Kennen Sie diesen Mann? Er ist 43 Jahre alt, Jurist und Pflegefachmann, parteilos und wohnt in Muttenz. Nur Wenige dürften nun laut «Samuel Mathys!» rufen. Denn obwohl er offiziell für die Baselbieter Regierung kandidierte, war er im Wahlkampf praktisch unsichtbar. Und das aus Prinzip. «Es ist ein Experiment für mich, um zu schauen, wie jemand ankommt, der sich mal nicht versucht aufzudrängen, sondern still im Hintergrund wirkt und seine Fähigkeiten zur Verfügung stellt», sagte er schon früher.

Und nun das: Mathys holte heute fast 17 000 Stimmen. Zum Vergleich: Das absolute Mehr lag bei gut 23 000 und damit durchaus in Reichweite. Der zweite Nicht-Gewählte, SVPler Thomas de Courten, schaffte diese Hürde nur knapp. Und wären die 7500 Stimmen, die unter «Diverse» zusammengefasst sind, konsequent auch zu Mathys gegangen: Er hätte de Courten überholt.

Mittewähler oder Proteststimmen?

Er liess es sich denn auch nicht nehmen, am Sonntagnachmittag ins Regierungsgebäude zu kommen. Sein Fazit: «Der Quotient zwischen den erhaltenen Stimmen und dem investierten Kapital – welches gleich Null war – ist hervorragend.» Er habe versucht, sich als Parteiloser «wie ein Keil» zwischen die beiden Pol-Kandidaten Kathrin Schweizer (SP) und Thomas de Courten (SVP) zu drängen. Mathys glaubt denn auch, vor allem Mittewähler angesprochen zu haben.

Auch im Foyer vor dem Landratssaal gab das Glanzresultat des wilden Kandidaten zu reden. Dabei war oft zu hören, dass es wohl «Proteststimmen» von Unzufriedenen seien, die Mathys zugeflogen seien. Er selbst sagt dazu: «Ein gewisser Unmut über die aktuelle Regierung war in der Bevölkerung durchaus zu spüren. Doch es gab wohl auch welche, die neugierig waren und einfach sehen wollten, wie ich den Job machen würde.»

Doch wie geht es nun weiter mit Senkrechtstarter Samuel Mathys? Hegt er andere politische Ambitionen oder bleibt seine Kandidatur eine Eintagsfliege? «Weitere Pläne mache ich davon abhängig, wie sich die politische Lage entwickelt. Nehme ich Missstände wahr oder sehe ich, dass ich mich mit einer innovativen Idee einbringen kann, dann würde ich es vielleicht schon noch mal probieren», sagt er zur bz.

Doch zuerst macht er etwas anderes: «Jetzt gehe ich mit Kollegen gemütlich einen trinken und dann geht der Alltag weiter.»