Arlesheim

Es musste wohl schnell gehen: Bauherr lässt Obstbaum-Hain abholzen

Anwohner und Behördenmitglieder rieben sich die Augen: Stand da nicht gerade noch ein Obstbaum-Hain? In Arlesheim stellt ein Landeigentümer die Gemeinde vor vollendete Tatsachen – und kann so wohl lästige Einsprachen verhindern.

Erst noch hatten sie Früchte getragen. Dann waren sie plötzlich weg. Eines Tages Anfang Oktober wurden auf einer Parzelle in Arlesheim zwei Dutzend Obstbäume gefällt. Die Abholzaktion sollte offenbar schnell vonstattengehen – die Gemeinde war laut eigenen Angaben nicht informiert. Bei einem Augenschein der bz waren nur noch umgelegte Stämme zu sehen. Und leere Vogelhäuschen.

Der Obstbaumhain musste einem Bauprojekt Platz machen. Der Eigentümer der Parzelle am Finkelerweg plant, das jetzige Landhaus mit Umschwung durch zwei Mehrfamilienhäuser zu ersetzen. Die Obstbäume verteilten sich über das ganze Areal, etliche standen im Weg.

Der Bauherr hatte es mit der Entfernung der Bäume offensichtlich eilig

Eine Erklärung könnte sein, dass er den Konflikt um die Überbauung «La Colline» im Hinterkopf hatte. Umweltschützer bekämpfen das Vorhaben, weil sie überzeugt sind, es gefährde ein nahes Feuchtgebiet. Das Bundesgericht hat über eine Beschwerde noch nicht entschieden, verhängte jedoch zeitweise einen superprovisorischen Baustopp. Heute Donnerstag kommt ein anderes Bauprojekt vor die Gemeindeversammlung, das bereits einmal abgelehnt worden ist: der Quartierplan Schneckenbündten II. Die Beispiele zeigen: Viele Arlesheimerinnen und Arlesheimer stehen Bauprojekten äusserst kritisch gegenüber, sorgen sich um ihr grünes Dorf.

Zonenplan: Auf Obstbäume ist Rücksicht zu nehmen

Zwar sind Bäume im Kanton Baselland nicht generell geschützt. Der Hain war jedoch im Zonenreglement Siedlung der Gemeinde erwähnt. Darin steht: «Neubauten haben auf den bestehenden Obstbaumhain Rücksicht zu nehmen.» Und bei der Revision der Zonenvorschriften Siedlung wurde festgehalten: «In der Zone mit Quartierplanpflicht Finkelerweg ist mit dem wertvollen Obstbaumhain behutsam umzugehen.» Für die Überbauung wird zwar der Quartierplan Finkelerweg erarbeitet. Damit er rechtsgültig werden kann, muss ihn jedoch die Gemeindeversammlung genehmigen.

Der Gemeinderat räumt auf Anfrage zwar ein, dass die Bäume im Zonenreglement erwähnt sind. «Dies ändert aber nichts daran», schreibt Gemeindepräsident Markus Eigenmann (FDP), «dass es sich um Bauland handelt, das überbaut werden darf.» Man sei auch der Ansicht, bei der Projektierung sei behutsam vorgegangen worden. «Gemäss Zustandsanalyse hätten zahlreiche der gefällten Bäume so oder so (…) ersetzt werden müssen.» Es hätten zudem «umfangreiche Gespräche» zwischen der Bauherrschaft und den zuständigen Fachkommissionen stattgefunden.

Eine dieser Fachkommissionen ist die Naturschutz-, Umwelt- und Energiekommission (NUEK)

Die Naturschutz-, Umwelt- und Energiekommission wäre mit den Fällungen ganz und gar nicht einverstanden gewesen. Das geht aus ihrer Mitwirkungseingabe zum Quartierplanentwurf Finkelerweg hervor, die der bz vorliegt. Zitat: «Voten aus der NUEK zeigen eine grosse Enttäuschung über den Wegfall praktisch aller bestehenden alten Bäume.» Und: «Die NUEK wünscht, dass gerade auch ältere, eventuell nicht mehr so vitale Bäume wo immer möglich stehen gelassen werden.» Mit der vorgesehenen Bebauung verliere Arlesheim «wohl den letzten intakten Hochstammobstgarten, so wie er bis weit ins 20. Jahrhundert für das Dorf dominierend war.»

Ähnlich kritisch äusserte sich im Mitwirkungsverfahren die Initiative Natur- und Kulturraum Dornach-Arlesheim, die sich gegen das Projekt «La Colline» wehrt, aber auch der VCS und die Partei Frischluft. Der WWF gibt auf Anfrage zu bedenken, Obstgärten seien via kantonales Natur- und Landschaftsschutzgesetz geschützt.

Ganz wohl ist dem Gemeinderat bei der Abholzaktion offenbar auch nicht. Präsident Eigenmann schreibt, man könne zwar nicht von einer illegalen Fällung sprechen, da Arlesheim keinen eigentlichen Baumschutz kenne. Man hätte es «allerdings begrüsst, wenn die Bäume, deren Fällung im Quartierplanentwurf vorgesehen ist, erst bei Vorliegen einer rechtskräftigen Baubewilligung entfernt worden wären.»

Neuer Hain steht teilweise auf Tiefgaragendach

Der Bauherr teilt der bz mit, man habe beim Vorhaben «viele naturschützerische und ökologische Aspekte» beachtet. Die wertvollen Nussbäume seien erhalten geblieben, der Hain werde ersetzt. Wie den Plänen zu entnehmen ist, würden jedoch viele Bäume über der Einstellhalle gepflanzt. Die Mindestdicke der Deckschicht: ein Meter.

Dass das ein bisschen mager ist, leuchtete auch dem Gemeinderat ein. Markus Eigenmann fügt an: «Im Rahmen der Mitwirkung wurde die minimale Überdeckung der Einstellhalle im Pflanzbereich von Bäumen auf 1,20 Meter erhöht.»

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