Edith und Theo Buess senden "liebe letzte Grüsse". Es ist eine sehr spezielle Grussbotschaft, die das ältere Ehepaar aus Reinach heute Dienstag veröffentlicht. Zum Beispiel auf Seite 13 der bz, es ist die Seite mit den Todesanzeigen. Während nämlich Verwandte, Freunde, Bekannte und Nachbarn die Zeilen lesen, ist das Ehepaar Buess bereits tot. 

Es ist nach schwerer Krankheit mit der Sterbehilfeorganisation Exit aus dem Leben geschieden. "Es ist unsere letzte Reise", schreiben sie in ihrer Anzeige. Und: "Wir verlassen die Nordwestschweiz."

Todesanzeigen in der bz vom 15.Mai 2018

Todesanzeigen in der bz vom 15.Mai 2018

Die letzte Ruhestätte liegt auf einer Alp

Ungewöhnlich wie der Abschied ist auch ihre Ruhestätte. "Wir wechseln für die ewige Bleibe – auf die Alp Spielmannda" im Kanton Freiburg. Mit der Beerdigung haben Edith und Theo Buess ein Basler Bestattungsinstitut beauftragt. Dieses hat auch die Anzeige nach dem Tode der beiden Reinacher in der bz geschaltet.

Mehr zum Ehepaar will das Unternehmen aus Diskretionsgründen nicht bekannt geben, auch nicht, warum die beiden diese Ruhestätte gewählt haben. Das Bestattungsinstitut verweist auf den Inhalt der Todesanzeigen.

Todesanzeige in der Basler Zeitung vom 15.Mai 2018

Todesanzeige in der Basler Zeitung vom 15.Mai 2018

Die Alp Spielmannda ist ein mystischer Ort, oberhalb des Schwarzsees in den Freiburger Voralpen gelegen. Dort auf 1522 Metern über Meer beim Plasselbschlund, einem Seitental des Flusses Sense, liegen die Toten. Edith und Theo Buess haben sich als letzte Ruhestätte einen Naturfriedhof ausgesucht. Er war der erste in der Schweiz und wurde 1989 eröffnet. Es ist eine Ruhestätte ohne Grabsteine, Kreuze oder Stelen. Auf der Alp Spielmannda wird die Asche der Erde und damit der Natur übergeben.

Ein Querdenker und eine Sage

Die Idee für diesen Friedhof hatte der Querdenker, Aussteiger und Mundartdichter Franz Aebischer, der 2008 mit 66 Jahren verstorben ist.

Franz Aebischer

Franz Aebischer

Den Namen "Spielmannda" hat die Freiburger Alp von einer Sage erhalten. Sie erzählt von einem Spielmann, der die Menschen in allen Lebenssituationen mit seinem Geigenspiel begleitete. Bis er eines Tages vertrieben wurde. Die Erde soll sich aufgetan haben und darin sei der Spielmann verschwunden, eine letzte Weise spielend - das Lebenslied und gleichzeitig das Abschiedslied. Noch heute soll seine Melodie an schönen Sommerabenden zu hören sein – bald werden ihm auch Edith und Theo Buess lauschen können.