Atomstrom

Es braucht 3000 Windräder um das Kraftwerk Gösgen zu ersetzen

Ein Anblick, der in der Region Basel noch nie besonderes viele Anhänger hatte: das vor sich hindampfende AKW Leibstadt.  BZ-Archiv

Ein Anblick, der in der Region Basel noch nie besonderes viele Anhänger hatte: das vor sich hindampfende AKW Leibstadt. BZ-Archiv

Die Sicherheit von Atomkraft sorgt für Diskussionen. Gerade in der Nähe der erdbebengefährdeten Region Basel stehen Atomkraftwerke. Urs Steiner, Chef der Elektra Baselland, sieht keine ausreichenden Alternativen zum Atomstrom im Kanton.

Für den Basler SP-Nationalrat Beat Jans ist das französische AKW Fessenheim das grösste Risiko für die Region: «Es gibt immer wieder Zwischenfälle, es ist überschwemmungsgefährdet und nicht erdbebensicher», sagt Jans. Darum müsse Fessenheim unverzüglich stillgelegt werden. Die Schweizer AKW wurden in puncto Erdbebensicherheit aufgerüstet, es bleibe aber ein Restrisiko: «Selbst in Japan, das viel Erfahrung mit Erdbeben hat, haben sich die Experten verrechnet.» Darum ist eine Diskussion über die Atomkraft notwendig, bekräftigt der Sozialdemokrat, dessen Partei den sofortigen Atomausstieg fordert.

«Es wäre jetzt der dümmste Zeitpunkt, sich von den AKW zu distanzieren», kontert der Baselbieter SVP-Nationalrat Christian Miesch. Es sei falsch, voreilige Schlüsse zu ziehen. Auch der Geschäftsleiter der Elektra Baselland (EBL) Urs Steiner warnt vor voreiligen Massnahmen. Denn bei jedem Grosskraftwerk bestehe die Gefahr einer Katastrophe. So könne etwa auch ein Staudamm brechen. Steiner betont, dass man die Ereignisse in Japan erst analysieren und danach Lehren daraus ziehen müsse.

«Zu wenig konsequent»

Nebst der Sicherheit stellt sich die Frage, ob Stromanbieter bei einem Atomausstieg die Stromversorgung der Region gewährleisten können. Jans ist überzeugt, dass die Region mit ausreichend günstigem Strom versorgt werden kann. Dies hänge für Jans aber vom politischen Willen ab. Die Industriellen Werke Basel (IWB) liefern Strom, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gewonnen wird und fast ausschliesslich in der Schweiz produziert wird.

Der SP-Nationalrat sieht die IWB in einer Vorreiterrolle für die Schweiz: «Seit Jahrzehnten zeigt die IWB den möglichen Weg auf.» Angesprochen auf die anderen Anbieter der Region meint Jans: «Sie sind zwar mit der Förderung erneuerbarer Energien auf dem richtigen Weg, aber zu wenig konsequent.»

Atomausstieg nicht möglich

EBL investiere zwar in längerfristige, umweltfreundliche Projekte, ob die erfolgreich werden, wisse man noch nicht, gibt Steiner zu. Die EBL versuche, ökonomische und ökologische Interessen in Einklang zu bringen. Gerade für die Wirtschaft ist günstiger Strom wichtig. Steiner: «Die Konkurrenzfähigkeit des Baselbiets muss gewährleistet bleiben.»

Steiner und Büttiker halten einen sofortigen Atomausstieg für den Kanton für unmöglich. Baselland bezieht 50 Prozent des Stroms aus AKW. Und Büttiker hält neue Kernkraftwerke für notwendig. «Denn nicht der politische Wille fehlt. Sogar Geld ist genügend vorhanden. Das Problem sind die Bewilligungen für neue alternative Kraftwerke.» Um das Kernkraftwerk Gösgen zu ersetzen, brauche es 3000 Windräder. Wolle man solche bauen, kämen Einsprachen von Einwohnern, Landschafts- und Vogelschützern, poltert Büttiker und folgt: «Klar würden wir von der Atomkraft wegkommen, wenn wir Bewilligungen bekommen würden.»

Strom sparen statt verschwenden

Steiner und Büttiker sind beide überzeugt, dass die Schweiz weiterhin AKW benötige. Vor allem, weil der Stromverbrauch in Zukunft zunehmen werde. Steiner: «Wir können mit der Energieverschwendung nicht weitermachen.» Der Forderung nach Energieeffizienz würden wohl auch Linke und Grüne zustimmen. In diese Richtung zielend meint Steiner: «Es ist billig und unseriös, auf Japans Schultern zu polemisieren.»

Gestern Abend gab es in der Region diverse Mahnwachen für die Menschen in Japan. Greenpeace lud in Basel auf die Pfalz beim Münsterplatz, und in Lörrach versammelten sich die Grünen auf den Postplatz.

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