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Euphorie in Arboldswil: Hier kämpft ein ganzes Dorf für seinen kleinen Dorfladen

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Jeannette Schlumpf darf sich freuen: Der neue Dorfladen von Arboldswil kann realisiert werden.

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Arboldswil wagt Grosses. Ein Einkaufsladen mit Café soll das Leben in der 570-Seelen-Gemeinde bereichern. Damit soll das vom Aussterben bedrohte Geschäft mit einem gigantischen Befreiungsschlag gerettet werden.

Die Glocke auf dem Gemeindehaus ist nach ihrem achten Schlag verstummt. 20 Uhr. Gemeindepräsident Johannes Sutter eröffnet die Gemeindeversammlung. Es komme in Arboldswil eher selten vor, dass zwischen der Rechnungs- und der Budget-Gmeini noch eine weitere eingeschoben werde, sagt er. Doch ein wichtiges Geschäft steht an: Der Baukredit von 2,15 Millionen Franken für die «Hofmet-Schüürä», wo der neue Dorfladen mit Café untergebracht werden soll.

74 Stimmberechtigte – Alteingesessene und Zuzüger – lassen es sich nicht nehmen, um mitzuentscheiden. Sie wollen nur eins: dass das Projekt schlank durchkommt. Der alte Laden ist zu klein, zu unpraktisch und generiert zu wenig Umsatz. Er hat im jetzigen Lokal im Dorf keine Zukunft. Aufmerksam lauschen die Leute den Ausführungen von Urs Ritter, Präsident der Dorfladengenossenschaft (DLG), Gemeinderat Benjamin Schweizer und des Gemeindepräsidenten. Ein Schwall an Informationen, zwischendurch Gelächter.

Ritter schwört die Gemeindeversammlungsteilnehmenden so richtig ein. «Die Nahversorgung von Arboldswil und ein Treffpunkt sind unser Hauptziel.» Die Einrichtung soll rustikal sein, der Charakter der alten Scheune beibehalten werden. «Der neue Laden und das Café werden dem Kunden ein ‹Wow› entlocken», so der DLG-Präsident euphorisch. Und er setzt noch einen drauf: Frischprodukte, ein komplettes Grundangebot für den täglichen Bedarf und immer frisches Brot, «das man schon riecht, wenn man den Laden betritt».

Das Budget ist fast doppelt so hoch

Mit einem Startkapital von einer Viertelmillion Franken finanziert die Dorfladengenossenschaft die Ausstattung. Mit den bestehenden Genossenschafter-Anteilscheinen von 85 000 Franken wird ein Kapitalschnitt angestrebt. Weitere 95 000 Franken erwarten die Verantwortlichen durch Zeichnung neuer Anteilscheine. Der Rest kommt aus anderen Quellen.

Urs Ritter jongliert mit Zahlen: Derzeit zählt der Dorfladen jährlich 21 500 Kunden, die für einen Umsatz von gut 460 000 Franken sorgen. Künftig wird mit 26 000 Leuten gerechnet, das erste Budget fürs Betriebsjahr 2021 beläuft sich auf 800 000 Franken. Ritter prognostiziert eine Nullrunde. Die jährlichen Lohnkosten beziffert er auf knapp 200 000 Franken, für die Miete der Lokalitäten haben sich DLG und Gemeinde auf vorläufig 18 000 Franken pro Jahr geeinigt. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Die neusten Zahlen sind ernüchternd: Im neusten Arboldswiler Dorfblatt schreibt die Dorfladengenossenschaft, dass sowohl die Umsätze als auch die Anzahl Kunden seit diesem Jahr nur in eine Richtung zeigen – abwärts.

In der «Hofmet-Schüürä», die den heutigen Gemeindeschopf zwischen Feuerwehrmagazin und Schule ersetzt, sind neben Dorfladen und Café mit Aussenbereich Lagerräume für Vereine, Schule und Gemeinde geplant. Herzstück im Obergeschoss ist ein grosser Mehrzwecksaal für Anlässe, für die sich das Catering des Dorfladens empfiehlt. Im Baukredit seien genügend Reserven berücksichtigt, erklärt Gemeinderat Schweizer. «Damit wollen wir vermeiden, dass wir später mit einem Nachtragskredit vor die Gemeindeversammlung müssen.» Baubeginn ist Ende Jahr, die Eröffnung auf 6. Dezember 2020 angesetzt.

«2,15 Millionen sind viel für ein Dorf wie Arboldswil»

Gemeindepräsident Johannes Sutter klärt über die Rollen der beiden Partner auf. Die Gemeinde ist Eigentümerin und Vermieterin und bezahle den Gebäudeunterhalt. Die Dorfladengenossenschaft ist Mieterin, betreibt Laden und Café und kommt für die Einrichtungsgegenstände auf. «2,15 Millionen Franken sind viel für ein Dorf wie Arboldswil», gibt Sutter zu bedenken. Die Gemeinde will dafür zwei Millionen an Fremdkapital aufnehmen. Immerhin hat sie in den vergangenen Jahren schon den Schulhaus-Neubau und die Sanierung des Gemeindehauses gestemmt, ohne in finanziellen Engpass zu geraten.

Für ein solch grosses Vorhaben dauert die Diskussion erstaunlich kurz. Ein Mitglied der Feldschützengesellschaft bekundet Mühe damit, dass die «Hofmet-Schüürä» einen Mehrzweckraum hat, der auch an Private vermietet werden kann. Das konkurrenziere ihr Vereinslokal, meint der Stimmbürger. Die Exekutive beruhigt, das werde sich schon einspielen.
Die Abstimmung ergibt ein glasklares Resultat: 72 der 74 Anwesenden sind für das Projekt, zwei enthalten sich. Nachdem die Gemeindeversammlung die Präsentationen der Referenten jeweils mit Applaus bedacht hat, kehrt der Gemeinderat nun den Spiess um: Er klatscht der Versammlung Beifall zu und dankt so für das einstimmige Ergebnis. So was gibts nur in Arboldswil.

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