Am Freitag trifft sich die SVP Reinach zu einer ausserordentlichen Parteiversammlung. Sie wird nicht nur in den eigenen Reihen sehnsüchtigst erwartet. Denn spätestens am 9. Oktober müssen die Reinacher Parteien bekannt geben, wen sie ins Rennen um die durch den Rücktritt von Urs Hintermann und Silvio Tondi (beide SP) frei gewordenen Gemeinderatssitze schicken möchten. Bei den Bürgerlichen wartet bei diesem Entscheid alles auf die SVP.

FDP-Präsidentin Gerda Massüger etwa sagt, ihre Partei wäre an einer Verschiebung nach rechts im Gemeinderat interessiert. Seit die FDP der SVP bei den letzten Wahlen einen Sitz abgeluchst hat, besteht der Gemeinderat aus jeweils zwei FDP- und CVP-Politikern sowie drei SP-Vertretern. «Daher würden wir es begrüssen, wenn die SVP wieder einen Sitz holt. Aber ob wir die SVP unterstützen werden, hängt von ihren Kandidaten ab. Es müssten fähige neue Köpfe sein, die in einer Kollegialbehörde arbeiten können.»

Namen möchte Massüger keine nennen. Aber gepaart mit den Gerüchten über mögliche SVP-Kandidaten sind die wenigen Worte Massügers vielsagend. Als Spitzenkandidaten der SVP werden die Land- und Einwohnerräte Paul Wenger und Caroline Mall gehandelt. Ein neuer Kopf wäre Wenger nicht. Er sass bereits im Gemeinderat, wurde 2016 aber abgewählt. Für Mall wäre das Amt neu. Aber sie gilt unter Reinacher Politikern als harte Parlamentarierin, die immer wieder auf Konfrontationskurs mit dem Gemeinderat geht. So befürchten viele, dass sie in einer Kollegialbehörde Schwierigkeiten hätte.

«Lassen uns nichts vorschreiben»

Auch das gegenteilige Gerücht kursiert: Weil die SVP wisse, dass Wenger und Mall umstritten sind, würde sie andere Kandidaten nominieren. «Ich kenne all diese Gerüchte», sagt Paul Wenger. Ob er Interesse an einem zweiten Anlauf hätte, möchte er nicht kommentieren. Dafür betont er: «Wen wir letztlich aufstellen, entscheidet bei uns die Mitgliederversammlung in einem demokratischen Prozess. Dass andere Parteien uns mögliche ‹Wunschkandidaten› nennen, nehmen wir zur Kenntnis; mehr nicht.»

Auch die BDP wartet gespannt auf den Entscheid der SVP. BDP-Präsidentin Marie-Therese Müller könnte sich gar für eine stille Wahl begeistern, etwa von einem SP- und einem SVP-Kandidaten. «Das wäre ein Signal an die Wähler, dass die Politik sich zusammengerauft hat.

Aber es müssten Kandidaten sein, hinter denen wir stehen können.» In der Zwischenzeit halte sich die BDP die Option einer eigenen Kandidatur offen. Die CVP teilt mit, sie könne sich vorstellen, andere Kandidaten zu unterstützen.

Was den Bürgerlichen die SVP, ist den Linken die SP. «Wir warten ab, was unser Fraktionspartner macht», sagt Grünen-Präsident Marco Agositini. «Oberstes Ziel ist, dass die Linke mindestens einen der beiden Sitze halten kann.» Die Grünen würden antreten, «wenn die SP keinen Kandidaten stellt oder einen, der für uns nicht wählbar ist». Bei der SP ist man gemäss deren Präsident Markus Huber noch immer am Abwägen von Optionen. Es stehe noch nichts fest. «Der SP ist grosser Schaden entstanden. Das macht die Ersatzwahl – verbunden mit ihrer Kurzfristigkeit – zu einer schwierigen Angelegenheit.»