An der Laufner Fasnacht ist die Altstadt des 5500-Einwohner-Städtchens regelmässig ein Thema. Meist spielen die Cliquen darauf an, dass im Stedtli nichts los sei.

In der Vergangenheit mag das durchaus zugetroffen haben. Wer aber seit einigen Tagen die Altstadt besucht, dem bietet sich ein anderes Bild. Alle Restaurants und Bäckereien haben rausgestuhlt und bedienen ihre Kunden draussen.

Dank des guten Wetters nehmen viele das neue Angebot in Anspruch. An den Tischen auf den beiden Trottoirs sitzen Gäste, die ein Glace schlecken oder einen sommerlichen Salat zu sich nehmen.

Mit der Boulevard-Gastronomie möchten die Stadt Laufen und die Interessensgemeinschaft Laufen das Stedtli beleben. Aber nicht nur: «Wir haben seit einiger Zeit eine gute Restaurantszene, welche wir noch stärker fördern müssen», sagt der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof.

Als eine der Massnahmen des Entwicklungsprogramms für die Altstadt animierte man die Betriebe, vermehrt draussen zu wirten. Dafür stellte die Stadt den Lokalen mehr Platz zur Verfügung und die Trottoirs können stärker genutzt werden.

Als Vorbild dient das Stedtli in Liestal

«Wir stiessen bei allen Betrieben auf offene Ohren», erzählt der Stadtpräsident. Als Vorbild für die Boulevard-Gastronomie diene das Liestaler Stedtli, in dem zahlreiche Betriebe rausgestuhlt haben. «Obwohl man die beiden Altstädte eigentlich nicht vergleichen kann, da durch unser Stedtli Autos fahren und dasjenige in Liestal autofrei ist.»

Eine Sperrung der Laufner Altstadt für den Autoverkehr stehe jedoch nicht zur Diskussion, sagt Imhof. Er habe aber schon festgestellt, dass Autofahrer die Geschwindigkeit drosseln, wenn sie an den Tischen vorbeifahren.

Der erste Betrieb, der vor rund einem Monat mit der Testphase begonnen hat, ist die Bäckerei Niederberger-Giger. Geschäftsführer Roland Niederberger kann bislang eine positive Bilanz ziehen. Er sei von vielen Kundinnen und Kunden angesprochen worden, die sich freuten, dass endlich etwas laufe im Stedtli.

Sein Lokal hatte zwar schon vorher draussen einige wenige Tische aufgestellt. «Nun haben wir die Zahl verdoppelt und die Tische befinden sich neu auf Holzplattformen. Das ist ein völlig neues Sitzgefühl», sagt Niederberger. Das hervorragende Wetter der letzten Wochen habe sich in einem Umsatzzuwachs niedergeschlagen.

Boulevard-Gastronomie fördert die Kreativität

Das Restaurant Simply im Rössli gehört zu den Lokalen, die neu auch auf der gegenüberliegenden Strassenseite der Altstadt mit einigen Tischen um Kundschaft buhlen. «Wir setzen mit einer Lounge auf Gemütlichkeit», erklärt Küchenchef Yannick Hänggi.

Eine lauschige Atmosphäre habe dem Stedtli bisher immer gefehlt, findet er. Das Restaurant hat für die Boulevard-Gastronomie eigens seine Karte angepasst hat und serviert nun auch Tapas.

Sowohl Roland Niederberger als auch Yannick Hänggi plädieren dafür, die momentan getestete Boulevard-Gastronomie fortzuführen. Er habe noch nie so viele Leute gesehen, die nach dem Besuch des traditionellen Monatsmarkts im Stedtli zu Abend gegessen haben wie vergangene Woche, sagt Niederberger.

Die Konkurrenz untereinander sei durch das neue Konzept nicht grösser geworden. «Wir wollen einander nicht die Gäste wegnehmen, sondern möglichst viele Besucher in die Altstadt locken.» Von viel Frequenz profitierten letztlich alle.

Geht es so erfolgreich weiter, wird das Stedtli auch an der nächsten Laufner Fasnacht wieder Thema sein: Für einmal aber in positivem Sinne.