-Chef des deutschen Mutterhauses sei derzeit die meiste Zeit im Werk Pratteln.

CABB steckt in einem starken Erneuerungsprozess. In den vergangenen drei Jahren hat das Unternehmen insgesamt rund 125 Millionen Franken investiert. Bis Ende 2018 sollen rund zehn Millionen Franken dazukommen, etwa für mehr Erdbebensicherheit und eine neue Anlage zur Abluftverbrennung.

In den vergangenen Jahren sorgte das Unternehmen mehrfach mit Vorfällen für Schlagzeilen, zuletzt etwa im Frühjahr 2013, als eine ätzende und stark Nebel bildende Chemikalie ausgetreten war.

Chemie-Produktion

CABB beliefert Kunden in der Agro- und Pharmaindustrie. Das Unternehmen ist auf die Herstellung und Vermarktung von Chlor- und Schwefelverbindungen spezialisiert. In Pratteln werden jährlich rund 570'000 Tonnen Feinchemikalien produziert wie etwa Bestandteile von Pflanzenschutzmitteln diverser Hersteller.

2015 hat die deutsche CABB-Gruppe einen Umsatz von 480 Millionen Euro erzielt. Insgesamt betreibt das Unternehmen sechs Werke, davon zwei in Deutschland und je eines in Finnland, Indien, China und der Schweiz. 315 der insgesamt rund 1000 Mitarbeitenden sind im Werk Pratteln beschäftigt.

Vorläuferin SF-Chem war 1917 als gemeinschaftliches Zulieferunternehmen von der Basler Chemie aufgebaut worden. 2004 verkauften die Chemiekonzerne Syngenta und Clariant das Unternehmen an eine Beteiligungsgesellschaft, bevor es 2007 an die etwa gleich grosse CABB ging.

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