SP-Ständerat Claude Janiak muss sich darauf einstellen, bei seiner Kandidatur für eine dritte Amtszeit im Herbst vielleicht nicht nur von Christoph Buser (FDP) herausgefordert zu werden. Die Grünen-Unabhängigen (GU) schliessen nicht aus, am 18. Oktober einen eigenen Kandidaten für den einzigen Baselbieter Sitz im Stöckli ins Rennen zu schicken. Das ist brisant: Die von den Grünen abgespaltene Partei um Landrat Jürg Wiedemann könnte Janiak entscheidende Stimmen wegnehmen – und so indirekt Buser helfen, der von einer breiten bürgerlichen Allianz getragen wird.

Am Rande der Medienkonferenz zur Gründung der Kantonalpartei am 8. April bezeichnete GU-Nationalratskandidatin Esther Maag gegenüber «Onlinereports» eine parallele Ständeratskandidatur als «überlegenswerte Option». Auf Anfrage der bz wiederholte Maag – die als bisher einzige prominente Grüne Wiedemann gefolgt war – am Montag, dass es möglich wäre, dass sie als Ständeratskandidatin antrete: «Es wäre zumindest taktisch geschickt.» Bei den GU habe man bisher keine Zeit gehabt, darüber zu diskutieren. «Innerhalb des nächsten Monats wird der Entscheid aber fallen», sagte Maag.

Dem pflichtet die Geschäftsführerin der Grünen-Unabhängigen, Saskia Olsson, bei. Sie will sich noch nicht zu der Angelegenheit äussern, räumt aber ein, dass eine Kandidatur von Maag möglich wäre, falls sie das selber wünsche. «Ich würde nie Nein sagen, wenn Esther Maag das will», sagt Olsson. Bisher habe man eine mögliche Kandidatur aber noch nicht besprechen können. «Momentan wollen wir uns mit unseren Inhalten positionieren und wachsen. Wir wollen nicht nur als Bildungspartei dastehen», betont Olsson.

Buser der lachende Dritte?

Sollten die GU im kommenden Monat entscheiden, Maag ins Rennen zu schicken, könnte folgendes Szenario eintreffen: Die im rot-grünen Lager positionierte Maag erhält Stimmen, die sonst an Claude Janiak gegangen wären. Wenig Sorgen würde diese dritte Kandidatur wohl Christoph Buser von der FDP machen. Die Stimmen aus dem bürgerlichen Lager dürften ihm sicher sein und er könnte der lachende Dritte sein, der sich über die Rivalität bei den Linken freut. Reelle Chancen auf den Ständeratssitz haben die GU als frisch gegründete Partei nicht. Das weiss auch Olsson: «Es wäre eine sehr geringe Chance. Selbst bei den Nationalratswahlen wäre es sehr speziell, wenn wir bereits einen Sitz machen würden.»

Wenig erfreut über eine mögliche Ständeratskandidatur der GU ist Adil Koller, Co-Präsident der Baselbieter SP. Er wolle sich prinzipiell nicht auf solche Spekulationen einlassen. «Die GU haben offenbar ein grosses Bedürfnis, sich selbst darzustellen. Eine Kandidatur von Esther Maag wäre überhaupt nicht glaubwürdig», sagt Koller. «Es wäre ein versuchter Angriff auf Claude Janiak.» Dies wäre nicht sinnvoll für die künftige Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteien, findet Koller. Die Selbstdarstellung schade auch dem Ansehen der Politik allgemein.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Kandidat ohne realistische Chancen bei Majorzwahlen im Baselbiet zum Spielverderber wird. So kann man Thomas Webers knappen Sieg bei den Regierungsratswahlen im März 2013 auch darauf zurückführen, dass Gerhard Schafroth (GLP) dem SP-Kandidaten Eric Nussbaumer entscheidende Stimmen weggenommen hat.